Dauerbeschallung über Kopfhörer kann Innenohr schädigen

Leipziger HNO-Experte zum Internationalen Tag gegen den Lärm am 29. April

Pressemitteilung vom 27.04.2015
Leipzig. Fluglärm, Straßenlärm, Lärm am Arbeitsplatz – es gibt immer wieder Krach um den Krach, der Nerven kostet und Sinneszellen. Es gibt gute Gründe, dass seit 18 Jahren mit dem Tag gegen Lärm aufmerksam gemacht wird auf die Gefahren, die von einer akustischen Belästigung ausgehen. Doch immer mehr Kinder und Jugendliche schädigen sich selbst, weil sie ihren Ohren zu viel zumuten. „So schön Musik sein kann: Mit voller Dröhnung und auf Dauer kann das Innenohr geschädigt werden“, warnt Prof. Dr. Michael Fuchs, Leiter der Sektion für Phoniatrie und Audiologie der Klinik und Poliklinik für HNO am Universitätsklinikum Leipzig.

Egal, ob In Ear, On Ear oder Over Ear – bei Kopfhörern aller Bauweisen ist ein Zuviel an Lautstärke nicht gesund. „Ich empfehle Geräte mit einer Dynamikbegrenzung, die nicht mehr als 85 Dezibel Schalldruck erzeugen“, so der Leipziger HNO-Experte. „Das ist die magische Grenze: Alles, was lauter ist, macht krank und kann zu einer Lärmschwerhörigkeit führen. Aber nicht die Lautstärke, auch die Dauer der Beschallung kann das Innenohr überfordern.“

Gleich nach dem Aufstehen wird das Radio angeschaltet, auf dem Weg zur Arbeit hämmert der Ohrhörer, im Job ist es meist auch nicht leise, am Abend die Disko – vielfach wird dem Gehör ein Dauerstress zugemutet. Die so genannte Einwirkzeit ist im Verlaufe der Jahre immer weiter gestiegen. Mit der zunehmenden Mobilität von Geräten und hoch wirkungsvollen Kopfhörern kann sich heute faktisch jeder, egal wo er ist, rund um die Uhr beschallen. Mit fatalen Folgen: „Arbeitsmediziner wissen, dass acht Stunden am Tag 85 Dezibel nach zehn Jahren krankhafte Auswirkungen haben. Deshalb sind Arbeitgeber beim Vorliegen solcher Bedingungen zum Lärmschutz verpflichtet“, sagt Prof. Fuchs. „Bei unseren Kindern achten wir zu wenig auf die Dauerbelastung.“ Zudem wird bewusste Ruhe, um dem Ohr auch einmal Entspannung zu gönnen, von manchen gar nicht mehr ausgehalten. „Das Rascheln von Blättern, das Zwitschern von Vögeln – unser Gehör braucht auch die leisen Töne“, so der Leipziger HNO-Arzt.

So angenehm ein Violinkonzert für die Ohren ist; jungen Leuten ist eher nach deftigeren Tönen. „Das ist eigentlich kein Problem. Ein Rockkonzert von drei Stunden hält das Ohr locker aus, wenn man nicht gerade bei Rammstein direkt an den Boxen steht“, so Prof. Fuchs. „In der Nacht hat das Ohr Gelegenheit, wieder zur Ruhe zu kommen. Sollte am Morgen nach dem Konzert aber noch immer ein Pfeifen, Brummen, Wummern oder Rauschen wahrgenommen werden, sollte ein HNO-Arzt aufgesucht werden.“

 

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.