Hepatitis: Selbstschutz vor der gefährlichen Leberentzündung ist möglich

Interview zum Welt-Hepatitis-Tag mit Prof. Dr. Thomas Berg, Leiter der Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig

Pressemitteilung vom 24.07.2014
An Hepatitis sterben in Europa mehr Menschen als an AIDS. Darauf macht Prof. Dr. Thomas Berg, Leiter der Hepatologie am Universitätsklinikum Leipzig, mit Blick auf den Welt-Hepatitis-Tag am 28. Juli 2014 aufmerksam. Zwar gibt es jetzt neue Medikamente, die Patienten mit Hepatitis B und C sehr gut helfen können. Da aber die Dunkelziffer der mit dem Hepatitisvirus infizierten Menschen sehr hoch ist, kommen die neuen Behandlungsmöglichkeiten nur für einen Bruchteil aller Patienten zum Einsatz. Daher soll gezielt nach Hepatitisvirus-Infektionen gesucht werden.

Der Leber-Experte rät, bei jedem Check-up die Leberwerte bestimmen zu lassen. „Wenn da etwas nicht stimmt, liegt meist einen chronische Lebererkrankung vor, die weiter abgeklärt werden soll. Hierbei arbeiten wir mit dem Hausarzt eng zusammen.“ Wichtig ist auch, sich vorbeugend zu schützen. Gegen Hepatitis A und B gebe es eine Schutzimpfung, so Prof. Berg. Gegen Hepatitis C hilft es nur, die Risikofaktoren für einen Infektion zu vermeiden.

Frage: Ende Juli findet alljährlich der Welt-Hepatitis-Tag statt. Muss jedes Jahr neu an eine alte Krankheit erinnert werden?

Prof. Berg: Aber ja. Denn es gibt wenige Felder in der Medizin, in welchen sich ein vergleichbar rascher Fortschritt in unseren Erkenntnissen über die Erkrankungen wie auch in den Behandlungsmöglichkeiten vollzogen hat. Wir können heute anhand bestimmter Marker oft sehr gut den individuellen Krankheitsverlauf und das Therapieansprechen vorhersagen und bei der überwiegenden Mehrzahl aller Patienten die Erkrankung heilen oder in einen „Ruhezustand“ überführen. Auch sehen wir einen Wandel bei der akuten Leberentzündung, die man als Reise-Gelbsucht bezeichnet. Die durch das Hepatitis-A-Virus verursachte Gelbsucht sehen wir kaum noch. Inzwischen macht uns die Hepatitis E deutlich mehr Sorgen. Diese akute Form der Leberentzündung gewinnt zunehmend an Bedeutung.

Woher kommt diese neue Krankheit? Wird sie durch Auslandsaufenthalte eingeschleppt?

Hepatitis E kommt weltweit mit besonderer Häufung in Nordafrika und Vorderasien vor und wird dort meist von Mensch zu Mensch durch verunreinigte Lebensmittel übertragen (sog. fäkal-oraler Übertragungsweg). Die meisten Patienten mit akuter Hepatitis E, die wir in Deutschland sehen, sind jedoch nicht in diese Länder gereist. Bei uns wird das Hepatitis E Virus von Tieren – und hier spielen die Haus- und Wildschweine eine besondere Rolle - auf den Menschen übertragen. Ein besonderes Risiko besteht für Menschen, die bereits an einer Lebererkrankung leiden, oder bei welchen das Immunsystem geschwächt ist, beispielsweise nach Organtransplantation und bei Behandlung mit Immunsuppressiva. In diesen Fällen kann die Hepatitis E auch chronisch verlaufen und zur Zirrhose führen. Schützen kann sich man sich durch ausreichendes Garen von Schweinefleisch. Wenn die Infektion rechtzeitig entdeckt wird, hat der Patient indes gute Chancen, denn wir können sowohl diese akute und auch chronische Leberentzündung gut heilen.

