Ein aufregendes Fußballspiel kann zum Herztod führen

UKL-Kardiologe zur Stressgefahr durch die Fußball-Weltmeisterschaft

Pressemitteilung vom 12.06.2014
Wenn der Stürmer mit voller Wucht abzieht, der gegnerische Torwart verzweifelt springt und der Ball doch nur am Pfosten vorbeischrammt - "da bleibt einem das Herz stehen“, schluchzt der Fußballfan. Alles nur Übertreibung? "Keineswegs", so Prof. Dr. Dietrich Pfeiffer, Leiter der Abteilung für Kardiologie und Angiologie am Universitätsklinikum Leipzig. „Emotionaler Stress stellt durchaus ein kardiovaskuläres Risiko dar. Das wurde in verschiedenen Studien untersucht und das hat sich bestätigt."

Wie Prof. Pfeiffer erläutert, hat eine Studie untersucht, ob in San Francisco, der US-amerikanischen „Erdbeben-Hauptstadt“, ein Zusammenhang zwischen dem Zeitpunkt von Erdstößen und Fällen von plötzlichem Herztod besteht. Und tatsächlich: Wenn die Erde bebte, stieg die Zahl dieser Todesfälle. Eine weitere Studie hat direkt auch nichts mit Fußball zu tun, belegt aber den Zusammenhang von emotionalem Stress und kardiovaskulären Ereignissen: Es wurde untersucht, welche Folgen Raketenangriffe der Hamas auf israelische Städte hatten. Auch hier gab es auffällige Übereinstimmungen der Zeitpunkte des Raketeneinschlages und des plötzlichen Herztodes.

Ausdrücklich mit Fußball beschäftigten sich Wissenschaftler der Ludwig-Maximilian-Universität München. Sie werteten die Protokolle von knapp 5000 Patienten aus, die bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2006 während der Spiele der deutschen Elf mit Herzinfarkt oder Rhythmusstörungen in Kliniken eingeliefert wurden. Dabei wurde festgestellt, dass während der Einsätze der DFB-Elf rund dreimal so viele Patienten wegen Herzproblemen behandelt werden mussten, wie sonst.

„Klar ist also, dass Stress ans Herz geht, um das mal einfach zu sagen“, so Prof. Pfeiffer. „Nur ist immer die Frage, wodurch Stress entsteht. Mir wird ein Fußballspiel niemals Stress bereiten, weil es mich nicht interessiert. Der Fan aber, der voll hinter seinem Land oder seinem Verein steht, kann in mehrerer Hinsicht unter Stress leiden: Wenn seine Mannschaft ein Tor erzielt, entsteht Eu-Stress – das ist der gute Stress, der mit Erfolg einhergeht. Wenn aber seine Mannschaft ein Tor hinnehmen muss, kommt der Dys-Stress, der schlechte Stress. Vielleicht ist es auch der heftige Wechsel dem guten und dem schlechten Stress oder der Wechsel zwischen Ruhe und Emotion, der kardiovaskuläre Folgen hat – da hat die Wissenschaft noch viel zu erforschen.“

So ein Wechsel zwischen Ruhe und Anspannung findet ja jeweils zwischen Sonntag und Montag statt; das erholsame Wochenende in familiärer Eintracht ist vorbei, der Stress mit dem Chef und den Kollegen beginnt wieder. Interessant ist, dass die meisten Herzinfarkte in der Nacht vom Sonntag zum Montag gezählt werden. Und auch die Uhrzeit der Herzinfarkt-Spitzen ist statistisch erfasst: zwischen 4 Uhr und 5 Uhr morgens, also relativ nahe am Weckerklingeln. Da muss der Körper irgendwie merken, dass die schöne Zeit vorbei ist und der Stress naht – und er reagiert.

Was kann nun der Leipziger Herzspezialist empfehlen, damit die Fußball-Weltmeisterschaft in Brasilien nicht zum persönlichen  gesundheitlichen Desaster wird? „Patentrezepte gegen Stress gibt es nicht“, so Prof. Pfeiffer. „Das Ausschalten des Fernsehers kann für den Fußballfan ein größerer Stress sein als das Ansehen eines miserablen Spiels. Also mein Rat: Möglichst nicht allein vor die Röhre setzen, weil der andere zum Retter werden kann. Möglichst nicht den Magen vollschlagen, weil dann zu viel Blut von Körperregionen abgezogen wird, die im Ernstfall lebenswichtig sind. Möglichst genügend Flüssigkeit aufnehmen – aber nicht nur Alkohol, meine Herren.“

Uwe Niemann

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.