Chronisch entzündliche Darmerkrankungen –individuelle Therapien am Universitätsklinikum

Leipziger Gastroenterologie setzt auf Patienten schonende Step-up-Behandlung

Pressemitteilung vom 19.05.2015
Chronisch entzündliche Darmerkrankungen machen sich recht unterschiedlich bemerkbar. Bauchschmerzen, Erschöpfung, Fieber, Durchfall können Ursachen sein. Eines eint die rund 300.000 Betroffenen in Deutschland jedoch: der Wunsch, beschwerdefrei leben zu können. Sie alle hoffen auf individuelle Therapiekonzepte, die in diesem Jahr auch das zentrale Thema des Aktionstages „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen“ sind, der anlässlich des World Inflammatory Bowel Disease Tages am 19. Mai 2015 stattfindet.

„Eine komplette Heilung ist bei Morbus Crohn und Colitis ulcerosa leider nicht möglich“, so Prof. Dr. Joachim Mössner, Direktor der Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Wir haben jedoch die Möglichkeit, eine individuell angepasste, geeignete Therapie zu finden, die die Beschwerden lindern, die Häufigkeit der Schübe reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen verbessern kann.“


Morbus Crohn und die Colitis ulcerosa zählen zu den häufigsten chronisch entzündlichen Darmerkrankungen. Eine eindeutige Ursache ist noch nicht gefunden. Die Krankheitsentstehung ist vielmehr die Folge von verschiedenen Faktoren, die sich gegenseitig beeinflussen. Dazu gehören genetische Veranlagungen, aber auch Umweltfaktoren, vielleicht übertriebene Hygiene in der Kindheit. Der Einfluss von psychosozialem Stress ist weniger gut erforscht. Welche Rolle unsere Ernährung spielt, ist auch weitestgehend unklar. Es besteht ein Nord-Süd-Gefälle. Die Erkrankungen sind in Nordeuropa häufiger als im Süden. Die Krankheiten brechen besonders häufig im Alter von 15 bis 35 Jahren aus, können aber auch erst mit einem zweiten Gipfel ab einem Alter von 60 Jahren erstmalig Beschwerden verursachen.


Anhand von medizinischen Leitlinien – also Behandlungsansätzen, die auf der Grundlage von Studien entwickelt wurden – wird auch bei den chronisch entzündlichen Darmerkrankungen vorgegangen. „Dabei fließen natürlich Aktivität und Lokalisation der Erkrankung sowie mögliche Komplikationen in die Bewertung ein“, so der Leipziger Klinikdirektor. „Unser Hauptziel ist es, die Krankheitsschübe zu bekämpfen und Rezidive zu verhindern. Diese lassen sich in der Regel mit medikamentöser Therapie und einer Anpassung der Lebensgewohnheiten reduzieren.“


Die Hoffnung, durch eine ausgedehnte genetische Diagnostik einschätzen zu können, welchen Verlauf die Krankheit nimmt, hat sich leider zerschlagen. „Wir kennen heute verschiedene Risiko-Gene, aber können diesen keinen Krankheitsverlauf zuordnen. Zudem gibt es etwa ein Drittel von Morbus-Crohn-Patienten, denen kein Risiko-Gen zuzuordnen ist“, erläutert der Leipziger Gastroenterologe. „Eine Vorhersage über den Verlauf ist also nicht möglich. Deshalb können wir nur anhand des individuellen Verlaufs reagieren.“


Beim Einsatz von Medikamenten ist Prof. Mössner ein Anhänger der Step-up-Behandlung. Dabei wird mit dem milderen Medikament, das relativ wenige Nebenwirkungen hat, begonnen. Sollte es nicht die gewünschte Wirkung entfalten, wird zur nächst stärkeren Arznei – die dann auch stärkere Nebenwirkungen hat – gegriffen. Ganz anders das Vorgehen bei der Step-down-Behandlung: Dort wird gleich mit den stärksten Mitteln gearbeitet, um dann später die medikamentöse Therapie abzuschwächen. „Ich bin nicht davon überzeugt, dass man dem Patienten gleich eine volle Ladung zumuten sollte“, so Prof. Mössner. „Ganz einfach, weil sich am Ende herausstellen könnte, dass man mit Kanonen auf Spatzen geschossen hat. Ich bin der Meinung, dass eine individuell angepasste, sich – bei Bedarf – langsam steigernde Therapie für den Patienten die zugleich schonende und wirksamste Behandlung ist.“

Uwe Niemann

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.