Neues Kindernachsorgezentrum am Uniklinikum Leipzig

Nachsorgeteam AlleDabei-Leipzig betreut Familien zu Hause weiter

Pressemitteilung vom 09.07.2014
Leipzig. Am Universitätsklinikum Leipzig gibt es ein neues Nachsorgezentrum für Kinder. Damit erweitert das UKL sein Nachsorgeangebot, das es seit 2012 für die Nachbetreuung von schwerkranken Neugeborenen und Frühgeborenen im häuslichen Umfeld gibt. Zukünftig werden auch kleine Patienten anderer Stationen der Kinderklinik von der medizinischen und psychosozialen Unterstützung des Nachsorgezentrums „Alle Dabei - Leipzig“ profitieren. Das Zentrum ist assoziiertes Mitglied des Bundesverbandes Bunter Kreis e.V., der Nachsorgeeinrichtungen deutschlandweit berät und vernetzt.
Bild vergrößern Der kleine Mattai und Mutter Marianne Kruber wurden durch das Kindernachsorgezentrum des UKL "AlleDabei-Leipzig" betreut. Hilfe boten u.a. die Ärztin Annett Bläser (Mitte), die Sozialpädagogin Katrin Mühler (oben r.) und die Kinderkrankenschwester Christin Henri-Dreßler (unten r.).
Foto: Stefan Straube/ UKL
 

Die Erkrankung des eigenen Kindes und ein langer Klinikaufenthalt bedeuten für die betroffenen Familien einen erheblichen Einschnitt ins Leben. Oftmals gehen Eltern nach vielen Wochen stationären Aufenthalts nach Hause, begleitet von Unsicherheiten, Ängsten und Fragen. Der Alltag kann schnell aus den Fugen geraten, Therapien erfordern zusätzliche Mühe und die Familien stoßen an ihre Grenzen. Um den Übergang von der stationären Behandlung in die häusliche Umgebung zu erleichtern, erweitert das Universitätsklinikum Leipzig die seit Juli 2012 angebotene Nachsorge für Frühgeborene und schwerkranke Neugeborene auf weitere Bereiche der Kinderklinik. „Häusliche Nachsorge erhalten zukünftig auch Kinder mit schweren Stoffwechselstörungen wie Mukoviszidose, Krebserkrankungen oder anderen schwerwiegenden körperlichen, geistig-emotionalen oder sozialen Beeinträchtigungen“, erklärt Prof. Wieland Kiess, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin.

Das aus der Abteilung für Neonatologie (Neugeborenenstation) heraus aufgebaute, momentan fünfköpfige Nachsorgeteam am UKL besteht aus drei Kinderkrankenschwestern, einer Ärztin und einer Sozialpädagogin, die die Familien über den Klinikaufenthalt hinweg begleiten. Die Nachsorge beginnt mit der Entlassung, wird im Regelfall für 20 Stunden von den Krankenkassen bewilligt und ist für die Familien kostenfrei. Diese 20 Stunden stehen dem Nachsorgeteam dann für einen Zeitraum von zwölf Wochen je nach Zeit -und Hilfebedarf für die Familien zur Verfügung. Innerhalb dieser Zeit berät und begleitet das Team zum Beispiel in Fragen der Ernährung und Entwicklung, Therapie und Förderung, sozialen Sicherung und individuellen Pflege. Es es vernetzt die Familien mit den entsprechenden ambulanten medizinischen, therapeutischen und sozialen Einrichtungen, begleitet beispielsweise zu Arztbesuchen und bietet Anleitung für die pflegerische Versorgung zu Hause.

Seit Juli 2012 hat das Team schon insgesamt 73 Familien betreut und Ihnen geholfen, den Alltag mit ihrem kranken Kind aufzubauen und zu bewältigen. Auch Familie Kruber, deren Sohn mit dem Down-Syndrom zur Welt kam und kürzlich am Herz operiert werden musste, ist dankbar für die unentbehrliche Unterstützung.  „Die Nachsorge der Universitätsklinik Leipzig hat uns den nötigen Rückhalt und den Mut gegeben, unser Kind zu betreuen“, sagt die Mutter Marianne Kruber. „Für Mattai war es das Beste, da er sich in der häuslichen Umgebung mit der sozialmedizinischen Unterstützung des Nachsorgeteams optimal entwickeln konnte. Außerdem hatten wir als Eltern mehr Sicherheit bei für uns ungewohnten Tätigkeiten, wie zum Beispiel dem Legen einer Magensonde.“ 

„Einen gesetzlichen Anspruch auf sozialmedizinische Nachsorge haben chronisch kranke oder schwerkranke Kinder und Jugendliche bis zum 14. Lebensjahr. In besonders schweren Fällen gilt dieser Anspruch auch bis zum 18. Lebensjahr“, erklärte Prof. Kiess. „Und obwohl der Bedarf für Nachsorge so groß ist, werden die Kosten dieser Leistungen durch die Krankenkassen nicht komplett abgedeckt. Wir haben uns trotzdem für diesen wichtigen Schritt entschieden, unsere Nachsorge zu erweitern. Das Uniklinikum bestreitet die Kosten gemeinsam mit den Krankenkassen. Zudem sind wir auf Spenden angewiesen.“

Der Bundesverband Bunter Kreis e.V., der bundesweit 81 Kindernachsorgeeinrichtungen vernetzt, unterstützt das Nachsorgezentrum am UKL in beratender Weise. „Das Nachsorgezentrum `AlleDabei - Leipzig` ist vorbildlich aufgestellt“, sagt Andreas Podeswik, Vorstand des Bundesverbandes Bunter Kreis e.V. „In der Region Leipzig ist das Nachsorgezentrum am Uniklinikum Leipzig das einzige. Gerade in den neuen Bundesländern und in ländlichen Regionen gibt es noch zu wenig Hilfe für die betroffenen Familien. Unser oberstes Ziel ist es daher, eine deutschlandweit flächendeckende Nachsorge aufzubauen – aktuell sind erst 55 Prozent der Fläche abgedeckt.“  Aktuell können bundesweit jedes Jahr rund 4.000 Kinder mit Nachsorge betreut werden - 36.000 Familien bleiben nach wie vor mit ihren Sorgen und Nöten alleine. Das Ziel des Bundesverbandes: Bis 2018 soll jedes zweite Kind Nachsorgeleistungen erhalten.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.