Mit gesundem Rücken in die Schule - Physiotherapeut Jörn Lühmann gibt Tipps zum Ranzenkauf

Pressemitteilung vom 20.05.2014
Ein bisschen Zeit ist es noch, bis im Sommer aus den großen Kindergartenkindern Schulanfänger werden, die stolz ihre Zuckertüte in Empfang nehmen. Ein Begleiter ist neben der Familie an diesem Tag auf jeden Fall dabei: der neue Schulranzen. Viele Eltern sind schon jetzt auf der Suche nach einem passenden Modell. Tipps zur Auswahl gibt Jörn Lühmann, Physiotherapeut und Ausbilder an der Medizinischen Berufsfachschule des Uniklinikums Leipzig.

Worauf sollte man beim Kauf des Ranzens achten?

Es gibt zum einen feste Modelle, die eher kastenartig sind. Sie haben den Nachteil, dass sich das Gewicht hier nur auf den Schultern verteilt. Zum anderen gibt es Rucksäcke, die zwar „weicher“ sind, aber über einen Gurt das Gewicht auch über die Hüfte verteilen. Das ist gut, weil bei Kindern in diesem Alter die Proportionen noch nicht so ausgewogen sind wie bei Erwachsenen. Eine gute Rückenpolsterung und Belüftung ist ebenfalls wichtig.

Welche Rolle spielt die Größe des Ranzens?

Der Ranzen sollte über verschiedene Einstellungen an die Größe des Kindes anpassbar sein. Ein sehr wichtiger Punkt ist auch die Breite. Der Ranzen sollte nicht über die Schultern hinausgehen, also nicht breiter sein als das Kind selbst. Seitentaschen bieten zwar zusätzlichen Stauraum, verbreitern den Ranzen und damit auch das Kind zusätzlich. Das birgt Verletzungsrisiken, beispielsweise bleiben die Schüler beim Einsteigen in die Straßenbahnen leichter hängen.

Was ist bei den Trägern besonders wichtig?

Sie sollten eher breit sein, aber nicht einschneiden oder klemmen. Die Träger müssen so eingestellt sein, dass der Schulranzen mit dem Schultergürtel abschließt. Nur so ist das Tragen gut für die Wirbelsäule. Je größer der Ranzen und je größer das Gewicht, umso wichtiger ist der richtige Sitz. Die Schultergurte sollten nicht zu locker eingestellt sein, aber gleichzeitig auch die Beweglichkeit der Schultern nicht einschränken. Bei Schulanfängern sollten die Eltern beim Einstellen helfen, sie können das noch nicht allein.

Viele Modelle haben einen Hüftgurt, manche sogar zusätzlich einen Brustgurt. Sind diese nützlich?

Wenn sie gut eingestellt sind. Sie können helfen, das Gewicht, was sonst allein auf den Schultern lastet, besser zu verteilen. Der Brustgurt darf allerdings nicht so eng sein, dass er die Atmung beeinträchtigt. Sind die Träger nur locker eingestellt, der Hüftgurt dagegen straff, wird das Kind schnell ins Hohlkreuz gezogen. Der Ranzen muss sich der Form der Wirbelsäule anpassen, darauf sollten Eltern schon beim Kauf und später auch beim Einstellen von Trägern und Gurten achten und dies auch immer wieder kontrollieren.

Inzwischen werden auch Schulranzen zum Ziehen angeboten. Ist das besser als ein herkömmliches Modell zum Tragen?

Von Schulranzen zum Ziehen ist eher abzuraten. Da ist zum einen die einseitige Belastung, da meist auch dieselbe Hand zum Ziehen benutzt wird. Zum anderen wird der Körper ständig verdreht, es kann zu Haltungsschäden kommen. Im Gegensatz zum Rucksack haben Kinder auch die Hände nicht frei – wenn sie stolpern, können sie sich kaum abfangen. Schließlich bedenken die Schulanfänger auch nicht, dass sie durch den Rucksack zum Ziehen sozusagen „verlängert“ sind. Das kann beispielsweise beim Überqueren der Straße, um schnell noch die Bahn oder den Bus zu erreichen, zum Problem werden.

Wenn es mal schnell gehen muss, wird der Schulranzen gern nur über eine Schulter geschwungen. Ist das schädlich?

Problematisch ist das Tragen immer auf der gleichen Seite. Viele tun das, damit sie ihre „dominante“ Hand frei haben und nutzen können. Eine Schulter steht dabei höher, was Probleme bis zur Hüfte und bis hinauf zu den Kopfgelenken verursachen kann. Das gilt übrigens auch für Eltern, die ihren Kindern den Rucksack abnehmen.

Wie wird der Ranzen richtig gepackt?

Schwere Sachen kommen direkt an den Rücken und sollten eher oben liegen, die Trinkflasche kann also ruhig obendrauf gepackt werden. Außerdem sollte der Schulranzen symmetrisch eingeräumt werden, damit sich das Gewicht gleichmäßig verteilt. Nicht zuletzt ist eine konsequente „Ranzenpflege“ wichtig: Regelmäßiges Aufräumen, streng nach Stundenplan packen und nur die Bücher mitnehmen, die wirklich gebraucht werden, damit der Rucksack nicht schwerer ist als unbedingt nötig.

Worauf sollte man beim Ranzenkauf sonst noch achten?

Die Kinder sollten vor allem in der Dunkelheit gut sichtbar sein. Es gibt viele Modelle, die an den drei Außenseiten großflächige Reflektoren haben und so eine größere Sicherheit bieten.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Ines Christ.