PET/MRT ermöglicht bei Kindern sichere Diagnostik

Leipziger Kinderradiologen und Nuklearmediziner belegen erstmals Aussagekraft des neuen Verfahrens

Pressemitteilung vom 24.02.2013
Leipzig. Eine Diagnose per PET/MRT ist bei krebskranken Kindern nicht nur schonender, sondern ebenso aussagekräftig wie die bisherigen Verfahren. Leipziger Unimediziner beschreiben weltweit erstmals das Verfahren für den Einsatz der neuen Methode in der Kinderradiologie. Das Ergebnis: Bei einer um 80 Prozent niedrigeren Strahlenexposition können hochpräzise Diagnosen bei komplizierten Tumorerkrankungen gestellt werden.
Bild vergrößern Prof. Regine Kluge und Prof. Franz Wolfgang Hirsch haben am Universitätsklinikum Leipzig den Einsatz von PET/MRT bei Kindern getestet.
Foto: Foto: Stefan Straube/ UKL
 

Wird bei einem Patienten ein streuender und damit besonders gefährlicher Tumor vermutet, kommt in der Diagnostik in der Regel die Positronen-Emissions-Tomographie in Kombination mit dem Computertomographen (PET/CT) zum Einsatz. Dieses Verfahren zeigt mit großer Genauigkeit mögliche Tumorherde im gesamten Körper und misst ihre Stoffwechselaktivität. Gleichzeitig wird bei dieser Methode der Patient jedoch auch einer Strahlenexposition ausgesetzt. „Bei Kindern versuchen wir daher, auf die Computertomographie zu verzichten“, erklärt Prof. Franz Wolfgang Hirsch, Leiter der Abteilung für Kinderradiologie am Universitätsklinikum Leipzig. Das kindliche Gewebe reagiere sensibler auf die Strahlung als das von Erwachsenen. „Dieses Risiko möchten wir vermeiden“, so Hirsch, „gleichzeitig brauchen wir gerade bei schwer krebskranken Kindern aber vergleichbar aussagekräftige und verlässliche Bilddaten für die Diagnose und Therapieplanung.“

Eine Lösung bietet der Einsatz des neuen PET/MRT- Systems. Solche Geräte, mit denen PET und MRT simultan stattfinden können, sind deutschlandweit bisher an sieben Standorten verfügbar. In Leipzig konnte das von der DFG geförderte System im September 2011 nach erfolgreichem Antrag durch das hiesige PER/MRT Konsortium, dessen Sprecher der Direktor der Klinik und Poliklinik für Nuklearmedizin, Prof. Dr. med. Osama Sabri ist, in Betrieb genommen werden.

Die Leipziger Unimediziner prüften das neue Verfahren über ein Jahr bei krebskranken Kindern. Die dabei erstmals gewonnenen Erkenntnisse wurden jetzt aktuell in der Fachzeitschrift „Pediatric Radiology“ veröffentlicht.

„Unsere Erfahrungen belegen, dass das schonendere Verfahren gleichzeitig hochpräzise und damit sehr gut geeignet für unsere Diagnosestellungen ist“, so Prof. Hirsch. Der Kinderradiologe hat gemeinsam mit seinen Kollegen aus der Nuklearmedizin auch festgestellt, dass die zunächst geplante sehr lange Untersuchungsdauer in dem Ganzkörper-Gerät deutlich verkürzt werden kann. „Statt der ursprünglich angenommenen anderthalb Stunden reichen bereits 30 bis 45 Minuten, was für die kleinen Patienten auch deshalb deutlich angenehmer ist, da beide bildgebende Verfahren (PET und MRT) gleichzeitig stattfinden und ein umfassender Befund mit einer einzigen Untersuchung erhoben werden kann. Dies bedeutet neben der Vermeidung von Strahlenexposition auch eine erhebliche Entlastung für unsere kleinen Patienten“.

Getestet wurde das neue Verfahren am UKL vor allem bei Kindern mit seltenen und streuenden Tumoren wie bei Knochenkrebserkrankungen, Neuroblastomen oder Lymphdrüsenkrebs. Bei diesen Erkrankungen ist es wichtig, alle Krebsherde im ganzen Körper zu erkennen. Die kombinierten Bilddaten des Ganzkörper-PET/MRT liefern den Ärzten sowohl die Informationen, wo sich die Tumoren befinden, als auch über das Ausbreitungsmuster und die Stoffwechselaktivität der Tumoren. „Anhand dieser Daten können wir die sehr individuelle Therapie für unsere kleinen Patienten planen und entsprechend auch die Wirksamkeit kontrollieren“, beschreibt die Nuklearmedizinerin Prof. Regine Kluge.

„Dass wir nun dabei im Vergleich zur PET/CT problemlos auf den größten Teil der Strahlenexposition verzichten können, ist eine wichtige Erkenntnis und ein sehr großer Vorteil des PET/MRT. Die Zukunft wird zeigen, ob und inwieweit sich die PET/MRT bei Tumoren im Kindesalter zu einer Routine-Bildgebungsmethode entwickeln wird.“

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.