Kleines Leck mit großen Folgen

Die UKL-Augenklinik behandelt Sehstörung RCS mit Kaltlicht-Laser

Pressemitteilung vom 02.02.2015
Leipzig. Ein grauer Fleck taucht im Gesichtsfeld auf? Die Wahrnehmung ist verzerrt? Dann könnte RCS dahinterstecken – Retinopathia centralis serosa, auch Managerkrankheit genannt. In vielen Fällen verschwinden die Sehstörungen von selbst. Tritt keine Besserung ein, setzt die Uniklinik Leipzig je nach Fall auf Medikamente oder eine vorsichtig dosierte Laserbehandlung.

RCS mag sich als Bezeichnung für die Sehstörung etabliert haben. Professor Dr. Peter Wiedemann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Augenheilkunde am UKL, hält Chorioretinopathia centralis serosa für präziser. Weil es auch auf die Aderhaut und nicht nur auf die Netzhaut verweist. „Man nimmt an, dass die Aderhautgefäße undicht sind und sich dadurch ein hydrostatischer Druck unter dem Pigmentepithel aufbaut“, erklärt Wiedemann. Das Pigmentepithel ist die Grenzzellschicht zwischen der Aderhaut und den Fotorezeptoren. Durch Mikrorisse gelangt Wasser unter die Netzhaut. Es entstehen Unebenheiten, wodurch die Fotorezeptoren aus ihrer herkömmlichen Lage herausgehoben werden. In der Folge treten Symptome wie Sehverlust oder Kontrastverlust auf. Es kann zu Verdunkelungen im Gesichtsfeld kommen, zu Verzerrungen oder zur Verkleinerung des Wahrgenommenen.

Es handelt sich, so Professor Wiedemann, um die vierthäufigste nicht-operative Netzhauterkrankung nach der altersabhängigen Maculadegeneration, der diabetischen Netzhauterkrankung und Gefäßverschlüssen. Trotzdem fehlt es noch an Wissen. Stress gilt als Ursache, weshalb RCS auch als Managerkrankheit bezeichnet wird. „Betroffen sind oft Leute, die bis an die Belastungsgrenze arbeiten“, sagt Professor Wiedemann. „Die erste Behandlung ist deshalb Stressreduktion.“ Männer sind sechsmal häufiger betroffen als Frauen. Meist leistungsorientierte, ehrgeizige Menschen zwischen 30 und 45 Jahren. Auch ein erhöhter Blutdruck und Cortisolspiegel ist bei den Betroffenen häufig festzustellen.

Ist die minimale Erhebung des Pigmentepithels mit dem Augenspiegel oft schwer erkennbar, stehen inzwischen sichere Diagnosemethoden zur Verfügung. Einerseits die Angiografie, die mit verschiedenen Farbstoffen arbeitet. Andererseits die Optische Kohärenztomografie. „Mit den beiden Untersuchungen und den Symptomen lässt sich eine sichere Diagnose stellen“, sagt Professor Wiedemann.

Während der Akutphase in den ersten Wochen klingen die Beschwerden oft von selbst wieder ab. Eine evidenzbasierte Therapie gibt es nicht. Dennoch werden Behandlungserfolge erzielt. Kortison, sonst ein Mittel gegen Schwellungen, darf im Fall von RCS nicht eingesetzt werden. Das Gegenteil kann helfen: sogenannte Mineralokortikoidrezeptor-Antagonisten. Außerdem setzt das UKL auf die Photodynamische Therapie (PDT). Dazu wird ein Farbstoff in die Blutbahn gespritzt, der das Auge erreicht und mit einem nicht-thermischen Laser aktiviert wird. Ziel ist der zeitweise Verschluss der Aderhaut, dass sich die Zellen erholen können. Im Vergleich zur thermischen Laserbehandlung, die ebenfalls den Quellpunkt verschließt, ist das Risiko einer Gefäßneubildung geringer.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.