Forschungsförderung: Von Alzheimer-Bluttest bis Lebensqualität im Alter

Pressemitteilung vom 15.12.2014
Wissenschaftler der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig sind für ihre Forschungsprojekte ausgezeichnet worden. Die Themen sind breit gefächert von Alzheimerfrüherkennung mittels Bluttest über Leitlinien in der Sozialpsychiatrie bis hin zu Hilfestellungen für Leukämiepatienten über 70 Jahre. Details erfahren Sie im folgenden Text.
Bild vergrößern Bei der DGSP-Preisvergabe: die Professoren Riedel-Heller (re.) und Becker
Foto: Dörte Staudt
 
Bild vergrößern Preisträger der Alzheimer Forschungs Initiative: PD Dr. Max Holzer
Foto: Thomas Tratnik
 

Behandlungsmöglichkeiten für psychisch schwer Kranke verbessern

Die Deutsche Gesellschaft für Soziale Psychiatrie (DGSP) hat eine Kooperation zwischen den Universitäten Ulm und Leipzig mit ihrem diesjährigen Forschungspreis ausgezeichnet. Die mit 1.000 Euro dotierte Ehrung wird an wissenschaftliche Arbeiten auf dem Gebiet der Sozialpsychiatrie vergeben. Die Arbeitsgruppen um Prof. Dr. Thomas Becker (Psychiatrie und Psychotherapie, Günzburg/Ulm) und Prof. Dr. Steffi Riedel-Heller (Leipziger Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health) haben die "Leitlinie zu psychosozialen Therapien bei schweren psychischen Erkrankungen", die umfassende Behandlungsempfehlungen enthält, auf den Weg gebracht. Zu den schwer psychisch Erkrankten zählen beispielsweise Menschen mit einer Schizophrenie, Persönlichkeits- oder Zwangsstörung oder einer schweren Depression, deren Erkrankung erhebliche Auswirkungen auf ihr tägliches Leben hat und die längerfristig auf das Versorgungssystem angewiesen sind. Die Forschungskooperation hat mögliche und gebotene psychosoziale Behandlungen erstmals für den deutschsprachigen Raum systematisiert und deren Wirksamkeit auf den Prüfstand gestellt. Psychosoziale Therapien wie zum Beispiel das Training sozialer Fertigkeiten sind neben Medikamenten und Psychotherapie wichtige Behandlungsmöglichkeiten für schwer psychisch Erkrankte. In Ergänzung zur Behandlungsleitlinie für Ärzte und Therapeuten haben die Wissenschaftler auch eine kurze Patientenleitlinie für Betroffene und deren Angehörige vorgelegt. Psychosoziale Behandlungsansätze sollen angemessen und möglichst wirkungsvoll im deutschen Versorgungssystem abgebildet werden, um die Versorgung schwer psychisch Kranker zu verbessern.

Messbare Lebensqualität im Alter

Dr. phil. Ines Conrad vom Institut für Sozialmedizin, Arbeitsmedizin und Public Health (ISAP) der Universität Leipzig ist in diesem Jahr eine der drei Gewinnerinnen des Lilly Quality of Life Preises. Ausgezeichnet und mit rund 3.300 Euro dotiert werden herausragende Forschungsleistungen, die einen wertvollen Beitrag zur Lebensqualitätsforschung leisten. Conrad hat es möglich gemacht, die Lebensqualität im Alter wissenschaftlich messbar zu erfassen. Dazu hat sie mit Kollegen einen Fragebogen zur Erfassung der subjektiven Lebensqualität älterer Menschen entwickelt und psychometrische Eigenschaften auf Grundlage einer bundesweiten repräsentativen Befragung in der Altenbevölkerung geprüft. Die subjektive Lebensqualität gilt in weiten Bereichen der gesundheitlichen Versorgung als ein zentrales Kriterium für die Beurteilung der Qualität medizinischer und pflegerischer Leistungen. Allerdings existierten bisher keine international entwickelten Instrumente speziell für die Gruppe der älteren Menschen.

Studienteilnehmer gesucht: Bürger im Alter über 70

Um Lebensqualität und psychosoziale Belastungen im Alter geht es auch in dem Projekt der Wissenschaftlerinnen Prof. Dr. Anja Mehnert und Dr. Heide Götze. Ihre Arbeitsgruppe in der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie befasst sich mit Leukämiepatienten, die älter als 70 Jahre sind. Diese aufgrund der Altersentwicklung stetig wachsende Patientengruppe sei in vielen klinischen und wissenschaftlichen Studien unterrepräsentiert, wodurch auch gezielte Hilfestellungen erschwert sind, sagt Projektleiterin Mehnert. "In dieser Gruppe gibt es Hinweise für eine erhöhte seelische und körperliche Symptomlast verbunden mit deutlichen Einschränkungen im sozialen Leben. Auf der anderen Seite besteht ein Defizit bei den Informationen und der Wahrnehmung von Hilfsangeboten." Ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsvorhaben soll Lebensqualität und Belastungen nun im Zeitverlauf analysieren. Einbezogen wird unter anderem der Einfluss von krebsspezifischen Behandlungen. Die José Carreras Leukämie-Stiftung e.V. fördert das Projekt mit gut 240.000 Euro. Für die Studie werden 400 Menschen im Alter über 70 Jahren gesucht: sowohl Leukämiepatienten als auch Menschen, die nicht an Leukämie erkrankt sind. Sie werden eingehend zu ihren Lebensumständen befragt und erhalten eine Aufwandsentschädigung.

Kontakt und weitere Informationen:
Dr. Norbert Köhler
Telefon: +49 341 97-15438
E-Mail: norbert.koehler@medizin.uni-leipzig.de
Link zur Projekthomepage


Förderung für neuen Alzheimer-Bluttest

Der gemeinnützige AFI - Alzheimer Forschung Initiative e.V. unterstützt die Arbeit von Privatdozent Dr. Max Holzer vom Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung der Universität Leipzig mit 79.770 Euro. In seiner Forschungsgruppe entwickelt er einen Bluttest, der eine einfache und sichere Frühdiagnose von Alzheimer ermöglichen soll. Der Test beruht auf der Stimulierbarkeit von Lymphozyten. Bei Erkrankten im fortgeschrittenen Stadium erreichte der Test eine sehr hohe diagnostische Aussagekraft. Jetzt wollen die Forscher an 100 Patienten testen, ob das Verfahren auch im Frühstadium eine vergleichbar hohe diagnostische Sicherheit erzielt. Eine frühe Diagnose der Krankheit gewährleistet, dass eine Behandlung frühzeitig einsetzen kann und damit Lebensqualität länger erhalten bleibt. Mit den derzeit verfügbaren diagnostischen Verfahren ist eine Frühdiagnose aufwändig und führt nicht immer zu einem eindeutigen Ergebnis. Die AFI fördert seit 1995 mit Spendengeldern engagierte Alzheimer-Forschungsprojekte.

Diana Smikalla