Kinder vor heißen Gefahren schützen: Schwere Verletzungen drohen bei Verbrühungen

Bundweiter „Tag des brandverletzten Kindes“ am 7. Dezember steht unter dem Motto „Aufgepasst mit heißen Flüssigkeiten“

Pressemitteilung vom 02.12.2014
Leipzig. In der Vorweihnachtszeit sorgen Kerzen und heiße Getränke für eine gemütliche Atmosphäre. Doch für kleine Kinder können Lichter, Glühwein und Tee schnell gefährlich werden, wenn sie unbedacht danach greifen. Nicht selten kommt es so im heimischen Wohnzimmer zu Verbrennungen oder Verbrühungen. Darauf will der Verein Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder mit seinem bundesweiten Aktionstag aufmerksam machen, der in diesem Jahr bereits zum fünften Mal stattfindet und in diesem Jahr unter dem Motto „Aufgepasst mit heißen Flüssigkeiten!“ steht.
Bild vergrößern Dr. Margit Weißer leitet am UKL die Kinder-Spezialsprechstunde für Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie.
Foto: Stefan Straube
 

Denn die größte Gefahr für Kinder geht von leicht erreichbaren, heißen Flüssigkeiten aus, sagt Dr. Margit Weißer, Oberärztin in der Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. „Wenn ein Kind die Tasse mit Tee oder Kaffee vom Tisch zieht und sie dabei umkippt, saugt sich die Kleidung schnell mit der heißen Flüssigkeit voll und sie verteilt sich überall auf dem Körper.“ Auch beim Inhalieren reicht ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit: Eine falsche Bewegung, und der Inhalt der Schüssel landet auf dem Schoß.

Die Folge sind thermische Verletzungen: schmerzhafte Verbrühungen oder Verbrennungen, deren Behandlung je nach Schweregrad sehr langwierig sein kann. Bei Säuglingen und Kleinkindern entstehen bereits bei Temperaturen von 45 Grad Celsius Verletzungen, die von Hautrötungen bis hin zu Verbrennungen zweiten Grades reichen. „Häufig betroffen sind der Oberkörper, Arme und Schultern. Kippt die Schüssel beim Inhalieren um, verbrühen sich Kinder die Oberschenkel und die Genitalien“, so Dr. Weißer, die am Uniklinikum die Kinder-Spezialsprechstunde für Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie leitet.

Am Universitätsklinikum Leipzig werden jedes Jahr etwa 150 Fälle von thermischen Verletzungen behandelt. 25 bis 30 Kinder davon sind so schwer verletzt, dass sie stationär behandelt werden müssen. Am häufigsten sind dabei Verbrühungen zweiten Grades, die beispielsweise durch heiße Flüssigkeiten verursacht wurden, seltener Grillunfälle, die Verbrennungen zweiten bis dritten Grades zur Folge haben. Dem Verein Paulinchen zufolge werden deutschlandweit jedes Jahr mehr als 30.000 Kinder und Jugendliche mit thermischen Verletzungen ärztlich versorgt. Davon sind über 70 Prozent zum Zeitpunkt des Unfalls jünger als fünf Jahre.

Sind zwischen zehn und 20 Prozent der Körperoberfläche oder sogar noch mehr betroffen, das Gesicht oder die Hände verbrannt, ist ein Krankenhausaufenthalt meist unumgänglich. Deshalb sei vorausschauendes Handeln bei Erwachsenen so wichtig, damit es gar nicht erst zu schweren Unfällen dieser Art kommt: „Die Kinder müssen manchmal monatelang im Krankenhaus bleiben und im Anschluss jahrelange Behandlungen und kosmetisch-plastische Korrektur-Eingriffe über sich ergehen lassen. Das muss einfach nicht sein“, so Dr. Margit Weißer.

Unabhängig von der Schwere gilt für alle thermischen Verletzungen: Zuerst wenige Minuten kühlen, anschließend mit körperwarmer Spülung (35 bis 37 Grad) isotherm halten – das heißt, die Temperatur soll unverändert bleiben. Auf gar keinen Fall sollte die Brandblase geöffnet oder die verbrannten Flächen mit fettiger Creme oder anderen „Hausmittelchen“ bedeckt werden, da dies Infektionen begünstigen kann. „Die Wunde sollte steril abgedeckt werden. Wer keine entsprechende Auflage zu Hause hat, kann ein frisch gebügeltes Taschentuch verwenden“, erklärt Dr. Weißer. Bei schlimmeren Verletzungen sorgt ein Anruf beim Notdienst für schnelle Hilfe. „Bei nässenden oder blasenbildenden sowie bei großflächigen Verbrennungen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden“, so die Kindermedizinerin.

Die meisten thermischen Verletzungen lassen sich vermeiden, weil sie fast immer vorhersehbar sind, sagt die Oberärztin. Da besonders Säuglinge und Kleinkinder gefährdet sind, sollte stets darauf geachtet werden, dass sie an Flammen oder heiße Flüssigkeiten nicht heranreichen können. „Beispielsweise ist auch das Stromkabel eines Wasserkochers eine Gefahrenquelle, da das Gerät daran heruntergerissen werden kann. Vorsicht ist auch beim Kochen angebracht. Heißes Nudelwasser oder ähnliches kann ebenfalls schwere Verbrühungen verursachen, wenn Kinder nach dem Topf greifen“, macht Dr. Weißer auf weitere Gefahrenquellen aufmerksam.

Informationen gibt es auch bei Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder.

 

Kontakt für Patienten:

Sprechstunde für Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie
Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie
Tel.: (0341) 97 26905
Sprechzeiten: montags 11 bis 15.30 Uhr

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Ines Christ.