Operation durchs Schlüsselloch

Uniklinikum Leipzig verbessert die Präzision der Schulter- und Ellenbogen-Arthroskopie

Pressemitteilung vom 28.04.2015
„Schlüssellochchirurgie“ heißt die Arthroskopie im Volksmund. Denn mit ihr sind nur kleine chirurgische Eingriffe für die Behandlung von Gelenkerkrankungen notwendig. Dank aktueller Forschung der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am UKL können mit der filigranen Methode Schulter- und Ellenbogengelenk jetzt noch besser therapiert werden.
Bild vergrößern Mit der Arthroskopie, der so genannten Schlüssellochchirurgie, können auch zahlreiche Erkrankungen und Verletzungen des Schultergelenks behandelt werden.
Foto: UKL
 

Nur knapp vier Millimeter misst die Kamera, die durch einen kanalartigen Schnitt ins Gelenk geführt wird. Von dort sendet sie ein Bild, das erkrankte Strukturen identifizieren lässt, ohne dass die betroffene Stelle chirurgisch geöffnet werden muss. Deshalb wird von einem „minimalinvasiven Verfahren“ gesprochen. Das ist für den Patienten nicht nur deutlich schonender. „Die Einsicht ist sogar besser als bei einem offenen Gelenk“, erklärt Professor Pierre Hepp, Leiter des Bereichs für Arthroskopische und spezielle Gelenkchirurgie / Sportverletzungen. Denn die Instrumente sind so konfiguriert, dass ein 360-Grad-Rundblick erfolgen kann. Ein Vorteil gerade bei komplizierten Gelenken wie dem Schultergelenk.

 Neben der Diagnose ermöglicht die Arthroskopie auch die schonende Therapie. „Die Instrumente werden über Zusatzportale eingeführt“, sagt Hepp und gibt ein Beispiel. Ein Riss der Gelenklippe nach einer ausgekugelten Schulter kann über drei kleine Zugänge behandelt werden. „Früher war ein Schnitt im vorderen Schulterbereich von bis zu zehn Zentimetern notwendig“, sagt Hepp.

 Die Qualität der arthroskopischen Chirurgie wird dank der Forschung gesteigert. Die Mediziner am UKL arbeiten an einer Kombination von Arthroskopie und computergestützter Navigation. Dadurch erhöht sich die Präzision, gleichzeitig reduziert sich die Operationszeit. Hepp: „Schrauben oder Implantate können noch sicherer platziert werden.“ Die Methode gilt inzwischen als etabliert und kommt erfolgreich zur Anwendung. Dafür wurden die Mediziner mit einem Forschungspreis der Gesellschaft für Arthroskopie und Gelenkchirurgie ausgezeichnet.

 Mit den Fortschritten der Arthroskopie hat die Indikationsbreite zugenommen. Beispielsweise sind immer kleinere Implantate bei Verschleißerscheinungen möglich. Im Ellenbogengelenk lässt sich über die Arthroskopie die Beweglichkeit bei Verklebungen und Versteifungen nach einem Unfall häufig schonend wiederherstellen. Dabei sind exakte anatomische Kenntnisse Voraussetzung, denn das Ellenbogengelenk ist von vielen Nerven umgeben. So wird verhindert, dass wichtige Strukturen beim Eingriff zerstört werden.

 Typische Schulterverletzungen, bei denen die Arthroskopie zum Einsatz kommen kann, sind neben der erwähnten Luxation Verletzungen der Sehnen und Bänder, besonders der Rotatoren, die die Drehbewegung der Schulter ermöglichen. Auch Schultereckgelenksverletzungen, die etwa in Folge eines Fahrradsturzes auftreten, werden häufig behandelt. Eine Verletzung, die bei leichtem Schweregrad auch ohne Operation heilen kann. Aber: „Wir haben in den letzten Jahren gelernt, dass Begleitverletzungen häufig sind“, sagt Hepp. „Und die lassen sich über die Arthroskopie leichter erkennen.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.