Phänomen Handynacken: Weniger ist mehr

UKL-Orthopäde Professor Heyde rät zum vernünftigen Umgang mit Smartphones und Tablets

Pressemitteilung vom 09.04.2015
Leipzig. Mit dem ungebrochenen Siegeszug von Smartphones und Tablet-Computern in Büros, Cafés und Kinder- und Jugendzimmern hat seit einiger Zeit auch ein neues Krankheitsbild Einzug gehalten: Der so genannte „Handynacken” ereilt viele Nutzer, die es mit der Elektroniknutzung übertreiben. UKL-Wirbelsäulen-Experte Prof. Dr. Christoph-E. Heyde hält nichts von Verboten, aber viel von zeitlich begrenzter Nutzung und körperlichem Ausgleich.
Bild vergrößern
Foto: Stefan Straube/UKL
 

Die mobilen Geräte sind Segen und Fluch zugleich: Mit der zunehmenden Nutzung kann der „Handynacken” einhergehen - durch eine dauerhafte, unnatürliche Körperhaltung im Nacken- und Schulterbereich. Wie US-Forscher Kenneth K. Hansraj in einer Studie nachgewiesen hat, wirken auf einen etwa vier bis sechs Kilo schweren Kopf eines Erwachsenen bei einer Neigung von etwa 15 Grad - wie etwa beim Lesen von E-Mails auf dem Handy - rund 13 Kilo zusätzlich auf die Wirbelsäule. Je weiter der Kopf geneigt wird, desto größer sind die Kräfte. Die Folgen: Verspannungen, frühzeitiger Verschleiß der Wirbel, Abnutzung - im schlimmsten Fall drohen operative Eingriffe.

„Die Studienergebnisse sind für uns als Praktiker nichts Neues, nun haben wir es aber Schwarz auf Weiß. Allerdings muss man diese Daten auch richtig einordnen, da es sich um biomechanische Modellstudien mit gewissen Vereinfachungen handelt”, sagt Prof. Christoph-E. Heyde, Leiter des Bereichs Wirbelsäulenchirurgie der Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am UKL. „Diese Form der Überbeanspruchung bekommen wir in der täglichen Arbeit recht häufig zu sehen”, berichtet der UKL-Mediziner. „Die Muskulatur ist ein lebendiges Gebilde. Wird sie zu stark beansprucht, kann sie durch die unphysiologische Haltung leiden und für weitere Schmerzen oder Verspannungen sorgen.”

Als effektivste Behandlungsmethode sieht der Leipziger Wirbelsäulenspezialist vor allem eine Maßnahme an: Das Mobiltelefon einfach mal ausschalten und weglegen. „Zum einen befreit der Nutzer seinen Körper von der fortgesetzten Fehlhaltung, zum anderen entgeht er auch der ständigen Reiz-Überflutung, die vor allem von der dauerhaften Benutzung der handlichen elektronischen Geräte herrührt.”  Wer das aus beruflichen Gründen nicht könne, der sollte zumindest regelmäßige Pausen machen, seine Haltung überprüfen und korrigieren.

Wichtig seien auch körperliche Aktivität, ausgleichender Sport und Pausen, auch für den ganzen Rücken. Denn je länger ein mobiles Gerät genutzt wird und die Belastung des Nackens und der Schulterpartie steigt, desto mehr wird auch der gesamte Rücken belastet.

Das gelte aber nicht nur für Erwachsene - sondern im rasant steigenden Maße auch für Kinder und Jugendliche. Prof. Heyde sieht bei der „außerklinischen” Behandlung des Handynackens, die eher in der Prävention zu sehen ist,  vor allem einen erzieherisches Ansatz für diese Gruppe. Verbote bringen gar nichts, ist sich der UKL-Mediziner sicher. Stattdessen schlägt er vor, den Nachwuchs mit einem positiven und konstruktiven Gespräch über die Folgen von zu starker Handynutzung aufzuklären.  „Meiner Meinung nach sollte es eher darum gehen, den Handynacken und seine körperlichen Symptome  von vorn herein zu verhindern, als ein generelles Nutzungsverbot zu verordnen.“

Sollten die präventiven Maßnahmen nicht fruchten, bietet die Klinik und Poliklinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Plastische Chirurgie am UKL eine spezielle Wirbelsäulen-Sprechstunde an. In dieser kümmern sich Prof. Heyde und seine Kollegen um Patienten mit Beschwerden im Hals-, Nacken und Wirbelsäulenbereich. Natürlich auch um Betroffene des Handynackens.

 

Wirbelsäulensprechstunde Erwachsene

Di:  9 bis 14 Uhr
Do: 9 bis 15 Uhr
Terminvereinbarung: 0341 - 97 17005

 

Wirbelsäulensprechstunde Kinder

Di: 9 bis 15 Uhr
Terminvereinbarung Kinderorthopädie: 0341 - 97 26226 (Mi von 7 bis 15 Uhr)

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.