Überlebenschancen bei Leberversagen verbessern

Pressemitteilung vom 05.02.2015
Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert eine klinische Studie an der Leipziger Universitätsmedizin mit 1,125 Millionen Euro. Darin wird untersucht, ob bei Leberversagen ein bestimmtes Medikament, das Immun- und Stammzellen aus dem eigenen Knochenmark mobilisiert, die Heilungschancen erhöht. Wenn die Studien positiv ausfallen, steigen die Überlebenschancen für Patienten erheblich.

Patienten mit Leberzirrhose sterben häufig an den Folgen einer akuten Verschlechterung der Leberfunktion. Neben der Lebertransplantation gibt es bisher keine anderen Therapieoptionen. Nicht selten liegen die Überlebenschancen nach drei Monaten unter 30 Prozent. Eine wesentliche Ursache für die ungünstige Prognose ist die durch das Leberversagen ausgelöste Immunschwäche, so dass Patienten häufig durch Infektionen sterben. Ein Forscherteam in der Sektion Hepatologie um Leiter Prof. Dr. Thomas Berg und Dr. Cornelius Engelmann prüft, ob durch Medikamente, die das eigene Knochenmark zur Zellbildung stimulieren, der schwere Krankheitsverlauf positiv beeinflusst und somit die Überlebenschancen gesteigert werden können.

"Wir untersuchen, ob es möglich ist, betroffenen Patienten einen Wachstumsstimulator zu verabreichen. Mit seiner Hilfe soll der Anteil von Immun- und auch Stammzellen im Blut steigen und somit das Immunsystem einerseits und die Funktion der Leber andererseits stabilisiert werden", erläutert Engelmann. Den Patienten wird dabei ein körpereigenes Hormon, der sogenannte Granulozyten-Kolonie-stimulierende Faktor (G-CSF), per Spritze unter die Haut gegeben. Das Medikament wird bereits seit Jahren zur Vorbereitung bei gesunden Knochenmarksspendern verabreicht.

Indische Wissenschaftler haben diese Therapie im Rahmen einer Studie mit knapp 50 Teilnehmern bereits erfolgreich angewandt. "Wir untersuchen nun in der größer angelegten GRAFT-Studie deutschlandweit, ob wir die Ergebnisse bestätigen können", so Studienleiter Engelmann. Dabei wird die Hälfte der rund 260 Teilnehmer auf herkömmliche Weise therapiert, die andere Hälfte wird zusätzlich mit G-CSF behandelt. Anschließend werden die Patienten über einen Zeitraum von einem Jahr beobachtet. Sollte die indische Studie in Leipzig bestätigt werden, stünde eine neue, einfach zu verabreichende und doch sehr effektive Behandlungstherapie zur Verfügung, hebt Engelmann hervor: "Die Überlebenschancen der Patienten könnten von 30 auf 60 Prozent steigen. Außerdem stellt sich dann die Frage, welche Rolle sowohl Immun- als auch Stammzellen bei der Behandlung überhaupt spielen." Auch dem wollen die Leipziger Forscher in Zusatzprojekten im Rahmen der vorerst auf drei Jahre angelegten DFG-Förderung nachgehen. Dabei werden die Mediziner von Wissenschaftlern am Zentrum für Klinische Studien der Medizinischen Fakultät Leipzig unterstützt, die die GRAFT-Studie mit vorbereitet haben und unter anderem die Sammlung und Auswertung aller anfallenden Studiendaten übernehmen.

Ulf Walther