Verstöße gegen Richtlinien bei der Meldung von Kandidaten zur Lebertransplantation am Universitätsklinikum Leipzig

Pressemitteilung vom 01.01.2013

Vor dem Hintergrund der im Jahr 2012 bekannt gewordenen Regelverstöße an deutschen Universitätsklinika bei der Meldung von Patienten zur Lebertransplantation hat der Vorstand des Universitätsklinikums Leipzig am 27. Juli 2012 die Innenrevision beauftragt, die Strukturen und Prozesse zur Meldung von Kandidaten zur Lebertransplantation bei Eurotransplant sowie die Führung der gelisteten Patienten bis zum Zeitpunkt der Transplantation ebenso kritisch zu prüfen wie sämtliche Meldevorgänge an Eurotransplant bei allen seit 01.01.2007 am Transplantationszentrum Leipzig lebertransplantierten Patienten. Die detaillierte Einzelprüfung der Meldevorgänge bis zum Transplantationszeitpunkt bei den insgesamt 363 in den Jahren 2007 – 2011 lebertransplantierten Patienten und den Patienten des Jahres 2012 (bis 30.11.2012 insgesamt 59) ist noch nicht komplett abgeschlossen.

Gleichzeitig prüfen die Prüfungskommission und die Überwachungskommission von Bundesärztekammer, Deutscher Krankenhausgesellschaft und GKV-Spitzenverband die Einhaltung der Transplantationsrichtlinien in allen deutschen Transplantationszentren. Eine am 10. Dezember 2012 begonnene Stichprobenprüfung der in den Jahren 2010 und 2011 am UKL lebertransplantierten Patienten ergab Hinweise auf Dokumentationsmängel und Regelverstöße insbesondere bei der Angabe von Nierenersatzverfahren. Diese externe Untersuchung wird im Januar 2013 fortgesetzt werden.

Der Klinikumsvorstand hat nach Bekanntwerden dieser Mängel am 13.12.2012 die Innenrevision durch 4 erfahrene Fachärzte, die weder der Transplantationschirurgie noch der Hepatologie angehören, verstärkt, um die begonnene Einzelfallprüfung 2007 – 2011 zu beschleunigen und auch die im Jahr 2012 transplantierten Patienten in die Prüfung einzubeziehen. Das vorläufige Ergebnis dieser internen Prüfung hat aktuell ergeben, dass in den Jahren 2010 und 2011 bei der Meldung von Wartelistenpatienten an Eurotransplant fälschlicherweise Nierenersatzverfahren angegeben worden waren. Für eine erhebliche Zahl von Patienten, bei denen ein Nierenersatzverfahren an Eurotransplant gemeldet wurde, konnte die tatsächliche Durchführung dieser Therapie von den verantwortlichen Transplantationschirurgen nicht nachgewiesen werden. Diese Falschangaben haben für den einzelnen Patienten zu einer Erhöhung des Punktwerts des sog. MELD-Scores und damit zu einer Erhöhung der Priorität auf der Warteliste bei Eurotransplant geführt. Bei den Patienten des Jahres 2012 wurde eine solche Falschangabe bei einem von 10 Patienten mit der Angabe Dialyse festgestellt, hingegen bei keinem Patienten der Jahre 2007 bis 2009.

Auf der Grundlage dieses am 28.12.2012  gesichert vorliegenden Untersuchungsergebnisses hat der Klinikumsvorstand den verantwortlichen Direktor der Klinik für Viszeral-, Transplantations-, Thorax- und Gefäßchirurgie sowie zwei Oberärzte mit sofortiger Wirkung von ihren Aufgaben in der Krankenversorgung entbunden. Die Leitung des Transplantationsprogramms wurde auf einen sehr erfahrenen Oberarzt der Klinik übertragen.

Diese Pressemitteilung wurde erstellt von Kathrin Winkler.