Tetanus-Gefahr auch bei der Gartenarbeit nicht unterschätzen

UKL-Infektionsmediziner Dr. Christoph Lübbert rät zur Impfung

Pressemitteilung vom 30.07.2014
Umgraben, harken, ernten – Sommerzeit ist Gartenzeit. Kleinere Verletzungen bleiben dabei nicht aus, wenn man an den Dornen von Brombeeren hängenbleibt oder sich beim Stutzen der Hecke in die Hand schneidet. „Neben einer gründlichen Reinigung der Wunde ist auch eine regelmäßige Impfung gegen Tetanus wichtig. Denn die resistenten Sporen des Bakteriums kommen nahezu überall auf der Welt vor, auch in der Gartenerde oder im Straßenstaub“, erklärt Dr. Christoph Lübbert. Er leitet den Bereich Infektions- und Tropenmedizin am Uniklinikum Leipzig.

Schon eine kleine Verletzung reicht aus, über die die Sporen in den Körper gelangen und entlang der Nervenbahnen bis ins Rückenmark und das Gehirn wandern und so Tetanus, auch bekannt unter dem Namen Wundstarrkrampf, auslösen können. Deshalb ist bei einer Verletzung die gründliche Reinigung der Wunde unabhängig von deren Größe, also auch bei Schürfwunden, nötig. Bei größeren Verletzungen sollte dies ein Arzt übernehmen. Zudem ist die Abfrage des Impfstatus wichtig, erklärt Dr. Lübbert: „Wenn der Immunstatus unklar ist, wird nachgeimpft. Gleichzeitig können Antikörper gegeben werden, die die Ausbreitung der Giftstoffe im Körper eindämmen.“

Denn das Gefährliche an Tetanus ist nicht der Erreger selbst, sondern es sind die so genanntenToxine, die er produziert – Gifte, die dazu führen, dass sich die Muskulatur am ganzen Körper derart verkrampft, dass sich Betroffene gar nicht mehr bewegen können. Schlimmstenfalls brechen sogar Wirbel und es kann zum Erstickungstod kommen, wenn die Atemmuskulatur nicht mehr arbeitet.

Die einzig mögliche Therapie besteht dann in der Gabe von Medikamenten, die die Muskulatur entspannen, sowie – in schweren Fällen – einer künstlichen Beatmung. Ansonsten können die Mediziner nur warten, bis der Körper die Gifte langsam abbaut, was viele Wochen dauern kann. Erst dann zeigten sich auch mögliche Spätfolgen, die es beispielsweise durch Sauerstoffmangel im Gehirn geben kann, so Dr. Lübbert. „Trotz Behandlung sterben aber auch in Deutschland immer noch Menschen an Tetanus – dabei lassen sich diese Todesfälle durchaus vermeiden“, sagt der Infektionsmediziner.

Mit einer Impfung, die jeder Hausarzt vornimmt, kann man sich leicht gegen Wundstarrkrampf schützen. Die Grundimmunisierung sollte bereits im Baby- bzw. Kleinkindalter erfolgen, anschließend ist eine Auffrisch-Impfung alle zehn Jahre wichtig, damit der Schutz erhalten bleibt. Es ist besonders der Wirksamkeit der Injektionen zu verdanken, dass es heute nur noch sehr wenige Tetanus-Fälle in Deutschland gibt: „Tetanus ist ein gutes Beispiel dafür, wie eine Infektionskrankheit über eine Impfung besiegt wurde und heute bei uns fast vergessen ist. Allerdings ist sie nur so lange besiegt, wie sich die Menschen dagegen impfen lassen“, sagt Dr. Lübbert.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Ines Christ.