Universität Leipzig und Tongji-Universität in Shanghai gehen gemeinsame Wege

Pressemitteilung vom 29.10.2003
Mediziner der Universität Leipzig und der Tongji-Universität Shanghai arbeiten ab sofort eng zusammen. Der Dekan der Medizinischen Fakultät Leipzig, Prof. Dr. Wieland Kiess, und der Präsident der chinesischen Hochschule, Dr. Wan Gang, haben dazu einen Kooperationsvertrag unterzeichnet. Bereits nächste Woche kommen die ersten beiden chinesischen Wissenschaftlerinnen für einen mindestens sechsmonatigen Forschungsaufenthalt nach Leipzig. Weitere regelmäßige Treffen und Austauschmaßnahmen sind vereinbart. Auch Leipziger Studenten können bald schon für ein Semester in die asiatische Millionenmetropole gehen.

"Wir verfügen über das Know-how, und die Chinesen haben den Ideenreichtum und den Willen, an die Spitze zu kommen. Wir werden voneinander lernen", sagt Kiess. In der Medizin sei China derzeit an der Schwelle vom Entwicklungsland zum High-Tech-Standort. Seiner Beobachtung zufolge werden derzeit in China gezielt Forschung und Lehre aufgebaut. "Das ist das Gegenteil zur deutschen Entwicklung. Die Chinesen haben erkannt, dass sie nur durch Wissen an die Weltspitze kommen können. Dafür tun sie alles", sagt Kiess. Allein an der 44.000 Studenten zählenden Partnerhochschule würden jährlich Millionen Euro in Forschung und Lehre gesteckt.

"In Deutschland sparen wir derzeit an allen Ecken und Enden. China hingegen investiert in Bildung und könnte uns schon bald einen Schritt voraus sein." Durch den Sächsischen Hochschulvertrag müssten hingegen an der Universität Leipzig bis 2008 78 Stellen abgebaut werden.

Für die Tongji-Universität, die 1907 von dem deutschen Arzt Erich Paulun gegründet worden war, ist der Kontakt zur Messestadt von großer Bedeutung. "Wir haben viel nachzuholen und hoffen, den Austausch rasch mit Leben zu erfüllen", urteilt Tonji-Präsident Wan Gang. Schon seit längerer Zeit suchte das Tongji-Rektorat einen geeigneten Partner für die Medizinerausbildung und Forschung in Deutschland. "In Leipzig sind wir fündig geworden. Wir sind stolz auf diese Verbindung und wollen die Partnerschaft mit Leben erfüllen." Mehr als jede andere Hochschule des Landes stehen Forschung, Lehre und Unterricht an der Tongji im Zeichen deutsch-chinesischer Zusammenarbeit. Der Vertrag ist für Präsident Dr. Wan Gang der Inbegriff des Namens "Tongji", was wörtlich übersetzt bedeutet: "Wir sitzen in einem Boot und müssen zusammenhalten."

"Selbstverständlich. Denn die Probleme sind überall die gleichen: Krebs, die Folgen der immer älter werdenden Gesellschaft oder Alzheimer", sagt Kiess. Als Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft schaut er mit Sorgen auf die sprunghaft ansteigende Tendenz zu Übergewicht (Adipositas) in China. "Es sieht so aus, als würde mit dem Wohlstand die Gefahr von Adipositas sprunghaft ansteigen. Ein Problem, das in China neu ist."

Im medizinischen Sektor sieht Kiess in China großen Nachholbedarf: "In einem Trakt stehen die modernsten medizinischen Geräte wie Computertomographen, und einen Flur weiter liegen Kinder in durchgerosteten Betten", sagte Kiess. Dies seien Verhältnisse wie es sie in Deutschland seit den 1920er Jahren nicht mehr gegeben habe.

Neben Leipzig unterhält die Universität Partnerschaften mit einem Dutzend deutscher Hochschulen. Mehr als ein Drittel der Dozenten hat in Deutschland studiert oder promoviert. An keiner anderen Universität der Welt wirken so viele deutsche Austausch-Lektoren wie in Shanghai. Im Dezember 2002 bekam Bundeskanzler Gerhard Schröder die Ehrendoktorwürde verliehen.

tdh