Immunreaktionen auf der Spur - Heisenberg-Professur für Rheumatologie

Pressemitteilung vom 28.08.2014
Der Rheumatologe Prof. Dr. Ulf Wagner hat über das Heisenberg-Förderprogramm der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig einen Lehrstuhl für Experimentelle Rheumatologie erhalten. Er beschäftigt sich mit Grundlagenforschung und klinischen Studien auf molekularbiologischem und immunologischem Bereich.
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Foto: Diana Smikalla
 

Die Rheumatologie hat sich zu einem ausstrahlenden Fachgebiet entwickelt, in dem chronisch-entzündlichen Erkrankungen mit richtungsweisenden Therapieansätzen effizient und nebenwirkungsarm entgegengetreten wird. Denn die meisten rheumatologischen Erkrankungen gehen auf gestörte Toleranzmechanismen des Immunsystems zurück. Dabei liefert die Grundlagenforschung wichtige molekularbiologische Erkenntnisse über Abläufe im Immunsystem. In klinischen Studien wird die praktische Anwendung erprobt. Die experimentelle Rheumatologie hat immer das angeborene und das angeeignete Immunsystem im Blick. Beide spielen auch bei anderen Erkrankungen wie Multipler Sklerose, Adipositas oder Diabetes eine Rolle. Deshalb ist eine fachübergreifende Forschung fundamental. Das Arbeitsfeld von Ulf Wagner liegt genau an diesen Schnittstellen. Seine Heisenberg-Professur wird eine zentrale Anlaufstelle für immunologisch orientierte Projekte aus der Medizin und den Naturwissenschaften darstellen. Es bestehen bereits wichtige Verknüpfungen zu der Schwesterfakultät Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie.

Auch beim chronisch-entzündlichen Gelenkrheumatismus handelt es sich um eine gegenwärtig noch nicht heilbare Autoimmunerkrankung. In einer fehlgesteuerten Reaktion wird körpereigenes Gewebe angegriffen.
Allerdings kann der zentrale Botenstoff der Immunreaktion mit Medikamenten gehemmt werden. Die Arbeitsgruppe um Ulf Wagner hat sich eingehend mit den Wirkungswegen beschäftigt und dabei einen neuen Mechanismus aufgedeckt. Darüber hinaus untersuchen die Forscher die Rolle von T-Zellen, einer speziellen Art von Immunzellen. Derartige Grundlagenerkenntnisse sind geeignet, zukünftig in Therapieverbesserungen zu münden.

"Eine positive Beeinflussung des Immunsystems hätten wir alle gerne. Davon spricht das enorme Angebot frei verkäuflicher Präparate", stellt Wagner fest. "Die überschießende Reaktion bei Autoimmunerkrankungen, hier ist das angeborene Immunsystem betroffen, kann man seit ungefähr 30 Jahren ziemlich gut unterdrücken. Neu ist die spezifische Unterdrückung des angeeigneten, von Lymphozyten getragenen Immunsystems, beispielsweise indem wir gezielt eine genetische Mutation hemmen, die eine Entzündungsreaktion verursacht. Unser Ziel ist es, derartige Effekte weiter zu entwickeln."

Der 1966 im erzgebirgischen Aue geborene Wagner hat in Leipzig und London Medizin studiert und arbeitet mit einigen Auslandsunterbrechungen seit 20 Jahren an der Medizinischen Fakultät. "Das wissenschaftliche Umfeld hat sich hier dramatisch zum Positiven verändert, deshalb bin ich geblieben", stellt er mit Blick auf die Leipziger Universitätsmedizin fest. "Die Heisenberg-Professur ist eine der höchsten Ehrungen durch die DFG und deshalb eine schöne Auszeichnung, weil sie durch die fünfjährige Finanzierung und anschließende Verstetigung im Fakultätshaushalt eine solide Plattform bietet, auf der anspruchsvolle Forschung betrieben werden kann."
Mit seiner Arbeitsgruppe bereichert Wagner den universitären Forschungsschwerpunkt der Zivilisationserkrankungen. So sind Erkenntnisse über autoimmune und entzündliche Mechanismen der verschiedenen Zivilisationserkrankungen in das Großforschungsprojekt LIFE eingegangen, ebenso wie Untersuchung zu Wechselwirkungen zwischen Umweltfaktoren und der Entstehung von Autoimmunität.

Diana Smikalla