Ein (über)gewichtiges Problem:

Pressemitteilung vom 23.09.2003
Zwanzig Prozent aller Kinder und Jugendlichen in den westlichen Ländern sind übergewichtig. Viele von ihnen leiden gar unter Adipositas, volkstümlich bekannt als Fettsucht. Tendenz: rapide steigend! Angesichts dieses alarmierenden Trends hat man an der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche in Leipzig ein Präventionsprogramm für Adipositas entwickelt, in dessen Rahmen verschiedene Studien laufen, die sich diesem - zunehmend auch gesellschaftlichen - Problem widmen. Die Fortbildungsveranstaltung "Ein dickes Problem: kindliche Adipositas" wird verschiedene Aspekte dieser Krankheit beleuchten und über aktuelle Studien informieren.
Zeit 24. September 2003, 18:00 Uhr
Ort Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche
Hörsaal
Oststraße 21-25

In der "Sprechstunde Adipositas" behandeln Dr. Susann Blüher und Kollegen derzeit zwischen 200 und 300 stark übergewichtige Leipziger Kinder und Jugendliche (bis 18 Jahre). Die Dunkelziffer der jungen Adipositaspatienten liegt jedoch weitaus höher.
Heutzutage leidet jedes vierte adipöse Kind (25 Prozent) unter einer Glukoseverwertungsstörung. Etwa vier Prozent der adipösen Kinder und Jugendlichen haben bereits einen manifesten Typ-2 Diabetes mellitus entwickelt - ein Problem, das in der Kinderheilkunde noch vor zwanzig Jahren völlig unbekannt war.

Adipositas wird über den BMI (Body Mass Index, der sich aus dem Quotienten von Körpergewicht zu [Körperlänge]² berechnet), definiert. Während bei Erwachsenen (ab 18 Jahre) feststehende Werte existieren (Übergewicht: BMI über 25 kg/m²; Adipositas: BMI über 30 kg/m²), muss bei Kindern die Alters- und Geschlechtsabhängigkeit des Gewichtes beachtet werden. Davon ausgehend, wurden sogenannte Perzentilenkurven (nach Kromeyer/Hauschild) erstellt, anhand derer festgestellt werden kann, ob und in welchem Grad ein Kind an Übergewicht leidet. Danach sind Kinder und Jugendliche übergewichtig, wenn ihr BMI über der 90. Perzentile liegt. Von kindlicher Adipositas spricht man, wenn der BMI die 97. Perzentile übersteigt.

Die Ursachen für Übergewicht und Fettsucht entsprechen dem gesellschaftlichen Trend: zu fett- und kalorienreiche Ernährung sowie mangelnde Bewegung, sodass die Energiezufuhr den tatsächlichen Energieverbrauch übersteigt. Von zunehmender Bedeutung sind jedoch auch monogenetische und vor allem polygene Ursachen, die momentan das Zentrum intensiver Forschungsarbeiten darstellen.
Wird die kindliche Adipositas nicht rechtzeitig behandelt, ist im Erwachsenenalter mit zusätzlichen, schwerwiegenden Folgen zu rechnen: Das Spektrum reicht von Glukose- und Fettstoffwechselstörungen bis hin zu orthopädischen und kardiologischen Erkrankungen.
Beobachtungen des Gewichtsverhaltens mitteldeutscher Kinder im Rahmen des Kompetenznetzwerkes "CrescNet" haben gezeigt, das die vier- bis siebenjährigen Kinder eine Risikogruppe für die Entwicklung einer Adipositas darstellen.
Ab dem 1. Oktober 2003 wird ein Präventionsprogramm der Adipositas im Kindes- und Jugendalter im Rahmen dieses Netzwerkes initiiert (Leiter: Prof. Dr. med. E. Keller; Kontakt: kellere@medizin.uni-leipzig.de). Mit Hilfe der eingebundenen (zur Zeit 276) Kinder- und Jugendärzte soll versucht werden, die Gewichtsentwicklung der identifizierten Risikokinder mittels einer gezielten Intervention günstig zu beeinflussen.
In der Folge sollen die Familien für das Problem Adipositas sensibilisiert und den Kindern bei der Optimierung ihres Ernährungs- und Bewegungsverhaltens durch die Kinder- und Jugendärzte Anleitung und Unterstützung gegeben werden.

Das an der Universitätskinderklinik Leipzig entwickelte Präventionsprogramm in Zusammenarbeit mit dem AOK-Bundesverband (Prof. Schmacke) hat eine Reduktion übergewichtiger bzw. bereits adipöser Kinder zum Ziel. Außerdem sollen gerade dick werdende Kinder identifiziert werden, und durch eine gezielte, auf das Geschlecht und das Lebensalter der Kinder abgestimmte Ernährungs- und Bewegungsberatung soll dieser Entwicklung bewusst entgegengewirkt werden. Prävention statt Therapie lautet die Devise.

Kathrin Winkler