KPC-Ausbruchsgeschehen erfolgreich eingedämmt

Zwischenstand zeigt Wirkung der erweiterten Hygienemaßnahmen

Pressemitteilung vom 28.01.2013
Leipzig. Am Universitätsklinikum Leipzig wurde mithilfe intensiver Hygienemaßnahmen der Ausbruch des seltenen multiresistenten Erregers KPC (Klebsiella pneumoniae mit Carbapenemasebildung) erfolgreich eingedämmt. Nach Ausweitung der Maßnahmen einschließlich eines flächendeckenden Screenings seit dem Sommer 2012 werden nur noch einzelne Fälle von Kolonisationen registriert. Insgesamt wurde KPC seit dem ersten Nachweis im Juli 2010 bei 95 von über 130.000 stationären Patienten am UKL nachgewiesen.

„Obwohl wir es hier mit einem bislang seltenen und wenig erforschten Erreger zu tun haben, erweisen sich unsere Maßnahmen als wirksam“, konstatiert Prof. Wolfgang E. Fleig, Medizinischer Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig. „Der im Juli 2010 durch einen aus Griechenland übernommenen Patienten ausgelöste KPC-Ausbruch konnte erfolgreich eingedämmt werden, aber wir müssen damit leben, dass KPC uns auch künftig beschäftigen wird“.

Anfang Juni 2012 hatte das Universitätsklinikum Leipzig zur Kontrolle des Erregers KPC, der gegen die  meisten Antibiotika resistent ist, erweiterte Hygienemaßnahmen eingeführt. Dabei wurden inzwischen ca. 35.000 Proben mit dem hochempfindlichen PCR-Verfahren untersucht. Am UKL werden monatlich 4300 Patienten stationär behandelt, täglich werden zwischen 250 und 300 Patienten neu aufgenommen.

„Wir haben systematisch die Screeninguntersuchungen ausgeweitet und setzen eine schnellere und empfindlichere Nachweismethode zur Analyse der Proben ein“, erklärt Prof. Arne Rodloff, Direktor des Instituts für Mikrobiologie am UKL. „Dabei haben wir Erfahrungen gesammelt und Erkenntnisse gewonnen, von denen andere in der mittlerweile leider angebrochenen postantibiotischen Ära künftig profitieren werden, zumal wir unsere Patienten mit speziellen PCR-Verfahren inzwischen auch auf andere KPC-ähnliche multiresistente Erreger untersuchen“, so der Leipziger Mikrobiologe.

Beispielweise zeigten die Analysen, dass es bei KPC offenbar eine sehr lange Zeitspanne zwischen einer Übertragung und einem möglichen Nachweis im Labor gebe, in der Träger trotz Screeninguntersuchungen unerkannt blieben. Gleichzeitig habe sich gezeigt, dass bei KPC-Trägern eine frühzeitige Isolierung und ein langfristiges, intensives Folgescreening notwendig seien. „Die Auswertungen bestätigen unsere Annahme, dass es sich um eine Übertragung von Person zu Person handelt, die durch strikte Hygiene unterbrochen werden muss“, so Rodloff.

Die dabei am UKL eingeführte Kombination aus umfassendem Aufnahmescreening, Isolation, längerer Nachfolgeuntersuchung von Kontaktpatienten und einer erhöhten Aufmerksamkeit aller Mitarbeiter hat den Erreger wirksam aufhalten können. Seit einem Vierteljahr verzeichnen die Mediziner monatlich nur noch einen positiven Nachweis.

Im Dezember wurden in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt Leipzig die Aufnahmeuntersuchungen umgestellt und auf bestimmte Risikogruppen konzentriert. „Die Ergebnisse unserer bisherigen flächendeckenden Screenings haben gezeigt, dass die Nachweise tatsächlich nur bei bestimmten Patientengruppen auftreten“, erklärt dazu Prof. Arne Rodloff.

 

Chronologie und Hintergrund

 Seit Juni 2012 werden im Zuge der Bekämpfung des multiresistenten KPC-Erregers am Universitätsklinikum Leipzig großflächige Screeninguntersuchungen durchgeführt. Dabei wurden alle stationär aufgenommen Patienten bei der Aufnahme sowie in regelmäßigen Abständen während des Klinikaufenthaltes auf KPC untersucht. Gleichzeitig wurden mehrere Isolierstationen mit insgesamt 52 Betten jeweils für intensivpflichtige, überwachungspflichtige und im Rahmen der stationären Regelversorgung betreute Patienten eingerichtet.

 

Der erste KPC-Nachweis am UKL erfolgte im Juli 2010. Alle notwendigen Schutzmaßnahmen wurden sofort eingeleitet. Die mikrobiologische Untersuchung von Mitpatienten und der Umgebung ergab zunächst keine Hinweise auf eine Übertragung.

Trotz sofortiger Barrieremaßnahmen kam es mit großer Zeitverzögerung drei Monate später im Herbst 2010 zu einer ausbruchsartigen Häufung auf mehreren Stationen. Die Meldung an das Gesundheitsamt erfolgte im Januar 2011.

Betroffen waren und sind ausnahmslos schwerstkranke Patienten mit lebensbedrohlichen Grunderkrankungen.

Bis Juni 2012 wurden am UKL 79 KPC-Fälle nachgewiesen, davon zu etwa 60 Prozent harmlose Besiedelungen überwiegend des Magen-Darm-Traktes.  Seit der massiven Ausweitung der Screeningmaßnahmen wurde das Bakterium in 16 weiteren Fällen mehrheitlich als Besiedler von Schleimhaut- oder Wundoberflächen nachgewiesen. Insgesamt wurde der Erreger innerhalb von 31 Monaten damit bei 95 von insgesamt 130.000 in diesem Zeitraum stationär am UKL behandelten Patienten nachgewiesen.

 

 

 

 

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Helena Reinhardt.