Grillspaß mit Folgen

Pressemitteilung vom 24.04.2013
Frühjahrszeit und Sommerzeit sind Barbecuezeit. Wenn jetzt warme Temperaturen ins Freie locken, darf auch der Grill nicht fehlen. Doch das Brutzel-Vergnügen hat auch seine Schattenseiten: Immer wieder kommt es zu Grillunfällen, bei denen allzu oft Kinder die Leidtragenden sind.

Häufige Ursache für Grillunfälle ist die leichtsinnige und unsachgemäße Verwendung von Brandbeschleunigern, weiß Dr. Margit Weißer, Oberärztin in der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am Universitätsklinikum Leipzig. „Hier ist der Reiz des Feuers oft stärker als die Vernunft. Die gefährliche Wirkung von Brandbeschleunigern wird von Erwachsenen schlichtweg unterschätzt. Grundsätzlich sind solche Unfälle absolut vermeidbar.“

Unfallquelle Brandbeschleuniger

Doch das Gegenteil ist der Fall: Jährlich kommt es zu rund 4.000 Grillunfällen in Deutschland durch die Verwendung von Brennspiritus und Co. Gießt man diese Flüssigkeiten in den Grill, kann dies schlimme Folgen haben – vor allem für Kinder, die sich in der Nähe aufhalten. „Brandbeschleuniger im Feuer lösen gefährliche Verpuffungen und Rückzündungen in der Flasche aus. Daraus kann ein Feuerwall entstehen, der meterweit um sich greift“, sagt Margit Weißer, die am UKL die Kinder-Spezialsprechstunde für Plastisch-Rekonstruktive Chirurgie leitet. „Die Kinder erleiden teilweise schwere thermische Verletzungen, also Verbrennungen und Verbrühungen. Dabei sind oft große Körperflächen betroffen, die ihnen lange Zeit große Schmerzen bereiten.“

Schicksalhafte Folgen

Bei kleinen Kindern entstehen bereits bei 45 Grad Celsius thermische Verletzungen. Diese reichen von Brandblasen bis hin zu Verbrennungen zweiten und dritten Grades. Sind größere Flächen betroffen, kann die Haut nicht mehr optimal an der Gesamtversorgung des Körpers teilnehmen. „Solch eine schwere Verbrennung kann sich zu einem Multiorgangeschehen entwickeln, bis hin zum Multiorganversagen“, erklärt Dr. Margit Weißer. Die Folgen solch schwerer Grillunfälle sind für die Kinder meist schicksalhaft. „Die Kinder müssen monatelang im Krankenhaus bleiben und im Anschluss jahrelange Behandlungen und kosmetisch-ästhetische Eingriffe über sich ergehen lassen. Das muss einfach nicht sein“, so Weißer.

Kühlen und rasche Vorstellung beim Arzt

Unabhängig von der Schwere der Verletzung gilt für alle thermischen Verletzungen: Zuerst kühlen und anschließend mit körperwarmer Spülung (37 Grad) isotherm halten, das heißt, die Temperatur soll unverändert bleiben. „Man kann das Kind zum Beispiel kühl abduschen. Das ist schmerzlindernd und reduziert die Brandwirkung“, so die Expertin. Bei kleinen Verletzungen wie Brandblasen helfen ein Schmerzmittel und ein kaltes Tuch über der Wunde. Auf gar keinen Fall sollte die Brandblase geöffnet oder die verbrannten Flächen mit Zahncreme oder anderen „Hausmittelchen“ bedeckt werden, da dies Infektionen begünstigen kann. Bei schlimmeren Verletzungen sorgt ein Anruf beim Notdienst für schnelle Hilfe.

Was tun, um Grillunfälle zu vermeiden?

„Brandbeschleuniger sollten grundsätzlich überhaupt nicht zum Einsatz kommen. Lieber langsam hochgrillen. Grillen hat ja etwas mit Genuss zu tun, man sollte sich dafür also auch Zeit nehmen. Sind Kinder dabei, müssen die Erwachsenen unbedingt dafür sorgen, dass sich die Kleinen immer in ausreichend Sicherheitsabstand zum Grill aufhalten“, rät Oberärztin Dr. Margit Weißer.

Und auch nach dem Brutzeln sind Kinder dringend weiter von den Feuerstellen fernzuhalten. „Kinder sehen die weiße Asche, denken es ist Sand, und schon fassen sie in die reine Glut. Das kann ganz schnell gehen.“

Paulinchen – Initiative für brandverletzte Kinder e.V. 

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.