Prävention und Rehabilitation - neues Zentrum der Universität Leipzig

Pressemitteilung vom 10.06.2003
Zentrum für Prävention und Rehabilitation im Zentrum für Höhere Studien der Uni Leipzig Feierliche Eröffnung
Zeit 11. Juni 2003, 15:00 Uhr
Ort Rektoratsgebäude
Alter Senatssaal
Ritterstraße 26

Es ist das fünfte Teilzentrum, das sich am Zentrum für Höhere Studien der Universität Leipzig etabliert; es ist das erste, an dem die Medizinische Fakultät wesentlich beteiligt ist: Am 11. Juni wird das Zentrum für Prävention und Rehabilitation feierlich eröffnet.

"Es ist schon lange her..." "Haben wir 2001 angefangen?" "Wenn nicht eher." Kurz vor dem offiziellen Start für das Zentrum für Prävention und Rehabilitation (ZPR) müssen Prof. Matthias Angermeyer und Dr. Christiane Roick doch noch einmal überlegen: Wann wurden die ersten Ideen für das neue Projekt am Zentrum für Höhere Studien (ZHS) der Universität Leipzig geboren? Entscheidender als ein exaktes Datum ist für den Sprecher des ZPR und Direktor der Klinik und Poliklinik für Psychiatrie sowie für seine Kollegin: Mit dem Festakt am 11. Juni wird das erste Teilzentrum im ZHS aus der Taufe gehoben, das die Medizin in den Mittelpunkt rückt. Seine Aktivitäten orientieren sich an dem Bedarf, der Wirksamkeit, der Qualität und der Effizienz von vorbeugenden und wiederherstellenden Maßnahmen im Gesundheitswesen.

Die ersten Überlegungen zum ZPR gehen auf die Forschungsverbünde "Public Health" Sachsen und "Rehabilitation" Berlin-Brandenburg-Sachsen zurück, an denen die Universität Leipzig beteiligt war und ist. Mit der Förderung beider Netzwerke verband das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eine Forderung: Die Themen "Prävention" und "Rehabilitation" nicht in kurzfristigen, einzelnen Projekten abzuhandeln, sondern langfristig und interdisziplinär in die Strukturen der unterstützten Einrichtungen einzubinden - Stichwort "Institutionalisierung". In der Verankerung am ZHS, für die sich die Leipziger entschieden haben, liegt die Chance, die Kompetenz verschiedenster Disziplinen und Fakultäten zu einem Thema zu bündeln. In der Kooperation von Medizinischer, Sportwissenschaftlicher, Veterinärmedizinischer und Wirtschaftswissenschaftlicher Fakultät, der Fakultäten für Biowissenschaften, Pharmazie und Psychologie sowie für Sozialwissenschaften und Philosophie und in der Integration der neu geschaffenen Stiftungsprofessur für Gesundheitsökonomie spiegelt sich das Geflecht von Prävention und Rehabilitation wider, das schon heute nicht allein die klassische Medizin, sondern ebenso Gesundheit und Ernährung, Wirtschaft und Öffentlichkeit, Arbeitsbedingungen und Sozialverhalten umgreift.

Aktuell steckt das ZPR seine künftigen Vorhaben in Lehre und Forschung ab. Bereits seit April beraten die Mitglieder in einem Wissenschaftlichen Kolloquium über den Aufbau eines Graduiertenkollegs und über die Planung der Forschungsvorhaben. Mit der Kopplung von Lehre und Forschung folgen sie dem Grundsatz des Zentrums für Höhere Studien, die beiden zentralen universitären Arbeitsbereiche auf höchstem wissenschaftlichen Niveau zu verzahnen. In punkto Kolleg sind die Diskussionen bis zum Thema fortgeschritten. "Gesundheitsförderliche Lebensstile" lautet der Arbeitstitel, nun steht die Beratung über konkrete Projekte auf der Tagesordnung.

Mit der Setzung einer zentralen, verbindenden Forschungsfrage hält sich der Sprecher des ZPR hingegen zurück. "Hier sind wir mitten in der Beratung und Diskussion." Klar sind die Felder umrissen - das fünfte Teilzentrum am ZHS hat sich fünf erschlossen: Die Effektivität präventiver und rehabilitativer Interventionen zu evaluieren; die Bedarfsplanung in der Rehabilitation zu untersuchen - sich z. B. auch den betreuenden Angehörigen von chronisch Kranken zuzuwenden; Parameter und Konditionen für die Qualitätssicherung zu beleuchten; gesundheitsökonomische Kennziffern zu analysieren und innovative Präventionsstrategien zu entwickeln. Auf dieser Grundlage, so die Intention, können Projekte entstehen, die sich zum einen auf konkrete Ausschreibungen beziehen und zum anderen thematische Kooperationen begründen. So könne im ZPR beispielsweise untersucht werden, inwieweit psychisch Kranke ein höheres Risiko für Alkoholmissbrauch, Nikotinkonsum sowie Bewegungsmangel und Fehlernährung einschließlich damit verbundener Folgeerkrankungen tragen und inwiefern geeignete Interventionsstrategien dem gesundheitsschädlichen Verhalten vorbeugen können Eine Beantwortung solcher Fragen kann Psychiater, Internisten, Endokrinologen, Sport- und Ernährungswissenschaftler, Medizinpsychologen und Ökonomen zusammenführen.

Ebenso eröffnet das ZPR durch den Einschluss von Kinderklinik und Innerer Medizin beispielsweise die Möglichkeit, eine Frage quer durch verschiedene Altersgruppen zu verfolgen. Die Exempel illustrieren die Potenz des neuen ZHS-Zentrums: Kompetenzen und Kräfte bündeln, Ressourcen wecken und verknüpfen - sich energisch dem Wettbewerb um Programme und Förderungen stellen. "Da sind wir gefragt." In nächster Zukunft hat das ZPR die Ausschreibung "Public Health" der Europäischen Union zum Thema demografischer Wandel im Blick, die explizit auf die Kooperation mit den neuen Beitrittsländern verweist. Letztlich geht es darum, mittels interdisziplinärer und fakultätsübergreifender Projekte hinlänglich "kritische Masse" für einen Sonderforschungsbereich aufzubauen - die Richtung "Gesundheitliche und ökonomische Aspekte des demographischen Wandels" ist angedacht.

Zur Eröffnung des neuen Zentrums wird Prof. Johannes Siegrist, Direktor des Instituts für Medizinische Soziologie am Universitätsklinikum Düsseldorf, fragen "Welchen Nutzen hat Präventions- und Rehabilitationsforschung für die Gesundheitspolitik?" Dass sie einen Nutzen hat, steht außer Frage.

Daniela Weber