Erfolgreiche Zusammenarbeit in der Forschung

Pressemitteilung vom 19.12.2003

Mit der Ernennung von Prof. Jürgen Borlak zum Honorarprofessor für Molekulare Anatomie an der Universität Leipzig wird eine bereits fruchtbare Zusammenarbeit zwischen dem Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) Hannover fortgesetzt und ausgebaut. Man entwickelte ein Verfahren zur DNA-Analyse fehlgebildeter menschlicher Herzen.
Die Leipziger und Hannoveraner haben gemeinsam ein Verfahren für eine DNA-Analyse von Gewebeproben fehlgebildeter menschlicher Herzen entwickelt, die über vierzig Jahre in Formaldehydlösung konserviert waren. Dabei entdeckten sie charakteristische Muster jener Faktoren somatischer Genmutationen, die für die Übertragung der in einem Gen gespeicherten Informationen verantwortlich sind. Diese Transkriptionsfaktoren wurden bei Defekten der Scheidewand des Herzvorhofs und der Herzkammer gehäuft beobachtet. Die Befunde lassen zu, über die Entwicklung eines klinischen Vorsorgetests zu spekulieren.

Weitere gemeinsame Forschungsvorhaben zwischen der ITEM und der Leipziger Anatomie betreffen das dysfunktionelle Endothel, den Mechanismus der Apoptose im Ovar sowie transgene Tiermodelle für die Entstehung von Leber-und Lungentumoren. Das Ziel der gemeinsamen Forschungsarbeit ist, morphologische, zellbiologische und molekularmedizinische Methoden zu verknüpfen, um komplexe Fragestellungen ganzheitlich zu betrachten. Durch Einwerben von Drittmitteln und Vergabe von Diplom-und Promotionsvorhaben wird der wissenschaftliche Nachwuchs gezielt gefördert.

Als weiteres Ziel sind gemeinsame Lehrveranstaltungen gewinnbringend für die medizinische Ausbildung bereits im Sommersemester 2004 geplant. Diese interdisziplinären Vorlesungen über den molekularen Bauplan der Organogenese von Herz, Lunge und Leber sind eine wertvolle Ergänzung zum Verständnis der Embryologie und vermitteln am Institut für Anatomie den Zugang zur modernen molekulargenetischen Forschung.

Jürgen Borlak wurde 1958 in Neu-Ulm/Bayern geboren. Er studierte von 1978 bis 1989 Biochemie, Physiologie und Agrarwissenschaften in Kassel und an der Universität Reading in Großbritannien. Dort promovierte Jürgen Borlak "Zur biochemischen Toxikologie halogenierter Biphenyle" im Jahr 1989 und erhielt seinen PhD im Fachbereich Biochemie. Von 1989 bis 1990 untersuchte Jürgen Borlak als Postdoktorand bei der Britischen Gesellschaft für Krebsforschung die molekularen Mechanismen der Brustkrebsentstehung durch Xenobiotica. Von 1990 bis 1992 leitete er die Arbeitsgruppe Pharmakogenetik am Marion Merrel Dow Forschungszentrum, Strasbourg, Frankreich, und war danach bis 1998 Abteilungsleiter der Präklinischen Pharmakokinetik und Metabolismusforschung. Seit 1999 ist Jürgen Borlak Bereichsleiter für Pharmaforschung und Medizinische Biotechnologie am Fraunhofer Institut für Toxikologie und Experimentelle Medizin (ITEM) in Hannover, wo er sich im Jahr 2000 für die Fächer Experimentelle Pharmakologie und Toxikologie habilitierte. Die Medizinische Hochschule Hannover hat Jürgen Borlak zum C4-Professur für Pharmako- und Toxikogenomik im Januar 2003 berufen. Das Ziel von Jürgen Borlak ist, zuverlässige Aussagen über die molekularen Zusammenhänge bei der Entstehung bestimmter Erkrankungen und deren Therapie mit neuen Medikamenten zu treffen. Dies geschieht mit Hilfe moderner Technologie, komplexer, mehrdimensionaler Trennmethoden und komplizierter, quantenmechanischer Messverfahren.