Die Sprache der Zellen verstehen lernen

Pressemitteilung vom 18.06.2003
Er versucht die Sprache der Zelle zu verstehen - so könnte man grob die wissenschaftliche Arbeit des Facharztes für Pharmakologie/Toxikologie umschreiben. Prof. Dr. med. Torsten Schöneberg, ein Berliner, den es von der FU Berlin an das Institut für Biochemie der Medizinischen Fakultät gezogen hat. Hier ist er einer der zwei C4-Professoren; sein Arbeitsgebiet ist die Molekulare Biochemie mit dem Schwerpunkt Endokrinologie.

Der 36jährige Wissenschaftler beschäftigt sich mit der Vermittlung von Signalen in der Zelle, hier besonders mit Fehlfunktionen von Rezeptoren, die zu bestimmten, oft erblichen, Krankheitsbildern führen können. Dabei möchte er klären, warum eine bestimmte Mutation zu bestimmten Krankheiten führen kann. Im Moment steht der renale Diabetes insipidus, eine Fehlfunktion der Niere, im Mittelpunkt seiner Arbeit. Die Ursache ist oft ein Gen-Defekt, der die Signal-Vermittlung in die Zellen stört. Das führt bei dieser relativ seltenen Krankheit dazu, dass die betroffenen Kinder bis zu zehn Litern Urin pro Tag ausscheiden. Für die Kinder ist das nicht nur belastend, sondern auch mit Einschränkungen für eine gesunde Entwicklung und sogar lebensbedrohlichen Komplikationen verbunden. Mit der Klärung der diesem Gendefekt zugrundeliegenden Mechanismen will Prof. Schöneberg den Schlüssel zur Therapie dieser Erkrankung finden. Dabei helfen ihm auch Untersuchungen an Knockout-Mäusen.

Sein vorübergehendes Domizil hat Torsten Schöneberg im neuen Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie am Deutschen Platz gefunden. Das kommt ihm sehr entgegen, findet er doch hier Partner für seine zweite wissenschaftliche Leidenschaft: Die Suche nach funktionell-relevanten Protein-Strukturveränderungen, die die Natur im Verlaufe ihrer langen Evolutionsgeschichte hervorbrachte. Diese faszinierende Vielfalt von "Problemlösungen" könnte auch die Grundlage für neue Strategien zur Behandlung genetischer Defekte sein.

Wenn ihn seine Arbeit an der Schnittstelle zwischen Grundlagen- und klinischer Forschung nicht in Anspruch nimmt, genießt der leidenschaftliche Wissenschaftler und Hochschullehrer das Familienleben mit seiner Frau und seinen zwei Kindern. Im Herbst ist er auch dann auf der Suche: Er sammelt Pilze und kann als Toxikologe sicher sein, dass ihm kein giftiger in den Kochtopf kommt.