UKL verschärft vorbeugend Hygienemaßnahmen auf der Neonatologie

Pressemitteilung vom 06.11.2013
Leipzig. Mit einer vorläufigen Einschränkung der Versorgung von Risiko-Schwangeren verschärft das Universitätsklinikum Leipzig vorsorglich die Hygienemaßnahmen auf der Frühgeborenenstation. Das Klinikum reagiert damit auf die frühzeitigen Screeningnachweise für Besiedlungen bei mehreren Kindern mit ESBL-bildenden Bakterien. Keines der Neugeborenen ist durch die Besiedlung erkrankt, drei Kinder konnten bereits als gesund nach Hause entlassen werden. Das Gesundheitsamt wurde unmittelbar informiert und eingebunden.
Bild vergrößern Das Universitätsklinikum Leipzig schränkt vorübergehend die Versorgung von Risiko-Schwangeren ein.
Foto: Stefan Straube/ UKL
 

ESBL-Erreger sind Bakterien, die in der Darmflora des Menschen vorkommen und für gesunde Menschen ungefährlich sind. ESBL steht dabei für Extended Spectrum Beta-Lactamase. Kommen schwerkranke und immungeschwächte Patienten mit diesen Bakterien in Kontakt, kann eine Infektion ausgelöst werden. Der Nachweis eines solchen Bakteriums als Besiedlung stellt noch keine Gefahr dar. Solche Nachweise erfordern aber besondere Maßnahmen, um mögliche Infektionen wirksam zu verhindern. Obwohl ESBL-Bakterien zu den multiresistenten Bakterien gehören, sind hier noch mehrere Antibiotika wirksam und können zur Behandlung eingesetzt werden. Zur Früherkennung solcher und anderer Erreger wurde am UKL im vergangenen Jahr ein erweitertes Screening eingeführt. Im Rahmen dieser regelmäßigen Untersuchungen wurden jetzt die Besiedlungen festgestellt.

„Durch unsere umfangreichen Screeningmaßnahmen können wir frühzeitig Gefährdungen erkennen und rechtzeitig reagieren, so wie jetzt geschehen“, erklärt Prof. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig. Dadurch können Infektionen oftmals verhindert werden, wenn auch nicht mit 100-prozentiger Sicherheit. „Wer wie wir sehr gründlich sucht, wird eben auch fündig. Durch unsere präzisen Untersuchungen und schnelle Reaktion konnten alle Maßnahmen eingeleitet werden, um eine Gefährdung der betroffenen Kinder zu vermeiden“, so Fleig weiter.

Bei der derzeitigen Häufung wurde eine Besiedlung bei insgesamt 17 Kindern auf der Neonatologie festgestellt. Keines der Kinder ist erkrankt. Drei der Kinder konnten bereits als gesund nach Hause entlassen werden. Alle Kinder werden intensiv überwacht. Insgesamt sind derzeit 25 Kinder auf der Neonatologie, die über 31 Betten verfügt, in Behandlung.

Um weitere Besiedlungen zu verhindern, werden seit Dienstag, den 5. November 2013, vorübergehend keine Risiko-Schwangeren regulär aufgenommen. Eine Notfallversorgung ist weiterhin sichergestellt. Frühchen werden in diesem Fall auf einer räumlich getrennten Station im Klinikum versorgt. Diese und alle weiteren Hygienemaßnahmen für die Sicherheit der Patienten werden von einer Expertengruppe im Klinikum koordiniert, die in engem Austausch mit dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig steht.

“Bedauerlicherweise gehören ESBL-Erreger seit Jahren zum Alltag in Kliniken“, erklärt Prof. Arne Rodloff, Direktor des Instituts für Mikrobiologie und kommissarischer Leiter der Krankenhaushygiene am UKL. “Wir sehen diesen Erreger in Einzelfällen immer wieder an den verschiedensten Stellen. Wichtig ist ein frühes Erkennen einer möglichen Gefährdung, um bei Bedarf rechtzeitig eingreifen zu können und natürlich, um Übertragungen zu vermeiden.“

Weitere Maßnahmen angelaufen

Zur Bekämpfung der ESBL-Häufung wurden bereits nach dem ersten Nachweis vor anderthalb Wochen auf der Neonatologie am UKL umfangreiche Maßnahmen veranlasst. Alle Eltern wurden umgehend informiert, bei Besuchen auf Station sowie bei der Versorgung der Patienten tragen Personal und Eltern eine für Isolationspflege geeignete Schutzkleidung, Handschuhe und eine Schutzmaske.

Alle betroffenen Kinder wurden isoliert, Eltern und Personal werden ebenfalls vorbeugend untersucht. Gleichzeitig wurden umfangreiche Umgebungsuntersuchungen durchgeführt, die keinerlei Nachweise einer Besiedlung erbracht haben. „Wir gehen derzeit davon aus, dass der Erreger von außen ins Klinikum mitgebracht wurde“, erklärt Prof. Rodloff.

Auf der Neonatologie des UKL werden jährlich mehr als 730 Früh- und Neugeborene versorgt, viele davon aufgrund einer extremen Frühgeburt oder schwerer angeborener Erkrankungen.

Was ist ESBL?

ESBL (Extended Spectrum Beta-Lactamase) bildende Bakterien sind gegen bestimmte Antibiotika resistent.

In den meisten Fällen handelt es sich um Bakterien, die zur Darmflora des Menschen gehören. Eine Besiedlung, bei der lediglich das Bakterium nachgewiesen wird, gefährdet die Betroffenen nicht. Eine solche Kolonisation ist meist im Darm zu beobachten.

Der Nachweis erfolgt durch einen Abstrich und eine Bakterienkultur. Im Gegensatz hierzu ist eine Infektion durch diese Bakterien, die sich unterschiedlich äußern kann, ein potentiell bedrohlicher Zustand. In diesem Fall ist eine Behandlung mit Antibiotika notwendig.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.