Wissenschaftspreis für Leipziger Mediziner

Pressemitteilung vom 29.07.2003
Einen der zwei AO-Wissenschaftspreise 2003 der Sektion der internationalen Arbeitgemeinschaft für Osteosynthesefragen (DAOI) erhielt jetzt PD Dr. Dr. med. Thomas Hierl, Klinik und Poliklinik für Mund-, Kiefer- und Plastische Gesichtschirurgie der Universität Leipzig.

Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wurde vergeben für die Arbeit "Untersuchungen zur Distraktionsosteogenese des Mittelgesichts - Ausgleich von Fehlbildungen im Kiefer-Gesichtsbereich mit nachfolgenden Wachstumsstörungen im Mittelgesichtsbereich und Auswirkungen auf Kaufunktion, Atmung und Ästhetik".

Ziel dieser Arbeit war die Untersuchung des neuen Verfahrens der Mittelgesichtsdistraktion in einem interdisziplinären Kontext. So waren beteiligt die Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie, die Radiologie, das Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung und der Fachbereich Elektrotechnik und Informationstechnik der HTWK Leipzig Dr. Hierl entwickelte das System, mit dem die Mittelgesichtsdistraktion verbessert werden konnte. Das Verfahren wird eingesetzt zur Beseitigung von Fehlbildungen im Mittelgesichtsbereich, die die Kaufunktion und die Atmung einschränken können und Auswirkungen auf das Aussehen haben. Das Mittelgesicht wirkt gegenüber den anderen Gesichtsbereichen zurückgesetzt und wird mit einer speziellen Apparatur, einem sogenannten Distraktor, über einen längeren Zeitraum nach vorn geholt. Das Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung entwickelte dazu ein Verfahren, mit dem CT-Bild-Datensätze von vor und nach der Operation genau verglichen und analysiert werden konnten. Dehnungsmessstreifen auf dem Distrakor erlaubten zudem, die bei "Hervorziehen" des Mittelgesichtes auftretenden Kräfte zu analysieren und zeitlich zu determinieren. Damit war erstmalig eine zeitnahe direkte Messung am Patienten möglich. Über das vom BMBF geförderte formel-1-Programm konnte ein miniaturisierter Datenlogger-Prototyp angeschafft werden, den der Patient kontinuierlich tragen kann und so eine 24-Stunden-Aufzeichnung ermöglicht.

In der nächsten Stufe wird gemeinsam mit dem Max-Planck-Institut für neuropsychologische Forschung und dem Konrad-Zuse-Institut Berlin sowie einem Forschungslabor aus St. Augustin an einem virtuellen OP-Simulationsprogramm gearbeitet. Weiterhin werden mit dem Institut für Anatomie und dem Institut für Massivbau und Baustofftechnologie der Universität Leipzig sowie der Leipziger Gesellschaft für Materialforschung und Prüfungsanstalt für das Bauwesen mbH Untersuchungen zum Verhalten des Schädels unter Belastung durchgeführt.