Neue Wege für Präeklampsieforschung

Pressemitteilung vom 15.09.2003
Durchschnittlich fünf bis acht Prozent aller Schwangeren leiden unter Präeklampsie, einer Form von schwangerschaftsbedingtem Bluthochdruck. In der praktischen Medizin stellt die Präeklampsie ein großes Problem dar, denn ihre Ursachen sind bis dato unbekannt. Privatdozent Dr. med. Holger Stepan, Oberarzt an der Universitätsfrauenklinik Leipzig und tagtäglich mit der Krankheit konfrontiert, möchte mit dem wissenschaftlich-klinischen Workshop "Ätiologie der Präeklampsie - neue Aspekte und offene Fragen" den Austausch zwischen Grundlagenforschern und Ärzten fördern und damit die Ursachenforschung vorantreiben.
Zeit 20. September 2003, 09:00 Uhr
Ort Universitätsfrauenklinik Leipzig
Kursraum
Philipp-Rosenthal-Straße 55

Bei etwa zehn Prozent aller Frauen erhöht sich während der Schwangerschaft der Blutdruck. Dieser lässt sich relativ unkompliziert behandeln.
Schwieriger wird es, wenn zusätzlich zu einem krankhaft erhöhten Blutdruck Eiweiß über den Urin ausgeschieden wird und Flüssigkeitseinlagerungen (Ödeme) im Körper festgestellt werden - Symptome einer Präeklampsie.

Eine Präeklampsie ist für Mutter und Kind sehr gefährlich, denn sie ist sehr viel komplexer als "nur" hoher Blutdruck. In Entwicklungsländern, vor allem in Afrika und Südamerika, sterben immer noch viele schwangere Frauen an dieser Krankheit. Da die Ursachen für die Entstehung einer Präeklampsie bislang unbekannt sind, kann die Behandlung derzeit nur rein symptomatisch erfolgen, zum Beispiel durch langsames Senken des Blutdrucks. Mutter und Kind müssen streng überwacht werden. Als einzige kausale Therapie gilt derzeit die Entbindung. Diese muss in vielen Fällen schon sehr frühzeitig eingeleitet werden - ein hohes Risiko für das Leben des Kindes bedingt durch die Unreife.
Durch eine Präeklampsie wird außerdem die Funktion der Plazenta der Mutter stark beeinträchtigt, was zu Wachstumsstörungen des Kindes führen kann.

Bislang kennt man zwar die Ursachen von Präeklampsie noch nicht, dennoch kann man durchaus Risikofaktoren benennen. So sind junge Erstgebärende oder Frauen mit Mehrlingsschwangerschaften potentiell gefährdet, aber auch werdende Mütter, die bereits Nierenerkrankungen hatten oder generell unter zu hohem Blutdruck leiden.

Vor einer Präeklampsie kann sich keine Frau schützen. Dr. Stepan empfiehlt jedoch, in der 18. bis 20. Schwangerschaftswoche die Durchblutung der Gebärmutter messen zu lassen. Dadurch kann eine Präeklampsie früh erkannt und die Symptome zumindest gemildert werden.

Seit Jahren wird nach der Ursache für Präeklampsie geforscht. Dabei haben sich Grundlagenforschung und klinische Praxis jedoch immer mehr auseinanderentwickelt. Dr. Stepan, selber Arzt und Forscher, beurteilt die Entfremdung beider Bereiche und mangelnde Kommunikation als nachteilig und entwicklungshemmend. Aus diesem Grund initiierte er den Workshop. Dieser bietet praktischen Ärzten und Grundlagenforschern die Möglichkeit, sich auszutauschen und gegenseitig kennenzulernen. Vielleicht können Klinik und Forschung so wieder zusammengeführt werden und gemeinsam der Ursache für Präeklampsie einen Schritt näher kommen.

Kathrin Winkler