Neue Operationsmethode in der Kinderchirurgie

UKL-Kinderchirurgen entwickeln neues OP-Verfahren zur Behandlung von Varikozelen im Kinder- und Jugendalter

Pressemitteilung vom 09.08.2013
Leipzig. Sie bereiten meist keine Schmerzen und werden daher oft unterschätzt: Krampfadern im Hoden (Varikozele testis). Dabei zählen unbehandelte Varikozelen zu den häufigsten Gründen für Unfruchtbarkeit bei Männern. Wird diese erkannt, ist meist nicht mehr viel zu machen. Varikozelen sollte daher schon frühzeitig therapiert werden. Kinderchirurgen des Universitätsklinikums Leipzig (UKL) entwickelten eine neue laparoskopische OP-Methode, mit der man Varikozelen bereits im Wachstumsalter optimal behandeln kann - schnell, schonend und narbenfrei.
Bild vergrößern PD Dr. Ulf Bühligen, Leiter der UKL-Kinderchirurgie, demonstriert Marie-Catherine Schaller, Medizinstudentin im Praktischen Jahr, die Funktion einer laparoskopischen Einhand-Einkanaltechnik
Foto: Stefan Straube / UKL
 

Krampfadern im männlichen Hodensack treten nicht erst im Erwachsenenalter auf. Bereits 5 bis 10 Prozent aller 12- bis 16jährigen Jugendlichen leiden darunter. Ein Arztbesuch ist in jedem Fall ratsam. „Varikozelen kann man schon im Jugendalter gut erkennen und behandeln“, weiß PD Dr. Ulf Bühligen, kommissarischer Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am UKL. Für die Therapie von Varikozelen stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Die derzeit bevorzugte Methode ist die Laparoskopie, bei der die betroffene Vene mithilfe von Endoskopischen Instrumenten (Knopflochchirurgie) durchtrennt wird.

Am Universitätsklinikum Leipzig kommt mit der laparoskopischen Einhand-Einkanaltechnik das derzeit aktuellste und innovativste Verfahren auf diesem Gebiet zum Einsatz. „Mit der von uns entwickelten Methode werden Optik als auch Instrumentarium nur noch durch einen Kanal geführt. Die betroffenen Venen werden in der Bauchhöhle mit einem Schnitt freigelegt, dann verödet und schießlich durchtrennt, alles über nur einen Eingang in die Bauchhöhle“, erklärt PD Dr. Bühligen die Neuerung. Den Zugang zur Vene ermöglicht ein kleiner 6mm Längsschnitt im Bauchnabel, durch den ein einziger Trokar (Durchmesser 5mm) in die Bauchhöhle eingeführt wird. Operiert wird dann mit einer 5mm Optik und integriertem 3,5 mm Arbeitskanal für die notwendigen Instrumente.

Im Vergleich zu den gängigen laparoskopischen Verfahren sind mit der neuen Technik Vorteile verbunden. „Mit der Einkanal-Laparoskopie wird der Eingriff noch einmal um einiges sicherer und schonender für unsere Patienten. Ein entscheidender Vorteil ist, dass der Eingriff ambulant vorgenommen werden kann. Die normale Operationszeit reduziert sich um fast die Hälfte auf etwa eine halbe Stunde. Darüber hinaus minimiert sich das Wundheilungsrisiko, und durch den kleinen Schnitt am Bauchnabel gibt es auch keine sichtbare Narbe“, resümiert der Kinderchirurg. Ein weiterer Vorteil sei die Kostenersparnis durch das wieder verwendbare Instrumentarium.

Varikozelen entstehen durch eine Blutstauung im Venengeflecht um den Hoden, in deren Folge sich die dem Hoden zugehörenden Venen vergrößern und anschwellen, fast immer auf der linken Seite. „Eine medizinische Behandlung der Varikozele ist nicht immer zwingend notwendig, häufig jedoch ratsam“, so PD Dr. Ulf Bühligen. Ob eine Therapie notwendig ist, sei abhängig vom Schweregrad und möglichen gesundheitlichen Beeinträchtigungen, wie zum Beispiel Schmerzen in der Leistengegend. Die Diagnostik umfasst die klinische Untersuchung sowie den Ultraschall (Sonografie) der Hoden im Seitenvergleich inklusive Blutflussuntersuchung. “Erst wenn die Venen deutlich erweitert sind und damit eine Funktionsstörung des Hodens droht, wird operiert“, so PD Dr. Ulf Bühligen.

Am UKL ist die neue laparoskopische Einhand-Einkanaltechnik mittlerweile etabliert und erfreut sich durchweg positiver Resonanz: Bislang 19 junge Patienten mit Varikozele wurden erfolgreich damit behandelt.

Kathrin Winkler

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Sandra Hasse.