Kinderchirurgie: Kleiner Eingriff ermöglicht schonende Korrektur von X-Beinen

Pressemitteilung vom 13.03.2013
Leipzig. Leiden Kinder unter so genannten X-Beinen, kann das am Universitätsklinikum Leipzig mit einem kleinen chirurgischen Eingriff korrigiert werden. Eine relativ neue Operationsmethode ermöglicht es, das Wachstum der Beine so zu beeinflussen, dass sie sich langsam in die richtige Stellung bewegen.

„Am Uniklinikum operieren wir seit drei Jahren mit dieser Methode. Sie bietet zahlreiche Vorteile für die Patienten“, sagt Oberarzt Dr. Ulf Bühligen, kommissarischer Direktor der Klinik und Poliklinik für Kinderchirurgie am UKL.

Die Operation gestattet eine schonende Korrektur der X-Beine, die die Kinder kaum belastet. Dabei werden Implantate an den Wachstumsfugen der Beine angebracht, die sich ober- und unterhalb des Knies befinden. Diese Überbrückung der Wachstumsfugen sorgt dafür, dass die entsprechenden Fugen zeitweise an ihrem Wachstum gehindert werden und der Unterschenkel durch sein eigenes Wachstum schrittweise in die richtige Stellung gebracht wird. Die Implantate können sowohl an den Innen- als auch an den Außenseiten der Beine angebracht werden.

Der Eingriff ist möglich, so lange die kleinen Patienten wachsen – also etwa bis zum 16. Lebensjahr. Von X-Beinen sind beispielsweise häufig fettleibige Kinder betroffen, weil das hohe Gewicht auf die Gelenke drückt und das Bein unterhalb des Knies abgewinkelt wird. X-Beine können aber auch nach Knochenbrüchen auftreten. Mit dem Eingriff, der am UKL nach einem einheitlichen Konzept sowohl von Kinderorthopäden als auch von Kinderchirurgen vorgenommen wird, wird diese Achs-Fehlstellung korrigiert.

Bevor operiert wird, erfolgt eine genaue Diagnostik, erklärt Dr. Bühligen. „Mit einer Ganzbeinaufnahme beider Beine finden wir zunächst heraus, welche Fugen behandelt werden müssen, also etwa am Unterschenkel oder am Oberschenkel oder auch beides.“ Mit einem nur etwa zwei Zentimeter kleinen Hautschnitt wird während der Operation der Knochen freigelegt und das Implantat unter Röntgenkontrolle ober- und unterhalb der Wachstumsfuge angebracht. „Am Ende der Gesamtbehandlung muss die Beinachse wieder in der anatomisch korrekten Stellung sein“, so Dr. Bühligen.

Anschließend erfolgt in regelmäßigen Abständen eine ambulante Kontrolle, wie sich die Achse korrigiert. Die Wachstums- und damit die Korrekturgeschwindigkeit ist individuell verschieden, sagt der Mediziner. „Bei einer so behandelten Fuge geht man von etwa einem Grad alle zwei Monate aus, bei zwei Fugen kann sich die Achse in einem Monat um ein Grad verändern.“ Je nach Winkel und Geschwindigkeit dauert es rund ein Jahr, bis die Beine die richtige Stellung erreicht haben. Dann wird das Implantat wieder entfernt – die Epiphyse, also die Wachstumsfuge am Ende der Röhrenknochen im Bein, wächst dann ganz normal weiter.

Werden X-Beine auf diese Weise behandelt, sind somit zwei Eingriffe erforderlich, die sich jedoch für die Patienten bezahlt machen. Denn die OP stellt eine schonende Alternative zur Behandlung von X-Beinen bei Erwachsenen dar. Dort muss der Knochen geplant gebrochen und anschließend mit Platten oder Fixateur in die richtige Stellung gebracht werden, „was  natürlich auch eine ungeheure Belastung darstellt“, so Bühligen. Außerdem sind die Patienten monatelang in ihren Bewegungen eingeschränkt.

Das gilt für die mit den neuen Implantaten behandelten Heranwachsenden nicht, berichtet der Oberarzt: „Noch am OP-Tag oder spätestens am Tag danach stehen die Kinder auf und laufen wieder herum. Nach abgeschlossener Wundheilung können sie sich ganz normal bewegen und jede Art von Sport treiben, wie etwa Fahrrad fahren oder Fußball spielen.“ Die Gelenke seien in ihren Bewegungen oder der Belastbarkeit nicht eingeschränkt, während die Implantate im Körper sind. Auch Nebenwirkungen treten praktisch nicht auf.

Die Kindermediziner des Universitätsklinikums haben den kurz- und mittelfristigen Erfolg ihrer Operationen auch wissenschaftlich gemeinsam aufgearbeitet. „Erste Untersuchungen zeigen, dass das Wachstum aller Patienten beeinflusst werden kann und die Wachstumsfuge anschließend einfach weiterwächst“, so Dr. Bühligen. Deshalb wird die Methode inzwischen nicht nur bei X-Beinen angewandt, sondern kommt auch bei der Korrektur von Fehlstellungen des Sprunggelenks oder des Ellenbogens zum Einsatz.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.