Neuartiges Tumorboard unterstützt Krebstherapien

HNO-Ärzte nehmen am UKL innovative Informationsplattform in Betrieb

Pressemitteilung vom 28.02.2013
Leipzig. Mit Hilfe eines neuartigen computergestützten Tumorboards können die HNO-Mediziner und Mund-Kiefer-Gesichtschirurgen am Universitätsklinikum Leipzig jetzt Krebsbehandlungen im sensiblen Kopf-Hals-Bereich besser planen und steuern als bisher. Die Basis dafür bildet die gemeinsam mit Informatikern des ICCAS (Innovation Center Computer Assisted Surgery) der Universität Leipzig entwickelte Software Oncoflow. Das neue System wurde am 28. Februar auf dem Workshop zur Kopf-Hals-Onkologie vorgestellt und in Betrieb genommen.
Bild vergrößern Ein innovatives multimediales Tumorboard zur besseren Planung von Krebsbehandlungen im sensiblen Kopf-Hals-Bereich unterstützt künftig die Arbeit der HNO-Mediziner am Universitätsklinikum Leipzig.
Foto: Stefan Straube / UKL
 

Die neue, gemeinsam mit den Klinikern entwickelte  Software bündelt alle patientenbezogenen Daten und stellt diese übersichtlich und aufbereitet in der Treatment Planning Unit - TPU - zur Verfügung. Dabei können anhand der vorhandenen Bilddaten auch dreidimensionale Projektionen dargestellt werden, was die Planung von Operationen und Bestrahlungen immens erleichtert.

“Diese neue Plattform ist für uns ein ungeheuer wichtiges Werkzeug“, erklärt Prof. Andreas Dietz, Direktor der HNO-Klinik am Universitätsklinikum Leipzig. „Anhand dieser Daten und Auswertungen können wir  uns in unseren interdisziplinären Tumorboardbesprechungen ein sehr umfassendes Bild davon verschaffen, mit welchem Tumor wir es zu tun haben und welche Maßnahmen die besten sind.“

Neben Laborbefunden, Untersuchungsergebnissen und Arztberichten fließen hier auch alle Bilddaten aus Röntgen-,  MRT- und CT-Untersuchungen ein. Diese werden mit allen anderen Daten zu dreidimensionalen Modellen des Tumors zusammengeführt und auf einem Bildschirm dargestellt. Dabei berechnet das System auch die Größe und Ausdehnung des Tumors. „So können wir  den Kollegen direkt die Bildbefunde vorstellen, einordnen und gemeinsam die besten Therapieoptionen diskutieren“,  beschreibt Prof. Karl-Titus Hoffmann, Leiter der UKL-Neuroradiologie, die Verbesserung der Arbeitsabläufe. 

Bisher wurden die Daten an vielen verschiedenen Stellen verwaltet. Die Zusammenführung in einem System verschafft den Ärzten jetzt einen schnelleren und besseren Überblick. „Unsere Entwicklung basiert auf Anregungen aus der Klinik“, beschreibt Dr. Thomas Neumuth, Leiter des Projektes am ICCAS.  Die Ärzte suchten nach einer Möglichkeit, die vielen vorhandenen Daten an einer Stelle sinnvoll und nutzbar zu integrieren. Die Mitarbeiter im Forschungsprojekt Modellbasierte Automation und Integration (MAI) der Universität Leipzig fanden mit Oncoflow eine Lösung -  eine Integration sowohl der Daten als auch der Prozesse einer onkologischen Behandlung. „Oncoflow  unterstützt diesen Prozess - von der Aufnahme des Patienten bis zu dessen Nachsorge – durch die Speicherung sämtlicher Daten an zentraler Stelle“, so Neumuth. Die technische Entwicklung der  TPU am ICCAS sei mit Mitteln des SMWK und BMBF großzügig unterstützt worden.

Die Treatment Planning Unit (TPU) ergänzt diese Daten um eine besseres Raumkonzept und Abstimmungssysteme und sorgt so für mehr Transparenz im sich anschließenden therapeutischen Entscheidungsprozess.

„Mit diesen Instrumenten haben wir in unseren Konferenzen eine fundierte und vollständige Grundlage für die Entscheidungen über Therapieoptionen geschaffen“, ist der HNO-Arzt Prof. Dietz überzeugt. „Für unsere Patienten bedeutet das eine ganz individuelle Anpassung der Behandlung an den jeweils konkreten Fall.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.