Krebs zerstören, Prostata erhalten

Neues Verfahren am UKL zur Prostatakrebsbehandlung zerstört gezielt Tumoren, ohne die Prostata entfernen zu müssen

Pressemitteilung vom 30.09.2014
Leipzig. Mit einem neuen Verfahren zur Behandlung von Prostatakrebs im frühen Stadium können Urologen am Universitätsklinikum Leipzig Tumoren behandeln, ohne dabei die Prostata entfernen zu müssen. Die sogenannte fokale Therapie arbeitet dazu mit hochfokussiertem Ultraschall, der das Tumor-tragende Gewebe zerstört.
Bild vergrößern Das Team um Prof. Jens-Uwe Stolzenburg (li) bei der Besprechung der Bildgebungs-Daten eines Patienten.
Foto: Angela Steller/UKL
 

„Auf diese Weise ermöglichen wir eine Krebsbehandlung, bei der die Prostata und damit die wichtigen Funktionen in diesem Bereich weitgehend erhalten werden“, erklärt Privatdozent Dr. Roman Ganzer, Stellvertretender Direktor der Klinik für Urologie am Universitätsklinikum Leipzig. Das neue Verfahren wird seit kurzem am Leipziger Uniklinikum als einem von wenigen Zentren in Deutschland eingesetzt und kommt für Patienten in Frage, bei denen kleinere, wenig bis mittelgradig aggressive Tumore in einem frühen Stadium festgestellt wurden. Zur Planung ist eine spezielle Kernspinuntersuchung der Prostata notwendig, die am UKL in der Klinik für Radiologie durchgeführt wird. Die Bilder werden für die Behandlung im neuen Behandlungsgerät eingelesen. Ein gebündelter Ultraschall zerstört dann präzise die mit Hilfe von MRT-und Ultraschallbildern identifizierten Tumorareale, so dass ein Schnitt nicht mehr notwendig ist.

Das neue Verfahren ergänzt optimal unsere Spezialisierung auf robotergestützte minimal-invasive Therapie des Prostatakrebses“, so Prof. Jens-Uwe Stolzenburg, Direktor der UKL-Klinik für Urologie. Diese Tumoren sind die die häufigste Krebserkrankung beim Mann - jährlich erkranken 65 000 Deutsche daran. Nicht jeder dieser Tumoren erfordert aber eine Operation oder Bestrahlung. „Nur standen uns bisher letztlich keine so gut geeigneten Alternativen zur Verfügung“, so Dr. Ganzer. Viele Tumoren der Prostata wachsen eher langsam und verursachen lange keine Beschwerden. Ein Eingriff birgt aber immer auch die Gefahr eines Funktionsverlustes im Bereich der Kontinenz oder der Potenz.
Das Verfahren der fokalen Therapie bietet jetzt für ausgewählte Patienten die Chance, das Organ zu erhalten und die Krebsareale zu beseitigen – auf eine extrem schonende Weise, ganz ohne Schnitte oder Strahlenbelastung und mit geringen Nebenwirkungen. Für die Patienten, die meist in der Lebensmitte stehen und grundsätzlich fit sind, eine große Verbesserung.

„Das Verfahren kann auch bei sehr früh erkannten Krebserkrankungen als echte Alternative zur Strategie des kontrollierten Abwartens, der Active Surveillance“, gesehen werden“, erklärt Dr. Ganzer. In solchen Fällen ist derzeit eine Beobachtung üblich, bei der alle drei Monate das Tumorwachstum kontrolliert wird, ohne gleich zu behandeln. “Das ist psychisch für die Betroffenen oft sehr belastend, eine Operation in einem solchen Stadium kann aber mit Nebenwirkungen verbunden sein“, erläutert Dr. Ganzer. Bei schnell wachsenden und aggressiveren Tumoren bleibt die radikale Entfernung der ganzen Prostata mit dem Ziel des Funktionserhalts aber das Mittel der Wahl. Ganzer: “Ziel ist immer größte Sicherheit für den Patienten und größtmöglicher Erhalt an Lebensqualität – deshalb prüfen wir in jedem Einzelfall genau, welches Verfahren geeignet ist.“

Spezial-Sprechstunde fokale Therapie:
Jeweils Freitags
OA PD Dr. med. Roman Ganzer
Tel. 0341-97 17608

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.