Allergiker-Albtraum Ambrosia lässt Pollen fliegen

Leipziger Allergie-Experten warnen vor gesundheitlichen Risiken in der Region

Pressemitteilung vom 01.10.2013
Mit der Ambrosia-Pflanze hat sich auch in der Region Leipzig ein Albtraum für Allergiker niedergelassen. Der aus Nordamerika stammende Einwanderer – in Deutschland auch „beifußblättriges Traubenkraut“ genannt – lässt Wissenschaftler Alarm schlagen. Denn die Pflanze, die mit ihren hochallergenen Pollen im September und Oktober auftritt, breitet sich immer weiter aus. Gerade Personen, die jetzt während der ersten Herbsttage Schnupfen- oder Hustenbeschwerden verspüren, sollten nicht nur einen Infekt, sondern die Möglichkeit einer Ambrosia-Pollenallergie in Betracht ziehen.

Die Allergie-Experten Prof. Dr. Jan C. Simon und PD Dr. Regina Treudler von der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie des Universitätsklinikums Leipzig betonen, dass die Erfahrungen aus Amerika, aber auch aus Ungarn und der Schweiz lehren: Ambrosia kann noch nach der eigentlichen Pollensaison einen allergischen Schnupfen und Asthma auslösen. Möglicherweise gibt es hier auch einen Erklärungsansatz für die Zunahme von Asthmapatienten in Sachsen. Besonders bedenklich sei, dass bereits geringste Pollenmengen ausreichen, um Allergien auszulösen. Eine Sensibilisierung auf Ambrosia-Pollen kann zudem von Nahrungsmittelallergien gegen Kürbis, Melone, Banane und Gurke begleitet werden.

Daten des Leipziger Forschungszentrums für Zivilisationserkrankungen (LIFE) zeigen, dass vier Prozent der erwachsenen Probanden eine Sensibilisierung auf Ambrosia aufweisen. Auf einer fachübergreifenden Tagung in Berlin, auf der jüngst Biologen, Mediziner, Geologen, Meteorologen sowie Land- und Forstwirte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz ihr Wissen über Ambrosia austauschten, wurde deutlich: Je mehr sich die Pflanze ausbreitet, desto größer werde das Allergie-Risiko. Rund 500 Berliner Ärzte hatten in den vergangenen Jahren 4500 Allergietests ausgewertet. Das Ergebnis: Schon zwölf bis 13 Prozent der Berliner reagieren sensibel auf Ambrosia.

„Wir Leipziger Allergieexperten wollen im Namen unserer Patienten auf das immer größer werdende Problem aufmerksam machen und die Forschung vorantreiben“, so Dr. Regina Treudler. Wichtig dafür sei die Erhebung von Daten: Wie hoch ist die Belastung durch Ambrosia-Pollen in Sachsen? Wie wirkt sich die Ausbreitung der Pflanze auf die Allergiehäufigkeit aus? Was ist gegen die Ambrosia-Ausbreitung zu unternehmen? Aufgrund der großen Brisanz des Themas hoffen die Experten auf eine entsprechende Unterstützung ihrer Arbeiten durch die Politik.

Hintergrund Ambrosia

Ambrosia wächst vorwiegend an Straßenrändern oder auf Brachen. Sie ist aber auch in Gärten zu finden, meist dort, wo Vögel gefüttert werden. Denn viele Vogelfuttermischungen sind mit Ambrosiasamen verunreinigt. Die Pflanze ist ein wahrer Überlebenskünstler, denn die meisten Herbizide sind unwirksam. Gemähte oder abgehackte Pflanzen treiben schnell wieder aus und bilden innerhalb von sechs Wochen reife Samen.

Verschiedene europäische Länder haben bereits einen regelrechten Feldzug gegen Ambrosia eröffnet. Auf der Berliner Ambrosia-Konferenz wurde eine bundesweite Melde- und Bekämpfungspflicht für Ambrosia und ein Aktionsprogramm gefordert.

Die Ambrosia-Pollen können vom Wind Hunderte Kilometer weit getragen werden. Eine einzelne Pflanze kann eine Milliarde Pollenkörner freisetzen, und bereits eine Konzentration von nur sechs Körnern pro Kubikmeter Luft gilt als problematisch.

Allergie-Symptome

● Augen: Rötung, Jucken, Brennen, Lichtempfindlichkeit, Tränen

● Nase: Jucken, wässriger Schnupfen, verstopfte Nase, Niesattacken

● Bronchien: Husten, Atemlosigkeit, Asthma

● zudem teilweise: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit

Uwe Niemann

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Pressestelle.