Kinder vor heißen Gefahren schützen: Schwere Verletzungen drohen bei Verbrennungen und Verbrühungen

Am Universitätsklinikum Leipzig werden jedes Jahr etwa 150 kleine Patienten mit thermischen Verletzungen behandelt

Pressemitteilung vom 18.12.2013
Leipzig. In der dunklen Jahreszeit sorgen Kerzen und heiße Getränke für eine gemütliche Atmosphäre. Doch für kleine Kinder können Lichter, Glühwein und Tee schnell gefährlich werden, wenn sie unbedacht danach greifen. Nicht selten kommt es so im heimischen Wohnzimmer zu Verbrennungen oder Verbrühungen.

Die größte Gefahr geht von leicht erreichbaren, heißen Flüssigkeiten aus, sagt Dr. Margit Weißer, Oberärztin in der Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. „Wenn ein Kind die Tasse mit Tee oder Kaffee vom Tisch zieht und sie dabei umkippt, saugt sich die Kleidung schnell mit der heißen Flüssigkeit voll und sie verteilt sich überall auf dem Körper.“ Auch beim Inhalieren reicht ein kurzer Moment der Unaufmerksamkeit: Eine falsche Bewegung, und der Inhalt der Schüssel landet auf dem Schoß.

Die Folge sind thermische Verletzungen: schmerzhafte Verbrühungen oder Verbrennungen, deren Behandlung je nach Schweregrad sehr langwierig sein kann. Bei Säuglingen und Kleinkindern entstehen bereits bei Temperaturen von 45 Grad Celsius Verletzungen, die von Hautrötungen bis hin zu Verbrennungen zweiten Grades reichen. „Häufig betroffen sind der Oberkörper, Arme und Schultern. Kippt die Schüssel beim Inhalieren um, verbrühen sich Kinder die Oberschenkel und die Genitalien“, so Dr. Weißer, die am Uniklinikum die Kinder-Spezialsprechstunde für Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie leitet.

Am Universitätsklinikum Leipzig werden jedes Jahr etwa 150 Fälle von thermischen Verletzungen behandelt. 2013 mussten bislang 30 Kinder aufgrund der Schwere ihrer Verletzungen stationär aufgenommen werden – ein leichter Anstieg im Vergleich zu den Vorjahren. Am häufigsten sind dabei Verbrühungen zweiten Grades, die beispielsweise durch heiße Flüssigkeiten verursacht wurden, seltener Grillunfälle, die Verbrennungen zweiten bis dritten Grades zur Folge haben.

Sind zwischen zehn und 20 Prozent der Körperoberfläche oder sogar noch mehr betroffen, das Gesicht oder die Hände verbrannt, ist ein Krankenhausaufenthalt meist unumgänglich. Deshalb sei vorausschauendes Handeln bei Erwachsenen so wichtig, damit es gar nicht erst zu schweren Unfällen dieser Art kommt: „Die Kinder müssen manchmal monatelang im Krankenhaus bleiben und im Anschluss jahrelange Behandlungen und kosmetisch-plastische Korrektur-Eingriffe über sich ergehen lassen. Das muss einfach nicht sein“, so Dr. Margit Weißer.

Unabhängig von der Schwere gilt für alle thermischen Verletzungen: Zuerst wenige Minuten kühlen, anschließend mit körperwarmer Spülung (35 bis 37 Grad) isotherm halten – das heißt, die Temperatur soll unverändert bleiben. Auf gar keinen Fall sollte die Brandblase geöffnet oder die verbrannten Flächen mit fettiger Creme oder anderen „Hausmittelchen“ bedeckt werden, da dies Infektionen begünstigen kann. „Die Wunde sollte steril abgedeckt werden. Wer keine entsprechende Auflage zu Hause hat, kann ein frisch gebügeltes Taschentuch verwenden“, erklärt Dr. Weißer. Bei schlimmeren Verletzungen sorgt ein Anruf beim Notdienst für schnelle Hilfe. „Bei nässenden oder blasenbildenden sowie bei großflächigen Verbrennungen sollte immer ein Arzt aufgesucht werden“, so die Kindermedizinerin.

Die meisten thermischen Verletzungen lassen sich vermeiden, weil sie fast immer vorhersehbar sind, sagt die Oberärztin. Da besonders Säuglinge und Kleinkinder gefährdet sind, sollte stets darauf geachtet werden, dass sie an Flammen oder heiße Flüssigkeiten nicht heranreichen können. „Beispielsweise ist auch das Stromkabel eines Wasserkochers eine Gefahrenquelle, da das Gerät daran heruntergerissen werden kann. Vorsicht ist auch beim Kochen angebracht. Heißes Nudelwasser oder ähnliches kann ebenfalls schwere Verbrühungen verursachen, wenn Kinder nach dem Topf greifen“, macht Dr. Weißer auf weitere Gefahrenquellen aufmerksam.

Informationen gibt es auch bei Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Ines Christ.