Farukh kann wieder richtig laufen

UKL-Chirurgen behandeln erfolgreich 16-Jährigen mit deformiertem Bein aus Tadschikistan

Pressemitteilung vom 27.08.2013
Leipzig. Die ersten Schritte ohne stützende Schiene und ohne Krücken sind nach so langer Zeit noch vorsichtig, aber Farukh lächelt. Mit einem stark deformierten Bein war der 16-Jährige vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen. Jetzt kann er dank der Unfallchirurgen am Leipziger Universitätsklinikum wieder richtig laufen und, was für ihn besonders wichtig ist: Fußball spielen.
Bild vergrößern Farukh kann sein Bein wieder voll belasten, bestätigt Unfallchirurg Professor Christoph Josten bei der Abschlussuntersuchung am UKL.
Foto: Stefan Straube/Universitätsklinikum Leipzig
 

Farukh kommt aus Tadschikistan, einem der ärmsten Länder der Welt. Die medizinische Versorgung ist schlecht, Chancen auf eine Heilung hätte der Jugendliche dort nicht gehabt. 2011 kam er mit einem Hilfseinsatz ins Internationale Friedensdorf im Ruhrgebiet, in dem rund 300 kranke und verletzte Kinder aus Kriegs- und Krisengebieten leben, während sie in Deutschland medizinisch betreut werden. Für Farukh ging es dazu nach Leipzig: Hier wurde er am Universitätsklinikum in den vergangenen Monaten fünf Mal operiert; bei stationären Aufenthalten, Kontrollen und Ambulanzbesuchen wurde er insgesamt 13 Mal untersucht, behandelt und der Heilungsverlauf überprüft.

„Farukhs linkes Bein wies durch einen Unfall eine groteske Fehlstellung auf, er ist deshalb auf dem Außenknöchel gelaufen. Außerdem war durch einen Knochendefekt das Bein sieben Zentimeter kürzer als das rechte“, erklärt Professor Christoph Josten, Direktor der Unfallchirurgie am UKL. Er hat mit seinem Team die Behandlung des Jungen übernommen, die Kosten trug das Universitätsklinikum. „Es ist uns ein humanitäres Anliegen, in solchen drastischen Fällen unkompliziert und unbürokratisch zu helfen“, sagt Ekkehard Zimmer, Kaufmännischer Vorstand des UKL, „deshalb unterstützen wir von Zeit zu Zeit und im Rahmen unserer Möglichkeiten besonders bedürftige Patienten, die sonst keine Chance auf eine erstklassige medizinische Versorgung hätten.“

Damit Farukh wieder richtig laufen kann, wurde in einer dreistündigen Operation zunächst sein Unterschenkel begradigt und ein so genannter Ringfixateur angebracht. Mit dieser auf den russischen Orthopäden Ilizarov zurück gehenden Methode wird es möglich, den Knochen Stück für Stück zu verlängern. „Während der Operation wird der Knochen an bestimmten Stellen vorsichtig durchtrennt und durch den Fixateur ganz langsam gedreht oder verschoben. So bildet sich ein neuer Knochen von innen her“, sagt Professor Josten. Die Methode wird bei kindlichen Fehlstellungen und auch bei Patienten angewendet, die durch Unfälle oder Tumorerkrankungen Knochensubstanz verloren haben. Sie kommt am UKL seit Jahren erfolgreich zum Einsatz.

So auch bei Farukh, der sich bei der Abschlussuntersuchung Anfang August freuen kann: Sein linkes Bein ist gerade, voll belastbar und genauso lang wie das rechte, die Behandlung in Deutschland damit erfolgreich abgeschlossen. Vor wenigen Tagen ist Farukh in seine Heimat zurückgekehrt. Ohne stützende Schiene, auf zwei geraden, kräftigen Beinen – und mit einem Fußball-Trikot, dass ihm die Leipziger Ärzte zum Abschied geschenkt haben.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Ines Christ.