„Mut aufbauen gegen den Krebs“

Zum Weltkrebstag am 4. Februar - Prof. Dr. Anja Mehnert über den Umgang mit der Diagnose Krebs

Pressemitteilung vom 03.02.2014
Mit der Diagnose Krebs bricht eine Welt zusammen. Für manche für immer, für andere nur vorübergehend. Letzteres ist in Leipzig auch der Krebsberatung zu danken, der sich täglich die Mitarbeiter der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Leipzig widmen. „Wir als Psychologen können Krebs nicht heilen und wollen auch nicht helfen, ihm positive Aspekte abzugewinnen. Aber wir möchten Betroffenen zur Seite stehen, mit ihnen Mut aufbauen für alles, was da kommen mag, helfen Ängste zu reduzieren und Ressourcen zu vergrößern“, sagt Prof. Dr. Anja Mehnert, Leiterin der Abteilung für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie.
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Foto: Stefan Straube/ UKL
 

Im Kampf gegen den Krebs ist medizinisch mehr erreicht worden als psychologisch. Denn noch immer löst allein das Wort die furchtbarsten Ängste aus. Und das, obwohl das Wort schon fast 2000 Jahren lang nicht nur für ein wehrhaftes Tier, sondern auch für eine bösartige Krankheitsgruppe steht. Heute führt die Diagnose Krebs bei einem Drittel der Betroffenen zu behandlungsbedürftigen psychischen Störungen, so Prof. Mehnert. Die häufigsten davon sind Angststörungen. Studien zufolge gibt es aber große Unterschiede, wenn die verschiedenen Krebsarten betrachtet werden. „Gerade solche Tumoren, die in die körperliche Unversehrtheit stark eingreifen, wie der Brustkrebs oder Kopf- und Halstumoren, verursachen starke psychische Belastungsreaktionen“, so die Leipziger Psychologin. „Das ist freilich verständlich, weil für die Betroffenen das Risiko besteht, eine Brust oder die Sprache zu verlieren.“

Über 600 Patienten und Angehörige werden etwa pro Jahr in der Krebsberatungsstelle in der Philipp-Rosenthal-Str. 55 betreut. Das Angebot, das die Mitarbeiter unterbreiten, reicht von Informationen zu sozialrechtlichen Fragen über psychologische Beratung und Psychotherapie bis zu psychoonkologischen Gruppenangeboten und Spezialsprechstunden. „Wir setzen auf Einzelgespräche, führen Patienten aber auch zu Gruppen zusammen, die dann beispielsweise gemeinsam Entspannungsübungen machen“, erzählt Prof. Mehnert.

Noch sind es überwiegend Frauen, die zur Beratungsstelle kommen. Männer, so die Psychologin, kommen deutlich weniger. „Männer meinen, Schwäche zu zeigen, wenn sie um seelische Hilfe bitten. Dabei sind wir sicher, dass auch das sogenannte starke Geschlecht in Ausnahmesituationen, wie einer Krebs-Diagnose, psychische Unterstützung braucht. Wir überlegen generell, wie wir – vielleicht mit speziellen Sportangeboten und neuen Kommunikationswegen – jene Patienten ansprechen können, die wir noch nicht erreichen. Heute ist die gut gebildete Brustkrebspatientin zwischen 40 und 60 Jahren der Zielgruppen-Prototyp. Also: Diese Frau erreichen wir. Aber das reicht uns nicht.“

Krebsberatungsstelle für Patienten und Angehörige
Universitätsklinikum Leipzig
Philipp-Rosenthal-Str. 55
04103 Leipzig

0341- 97 15407 bzw. 97 15440

krebsberatung@medizin.uni-leipzig.de

Uwe Niemann

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.