Chancen und Grenzen einer neuen operativen Methode bei Brustkrebs

Pressemitteilung vom 19.08.2003
In einigen Kliniken wird die operative Therapie des Brustkrebses inzwischen schonender durchgeführt, d.h. nur durch die Entfernung des Tumors und des sogenannten Wächterlymphknotens. Die onkologische Sicherheit der Methode ist jedoch bisher noch nicht bewiesen. Ihre Möglichkeiten und Grenzen abzustecken, ist das Ziel einer Veranstaltung der Universitätsfrauenklinik Leipzig.
Zeit 03. September 2003, 18:00 Uhr
Ort Hörsaal der Klinik für Orthopädie,
Semmelweisstraße 10

Brustkrebs ist die häufigste Krebsart bei Frauen. Wenn noch keine Tochtergeschwülste nachweisbar sind, wird die radikale Entfernung der Geschwulst, nach Möglichkeit bei Erhaltung der Brust, angestrebt. Zusätzlich müssen wie bei jeder anderen Krebserkrankung die sogenannten regionären Lymphknoten entfernt werden. Da über 90 Prozent der Lymphflüssigkeit aus der Brust über die Lymphknoten in der Achselhöhle abgeleitet werden, müssen diese Lymphknoten im Rahmen der operativen Behandlung entfernt werden mit dem Ziel, die Ausbreitung des Tumors zu erkennen und eventuell schon vorhandene Absiedlungen des Krebses in den Lymphknoten zu beseitigen. "Ca. 30 Prozent der Patientinnen haben dadurch in der Folge Probleme, die von Taubheitsgefühlen im Oberarm und in der Achselhöhle bis hin zu Lymphödemen reichen können." erläutert Prof. Dr. Dr. Michael Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik Leipzig.

Weltweit wurde deshalb nach einer Methode gesucht, mit der man die Radikalität des Eingriffes bei gleicher Aussagekraft verringern kann, um die unerwünschten Folgen für die Patientinnen zu verhindern. Die Lösung des Problems besteht darin, das man nur die Lymphknoten entfernt, die als erste im Abstromgebiet des Tumors sind. Man bezeichnet diesen Lymphknoten als Wächterlymphknoten oder Sentinel-Lymphknoten. Den Hintergrund für diese Operationsmethode liefert die Erkenntnis, dass der Lymphabfluss von bestimmten Tumoren gerichtet erfolgt und damit der Wächterlymphknoten als erster Krebszellen aufnimmt. Dieser sogenannte Sentinel-Lymphknoten kann vor der Operation markiert werden und wird dann gezielt über einen kleinen Schnitt in der Achselhöhle entfernt. Noch während der Operation untersucht der Pathologe genauestens diesen Lymphknoten. Sofern keine Krebszellen zu finden sind, bleibt die Patientin von der radikalen Entfernung des gesamten Lymphsystems der Achselhöhle verschont. Da heute dank verfeinerter diagnostischer Möglichkeiten der Brustkrebs häufig schon in einem sehr frühen Stadium entdeckt wird, haben viele Frauen keine Tumorabsiedlungen in den Lymphknoten, so dass ihnen durch diese Methode die Probleme einer radikalen Lymphknotenentfernung erspart bleiben.

"Aber", so warnt Dr. Susanne Briest, Frauenärztin an der Universitätsfrauenklinik Leipzig, "die Sicherheit dieses Vorgehens ist bisher noch nicht hinreichend belegt." In Deutschland wurde daher eine Studie initiiert, die die Wirksamkeit der Methode nachweisen soll. Die Ergebnisse werden jedoch noch einige Jahre auf sich warten lassen. Die Deutsche Gesellschaft für Senologie, die alle mit den Erkrankungen der Brustdrüse befassten Experten zusammenführt mit dem Ziel, Patientinnen besser helfen zu können, gab daher bereits im Rahmen ihrer letzten Tagung strenge Richtlinien für die Anwendung der neuen Methode heraus. So fordert sie die Markierung des Wächterlymphknotens durch zwei unterschiedliche Methoden, damit der richtige Lymphknoten erkannt und durch einen kleinen Schnitt entfernt werden kann. Der Pathologe muss den Lymphknoten in spezieller Weise untersuchen, um während der Operation die richtigen Diagnose zu stellen. In jedem Fall ist die enge Zusammenarbeit des Diagnostikers, des Nuklearmediziners, des Operateurs und des Pathologen die Voraussetzung für die erfolgreiche Anwendung der neuen Operationsmethode.

Auf der Veranstaltung wird die neue Methode aus der Sicht aller beteiligten Fächer (Gynäkologie, Pathologie, Nuklearmedizin) vorgestellt, zugleich werden ihre Chancen und Grenzen diskutiert.