Mit dem ersten Zahn gleich zum Zahnarzt

UKL-Experte informiert anlässlich des Tages der Zahngesundheit am 25. September

Pressemitteilung vom 22.09.2014
Schon mit dem ersten Zahn sollte der Zahnarzt aufgesucht werden. Das wird den Eltern von Prof. Dr. Christian Hirsch, Leiter der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde und Primärprophylaxe am Universitätsklinikum Leipzig, geraten. „Es wäre gut, wenn die Kinder den Zahnarzt nicht mit Schmerzen verbinden, sondern nach und nach ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Deshalb mein Tipp: Im Alter von etwa sechs Monaten kommen die ersten Zähne – daher sollte noch vor dem 1. Geburtstag zum ersten Mal der Zahnarzt aufgesucht werden. Diese erste Begegnung wird ganz entspannt verlaufen: Das Kind kann alles anschauen und manches auch anfassen. Wenn dann weiter alle halbe Jahre jemand in den Mund des Kindes schaut, gewöhnt es sich daran.“
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Foto: Stefan Straube/UKL
 

Wie Prof. Hirsch erläutert, sollen Kind und Eltern den Zahnarzt als Gesundheitsberater kennenlernen. Schon früh werden deshalb Hinweise zum Zähneputzen oder zu den Gefahren von Nuckelflaschenkaries gegeben. „Wenn der Erstkontakt mit dem Zahnarzt wegen akuten Problemen entsteht, wird es extrem schwierig für alle Beteiligten“, so der Leipziger Kinderzahnarzt. „Das Kind könnte dann Zeit seines Lebens den Zahnarzt als jemanden ansehen, der bohrt, sticht, spritzt und zieht. Das wollen wir vermeiden – auch durch frühe Prophylaxe.“

Beim ersten Zahnarztbesuch wird geschaut, wie und wo die Zähne durchkommen. Der Experte kann schon erkennen, wo es Probleme geben könnte. Ein halbes Jahr später, das ist dann also nach dem ersten Geburtstag, sitzt das Kind auf dem Schoß der Mutter im Zahnarztstuhl. Wieder ein halbes Jahr später zeigen die Eltern und das Kind beim Zahnarztbesuch, wie daheim die Zähne geputzt werden. „Mit zweieinhalb oder drei Jahren kann das Kind schon allein auf dem Behandlungsstuhl sitzen“, so Prof. Hirsch. „Ziel ist in diesem Alter, dass es den Mund aufmacht, dabei nicht weint und sich gegebenenfalls die Zähne mit einem Lack einpinseln lässt.“

Wie der Leiter der Poliklinik für Kinderzahnheilkunde erzählt, haben er und seine Kollegen leider oft mit der frühkindlichen Karies zu tun, die meist durch ständiges Nuckeln an Flaschen mit süßen Getränken entsteht. Etwa jedes zehnte Kind ist davon betroffen. „Wenn die Eltern erst dann zum Zahnarzt gehen, wenn ihr Kind nachts vor Schmerzen nur noch schreit, wird es problematisch. Denn eine reguläre Behandlung mit Füllungen ist erst ab dem dritten oder vierten Lebensjahr möglich. Daher müssen wir nicht selten zur Narkose greifen, um die Zahnschäden zu therapieren – und jede Narkose ist ein Risiko, erst recht für ein Kind. Den betroffenen Kindern fällt das Kauen schwer, sie müssen oft Medikamente nehmen und werden nicht zuletzt durch stationäre Aufenthalte von ihren Eltern getrennt. Das alles muss nicht sein. Denn das ist kein schicksalhafter Prozess.“

Auf der einen Seite ist die Karies zwar die mit Abstand häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. An der anderen Seite gibt es aber einfache und gut wirksame Möglichkeiten der Prophylaxe, wie eine regelmäßige Mundhygiene mit einer fluoridhaltigen Zahnpasta, eine gesunde Ernährung und eine frühzeitig einsetzende Versorge.

„Von Vorteil für die von uns versorgten kleinen Patienten ist natürlich die interdisziplinäre Nähe zur Kieferorthopädie, zur Kieferchirurgie und zur HNO“, so Prof. Hirsch. „Das gilt besonders bei komplexeren Problemen, die man ja keinem wünscht, die aber durchaus auftreten können. Natürlich verfügt unsere neue Zahnklinik über die modernste technische Ausstattung. Das wirklich Besondere aber ist unsere Nähe zur Wissenschaft: Hier wird universitär gearbeitet, also neues Wissen entwickelt – und davon profitieren unsere Patienten unmittelbar.“

 

Was ist wann Kindern beim Zahnarzt zuzumuten?

½ Jahr: erster Zahnarztbesuch mit Mundinspektion

1 Jahr: Kennenlernen des Behandlungsstuhls auf dem Schoß der Mutter

2 bis 3 Jahre: allein auf dem Zahnarztstuhl sitzen, Auftragen von Fluoridlack

ab 4 Jahre: Behandlung von Zahnschäden mit Füllungen möglich

ab 5 Jahre: Betäubungsspitzen werden ohne Weinen ertragen

 

Patient der Zahnkliniken am Uniklinikum Leipzig kann jeder werden, egal ob Kind oder Großvater. Man braucht keine Überweisung eines niedergelassenen Arztes, sondern kann sich zur Vorsorge oder bei Zahnproblemen direkt einen Termin geben lassen.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.