Kooperationsprojekt zu Arzneimittelsicherheit bei Entlassung aus dem Krankenhaus gestartet

Pressemitteilung vom 12.06.2013
Im deutschen Gesundheitssystem stehen im Krankenhaus nicht uneingeschränkt die gleichen Arzneimittel zur Verfügung wie im ambulanten Bereich. Dies führt zu Schnittstellen der Arzneimittelversorgung, die wiederum in erheblichen Problemen in diesem Bereich resultieren können. Ein Thema, das auch bundesweit von großer Bedeutung ist. Daher kooperiert die Klinische Pharmazie Leipzig nun in einem länderübergreifenden Projekt mit Baden-Württemberg. Ziel ist es, gemeinsam Maßnahmen zu erarbeiten, Wissens- und Versorgungslücken an Schnittstellen zu identifizieren und durch bedarfsgerechte Strategien zu schließen, um die Arzneimittelsicherheit nachhaltig zu verbessern.

Die Problematik von Versorgunglücken und mangelender Kommunikation an Schnittstellen der Patientenversorgung im Krankenhaus und im ambulanten Bereich ist zunehmend in den Fokus der Versorgungsforschung gerückt. Umstellungen der vom Hausarzt verordneten Medikation auf die Hausliste des Krankenhauses können Probleme verursachen und zur Verunsicherung von Arzt und Patient führen. Aber auch umgekehrt kann die Therapieempfehlung im Entlassbrief des Krankenhauses an den weiterbetreuenden Hausarzt eine lückenlose Arzneimittelversorgung erschweren.

Studien zufolge wird nur etwa die Hälfte der Medikationsempfehlungen der Klinik vom niedergelassenen Mediziner umgesetzt, wie Thilo Bertsche, Professor für Klinische Pharmazie an der Universität Leipzig, erläutert. Andererseits werden nur in 17 Prozent der Entlassbriefe die gesetzlich vorgegebenen Angaben zur Weiterverordnung aufgeführt. Die im Krankenhaus neu angesetzte Medikation kann zudem in der öffentlichen Apotheke - insbesondere an Wochenenden und Feiertagen - nicht immer sofort verfügbar sein. 19 Prozent der Patienten sollen Erhebungen zufolge weder im stationären noch im ambulanten Bereich über ihre neu angeordneten Arzneimittel aufgeklärt worden sein. Dies trägt dazu bei, dass es bei 10 Prozent der Patienten deutscher Krankenhäuser zu Versorgungslücken kommt.

All dies erfordert die Einbindung aller am Pharmakotherapie beteiligten Berufsgruppen, die nun in diesem neuen Kooperationsprojekt der Klinischen Pharmazie Leipzig mit der Landesapothekerkammer Baden-Württemberg und dem Klinikum Konstanz angestrebt werden soll.

Baden-Württemberg ist bereits in zahlreichen Projekten unter Beteiligung der Landesapothekerkammer ein Vorreiter im Bereich der Optimierung der Pharmakotherapie an Schnittstellen. "Wir freuen uns sehr, die erfolgreiche Zusammenarbeit nun fortführen zu können," sagt Bertsche. Ziel des in Kooperation mit dem Klinikum Konstanz unter der dortigen Leitung von Chefarzt Niko Zantl, Chefapotheker Peter Buchal und Apothekerin Claudia Greißing entwickelten Konzeptes ist es, strukturierte Maßnahmen für Patienten, niedergelassene Ärzte und Apotheker in modularisierten Systemen zu entwickeln. Diese sollen nicht nur für Kliniken der Maximalversorgung, sondern auch für andere Versorgungsstrukturen geeignet sein. Dabei sollen auch elektronisch unterstützte Kommunikationsstrukturen genutzt werden, die jedoch nicht das persönliche Gespräch mit dem Patient ersetzen dürfen. Die entwickelten Maßnahmen sollen anschließend wissenschaftlich in einer kontrollierten, prospektiven klinischen Studie untersucht werden und bei Eignung in der Breite einsetzbar sein.

Susann Huster