Leipziger Wissenschaftler sucht Ursache und Therapie für Kleinwuchs

Pressemitteilung vom 21.07.2003
Die Ursache für eine bestimmte Form des Kleinwuchses in Verbindung mit anderen Entwicklungsstörungen hat er eigentlich schon gefunden. Es handelt sich um einen Gendefekt, den der Endokrinologe Prof. Dr. Roland Pfäffle Anfang der 90iger Jahre entdeckte. Jetzt ist er dabei zu klären, wie häufig dieser Gendefekt vorkommt und wie sich optimierte Behandlungsmethoden daraus ableiten lassen. Grundlage dafür ist sein Referenzlabor an der Klinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche an der Universität Leipzig, das Patientenproben aus aller Welt untersucht.

Von 10.000 Kindern wird eines mit einem sogenannten kombinierten Hypophysenvorderlappendefekt geboren. Der Hypophysenvorderlappen ist der Teil der Hirnanhangsdrüse, in dem Hormone gebildet werden, die Einfluss auf die körperliche und geistige Entwicklung des Kindes haben. Wenn die Hormonbildung gestört ist, z. B. durch das Fehlen von Genen, die die Hormonbildung regulieren, kommt es zu Entwicklungsstörungen wie Kleinwuchs, Fehlen der pubertären Entwicklung und Schilddrüsenunterfunktion mit den daraus resultierenden Folgen. Die Entdeckung des für den kombinierten Hypophysenvorderlappendefekt verantwortlichen Entwicklungsgens veröffentlichte Roland Pfäffle seinerzeit in der Science. Seitdem hat ihn das Gen nicht mehr losgelassen.
Um eine ordentliche empirische Basis für seine Arbeiten zu bekommen, baute er das Referenzlabor GeNeSIS auf, in dem inzwischen Proben aus 27 Ländern untersucht wurden, darunter aus Australien, Japan, Thailand, Russland und Amerika. In Abstimmung mit den Eltern betroffener Kinder werden in systematischer Form alle das Krankheitsbild betreffenden Unterlagen eingeschickt und an der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche inzwischen routinemäßig untersucht. Zu den Probanden gehören auch Kinder, die im Rahmen des von Prof. Eberhard Keller an der Leipziger Kinderklinik aufgebauten Patienten-Netzwerkes CrescNet erfasst wurden. Im übrigen kommen Wissenschaftler aus aller Welt an das Leipziger Referenzlabor, um die speziellen Untersuchungsmethoden zu erlernen.

Pfäffle will zweierlei erreichen:

den Patienten helfen, indem Aussagen über den Verlauf der Erkrankung möglich und damit konkrete Behandlungsmöglichkeiten eröffnet werden;


das Wissen über die Erkrankung erweitern, was letztendlich auch wieder dem Patienten zugute kommt.
Durch die weltweite Erfassung des Untersuchungsmaterials kann Pfäffle auf ein sehr hohes Patientenaufkommen verweisen. Das ermöglichte wiederum eine Rationalisierung seiner Untersuchungsverfahren. "Und uns gelang ein Eindruck von der Häufigkeit des Auftretens dieser Erkrankung sowie von ihrer variablen Symptomatik.", erläutert Prof. Pfäffle. "Vor allem konnten wir schon frühzeitig feststellen, welche Hormone im Einzelfall betroffen waren." Das erwies sich für den Kinderarzt Pfäffle als besonders wichtig, weil sich ein Teil der durch die Krankheit ergebenden Defizite erst in der Adoleszenz oder aber erst im Erwachsenenalter herausbilden. "Wir erkennen jetzt die Krankheit schon im voraus, können frühzeitig mit der Behandlung einsetzen und erreichen so gute Ergebnisse", so Pfäffle. "Unsere Forschung hat also eine unmittelbar praktische Komponente." Für den Wissenschaftler Pfäffle war der Nachweis einer immer vorhandenen Korrelation zwischen klinischen Symptomen und molekularen Ursachen besonders interessant.