Die wirklich gefährlichen Hepatitis-Formen sind also B und C?

Ja. An Hepatitis C starben 2010 in Europa 57 000 Menschen – das sind deutlich mehr Todesfälle als durch AIDS. Dazu kommen 31 000 Tote durch Hepatitis B. Sie sehen: Diese Krankheiten sind, obwohl schon seit Jahren bekannt und weitestgehend enträtselt, noch immer eine tödliche Gefahr. Es ist sehr sinnvoll, daran immer wieder zu erinnern. Ich betreue selbst mehrere 100 Patienten mit Hepatitis C und freue mich mit den Betroffenen, dass ihre Heilungschancen jetzt durch neue Behandlungsmethoden deutlich besser werden. Schon jetzt erreichen wir mit kurzzeitigen Interferon-haltigen Behandlungen Heilungsraten von ca. 90 Prozent. Ab 2015 werden mit der Interferon-freien Therapie mehr Heilungsraten von 95 Prozent erwartet. Interferon-freie Behandlungen stehen bereits jetzt für Patienten mit fortgeschrittener Erkrankung zur Verfügung, die kein Interferon vertragen.

Wodurch sind Ihre Patienten krank geworden?

Mit Hepatitis C kann man sich infizieren durch Blutübertragungen, Drogenspritzen, Geschlechtsverkehr – aber auch bei unhygienischen medizinische Maßnahmen und „Schönheits-Prozeduren“. Manch einer meint, dass er sich nur ein Tattoo oder Piercing aus dem Urlaub mitgebracht hat. Am Ende muss er erfahren, dass da auch noch eine Hepatitis C dabei war.

Und was sind dann die Folgen?

In bis zu 80 Prozent verläuft die Infektion dann chronisch, mit den möglichen Folgen der Entwicklung einer Leberzirrhose oder eines Leberzellkarzinoms. In diesen Stadien zeichnet sich der nächste Schritt ab: Nötig wird eine Lebertransplantation und man braucht einen Spender.

Wie viele Menschen sind weltweit von Hepatitis B und C betroffen? Und kann man sich schützen?

Mit Hepatitis C sind weltweit 170 Millionen Menschen infiziert. Die Hepatitis B ist noch weiter verbreitet, das könnten 350 Millionen Betroffene sein. Schützen kann man sich vor Hepatitis gut, denn die Erreger werden ja nicht durch Niesen verbreitet. Bei Hepatitis B ist der Schutz einfach: Da gibt es eine Schutzimpfung. Dennoch sehen wir leider immer wieder Erwachsene, die nicht geimpft sind. Deshalb empfehle ich besonders Risikopersonen, sich impfen zu lassen. Bei der Hepatitis C steht derzeit keine Impfung zur Verfügung. Ziel wird es sein, durch eine möglichst flächendeckende Therapie aller infizierten Patienten, diese Infektionskrankheit zurückzudrängen.

Und wie merke ich, ob ich mich vielleicht angesteckt habe?

Das ist nicht ganz einfach. Durch Hepatitis-Viren ausgelöste Leberentzündungen bleiben oft unentdeckt. Denn Frühsymptome wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit kann man auch für Grippe halten. Und bei manchen Patienten treten diese Warnzeichen gar nicht auf. Manchmal fallen erst bei einer Routineuntersuchung erhöhte Leberwerte auf. Deshalb mein Rat: Wer ein Check-up bei seinem Hausarzt machen lässt – immer auch die Leberwerte bestimmten lassen. Wenn da etwas nicht stimmt, muss eine Hepatitisvirusinfektion ausgeschlossen werden. Mit unseren Spezialsprechstunden für Lebererkrankungen stehen wir hierbei mit Rat und Tat bereit.


Kontakt für Patienten:

Spezialsprechstunde Lebererkrankungen am UKL
Sprechzeit: Mo, Di, Do, Fr 8 – 15.30 Uhr
Terminvereinbarung: 0341 – 97 12222

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Ines Christ.