Patientin mit Lebertransplantation gerettet

UKL-Mediziner kämpften über eine Ausnahmeregelung für ihre Patientin

Pressemitteilung vom 03.04.2014
Leipzig. Ihr schwerer Weg ist ihr kaum anzusehen, denn sie strahlt, als wäre sie vollkommen gesund: Lydia Wegner hat im Februar 2014 am Universitätsklinikum Leipzig eine neue Leber erhalten. In einer aufwendigen fünfstündigen Operation transplantieren die Mediziner um PD Dr. Bartels der 48-Jährigen das rettende Spenderorgan. In einem besonderen Beantragungsverfahren im Rahmen einer sogenannten nicht-standardisierten Ausnahmeregelung hatten sie sich bei Eurotransplant für ihre Patientin eingesetzt.
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Foto: Stefan Straube/ UKL
 

„Lydia Wegner kam im Jahr 2012  ans Uniklinikum. Sie litt an einem seltenen gutartigen, aber sehr großen Tumor der Leber, der sich allerdings in einer ersten Operation als nicht entfernbar herausstellte“, erklärt PD Dr. Michael Bartels, kommissarischer Leiter des Transplantationszentrums am Uniklinikum Leipzig. Innerhalb kürzester Zeit wuchs der Tumor weiter. So hatte sich die Leber bis zur rettenden Operation um das Siebenfache vergrößert. Lydia Wegner erinnert sich: „Ich hatte unerträgliches Hautspannen, unerträgliche Schmerzen und konnte am Ende keine 30 Meter mehr laufen.“ Eine Fortbewegung war fast nur noch im Rollstuhl möglich und auch alles andere nur noch mit Hilfe ihres Mannes und ihrer Familie, durch die die Patientin zu Hause gepflegt wurde. „Ein Tumor solchen Ausmaßes und das sich immer wieder neu ansammelnde Bauchwasser verdrängt alle anderen Organe“, erklärt Dr. Bartels. „Durch den Druck entstehen Schäden am umliegenden Gewebe und irgendwann ist selbst die Nahrungsaufnahme aufgrund der Verdrängung des Magens nicht mehr möglich.“

Um die zierliche Frau zu retten, kam nur eine Transplantation in Frage. So wandten sich die Mediziner schon Ende 2012 an Eurotransplant und erreichten eine Anmeldung ihrer Patientin über eine sogenannte Nicht-Standardisierte Ausnahmeregelung. Eine solche Regelung greift nur bei Fällen, für die aufgrund der Seltenheit der Erkrankung kein standardmäßiges Aufrückverfahren auf der Warteliste festgelegt ist.  
„Der Tumor der Patient erfüllte die Kriterien für die  Ausnahmeregelung“, erklärt Dr. Bartels. „Es war kein bösartiger Tumor im eigentlichen Sinn, aber auch kein sich vollständig gutartig verhaltender Tumor. Patienten mit großen bösartigen Lebertumoren sind von Transplantationen ausgeschlossen, weil eine Aussicht auf Heilung dann zu gering ist. Patienten mit gutartigen Tumoren hingegen benötigen normalerweise kein Spenderorgan, da gutartige Tumoren kaum wachsen bzw. nur langsam und meist, wenn überhaupt notwendig, operativ gut entfernbar sind. Anders war es bei Lydia Wegner, denn obwohl es sich bei ihr um einen gutartigen Tumor handelte, erreichte dieser lebensgefährliche Ausmaße.“
 
Nach dem Erstantrag für ein Organ für ihre Patientin aktualisierten die Mediziner alle drei Monate die Anmeldung über einen Antrag mit aktuellen Befunden, zahlreichen Briefen und diagnostischen Bilder. „Beurteilt wird jeder Fall bei Eurotransplant durch ein sogenanntes Audit-Gremium bestehend aus Experten verschiedener europäischer Länder“, so Dr. Bartels. Nach etwa einem Jahr erfolgte dann endlich ein passendes Organangebot.

„Als nachts gegen 2 Uhr der Anruf kam, ich solle in die Uniklinik kommen, wurde ich plötzlich ganz ruhig. Ich wusste, es gibt keine andere Möglichkeit, das ist meine einzige Chance“, erinnert sich Lydia Wegner an den Moment, der alles zum Guten wenden sollte. In einer fünfstündigen komplikationslosen Operation entnahmen die Mediziner Lydia Wegner die mittlerweile 6,5 kg schwere kranke Leber und transplantierten das Spenderorgan. Schon zwei Wochen danach, kurz vor ihrem Geburtstag,  konnte Lydia Wegner entlassen werden. „Das Erste, was ich jetzt tue, ist meine Mutter wieder einmal richtig in die Arme zu nehmen. Ich bin den Ärzten so dankbar, sie haben unglaublich tolle Arbeit geleistet und mir mein Leben zurückgegeben“, strahlt sie.

Zunächst erfolgen nun die Rehabilitation und anschließend eine dauerhafte  Nachsorge durch die Spezialisten am UKL. „Die Patienten kommen in regelmäßigen Abständen zu uns“, erklärt Dr. Bartels. „Die Zeitintervalle werden dabei immer größer, aber alle Patienten werden von uns lebenslang nachversorgt.“ Da es insbesondere bei Leberspenden kaum Folgeprobleme gibt, hat Lydia Wegner gute Chancen,  noch viele gute Jahre mit dem geschenkten Organ zu erleben.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.