Schädelöffnung nach Schlaganfall rettet älteren Patienten das Leben

Pressemitteilung vom 19.05.2014
Ein operativer Eingriff innerhalb von 48 Stunden nach einem Schlaganfall verbessert die Überlebenschancen bei Patienten über 60 Jahren. Eine Gemeinschaftsstudie unter Beteiligung von Leipziger Wissenschaftlern belegt, dass die Entfernung eines Teils der Schädeldecke Betroffenen das Leben rettet, sie jedoch nicht vor schwerer Behinderung bewahrt. Die Studie wurde im hochrangigen "New England Journal of Medicine" veröffentlicht.

Patienten, die älter als 60 Jahre alt sind und einen sehr schweren Schlaganfall erlitten haben, profitieren davon, die Schädeldecke über dem betroffenen Gewebe vorübergehend zu entfernen, um den Druck vom Hirn zu nehmen (im Fachausdruck Hemikraniektomie). Dadurch werden ihre Überlebenschancen fast um die Hälfte erhöht. Allerdings behalten die Betroffenen starke Behinderungen zurück und sind in der Regel pflegebedürftig. Diese Erkenntnisse sind das Ergebnis einer Studie von dreizehn deutschen Schlaganfallzentren, darunter die Neurologie und Neurochirurgie der Leipziger Universitätsmedizin.

Vor einigen Jahren hatte eine Studie bereits hervorgebracht, dass Schlaganfallpatienten unter 60 deutlich häufiger überleben, wenn ein solcher Eingriff vorgenommen wird. Ist die Schwellung zurückgegangen, wird der Schädelknochen nach drei bis sechs Monaten wieder eingesetzt. Bei jüngeren Patienten steigt die Überlebenschance durch diese Methode um das Dreifache und Behinderungen, die zu einer dauerhaften Bettlägerigkeit führen, bleiben seltener zurück. Deshalb ist die Operation bei ihnen seit Jahren ein Standardverfahren in Schlaganfallzentren.

In der aktuellen Studie wurden nun erstmals die Vor- und Nachteile einer Hemikraniektomie für ältere Patienten untersucht. "Bislang lag die Überlebenschance für ältere Patienten bei konservativer intensivmedizinischer Betreuung bei etwa 30 Prozent. 70 Prozent der Patienten verstarb innerhalb weniger Tage. Durch die Operation wird die Sterblichkeitsrate auf 33 Prozent verringert", so Prof. Dr. Jürgen Meixensberger, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurochirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. Allerdings bleiben nach der Operation ein Drittel der Patienten pflegebedürftig. "Die Patienten können nun auf Grundlage gesicherter Erkenntnisse über die Risiken dieser Operation und dem zu erwartenden Behinderungsgrad wesentlich besser aufgeklärt werden", ergänzt Dr. Carsten Hobohm, Neurointensivmediziner in derselben Einrichtung. "Im Arztgespräch gilt es, gut abzuwägen, denn für Betroffene und Angehörige ist es eine schwere Entscheidung."

In die Multicenterstudie unter Federführung der Universitätsklinik Heidelberg wurden insgesamt 112 Schlaganfallpatienten zwischen 61 und 82 Jahren einbezogen.

Link zur Fachveröffentlichung: Hemicraniectomy in Older Patients with Extensive Middle-Cerebral-Artery Stroke; Jüttler, E. et alt., N Engl J Med. 2014, DOI: 10.1056/NEJMoa1311367

Diana Smikalla