Alzheimer - was kann man tun?

Pressemitteilung vom 25.04.2003
Interview mit dem Psychiater Prof. Hermann-Josef Gertz von der Universität Leipzig anlässlich einer Informationsveranstaltung für Angehörige von Alzheimer-Kranken
Zeit 10. Mai 2003, 10:00 Uhr
Ort Hörsaal Innere Medizin, Johannisallee 32

Die Alzheimersche Erkrankung gehört zu den gefürchtetsten Erkrankungen des Alters. Worin sehen Sie die Ursachen dafür?

Zunächst ist es das Krankheitsbild selbst. Die Degeneration des Gehirns geht einher mit massiven Veränderungen der Persönlichkeit. Zum zweiten ist es der Umfang der Bedrohung. 35 Prozent der Frauen und 16 Prozent der Männer über 65 erkranken in der ihnen verbleibenden Lebenszeit an Alzheimer. Insgesamt leiden ca. eine Million Menschen in Deutschland an Alzheimer.

Wie macht sich Alzheimer bemerkbar?

Die Betroffenen klagen zunächst über relativ harmlose Gedächtnisstörungen, die mit der Zeit schlimmer werden. Vor allem die Aufnahme neuer Informationen stellt für die Betroffenen ein Problem dar. Hinzu kommen massive Orientierungsstörungen und Veränderungen im Verhalten. Friedliche Menschen können z. B. sehr aggressiv werden, oft versteckt sich dahinter Verlegenheit angesichts der sich auftuenden Defizite.

D. h., der Patient leidet unter seiner Erkrankung?

Ja, zu Beginn sind ihm die sich zeigenden Probleme durchaus bewusst, und er versucht sie in der Regel zu kaschieren. Mit fortschreitender Erkrankung geht das aber immer mehr verloren.

Es heißt, dass man gegen Alzheimer sowieso nichts tun könne. Erübrigt sich der Arztbesuch?

Auf keinen Fall. Jeder, der über die oben genannten Schwierigkeiten klagt, sollte unbedingt einen Arzt aufsuchen. Zunächst muss die richtige Diagnose gestellt werden. Nicht immer liegt den Beschwerden die Alzheimersche Erkrankung zugrunde. Manchmal sind sie z. B. auch Ausdruck einer Schilddrüsenunterfunktion, die man gut behandeln kann.
Steht die Diagnose "Alzheimer" fest, kann die Therapie festgelegt werden. Wenn bisher auch noch keine Heilung möglich ist, so gibt es inzwischen doch Medikamente, die das Fortschreiten der Erkrankung um ein Jahr hinauszögern können. Grundsätzlich gilt: Je früher mit der Behandlung begonnen wird, desto besser!

Kann man Alzheimer verhindern?

Nein. Aber man kann die Faktoren beeinflussen, die Demenzen begünstigen. So ist es z. B. erwiesen, dass ein schlecht eingestellter Blutdruck zwischen dem 55. und 65. Lebensjahr Einfluss darauf hat, ob man im höheren Alter eine Demenz bekommt. Das Gehirn ist eben kein isoliertes Organ.

Für die Angehörigen sind Alzheimer-Kranke eine große Belastung. Wie kann man sie unterstützen?

Ja, die Angehörigen sind in vielfacher Weise mit betroffen. Niemand kann diese schwere Aufgabe auf Dauer ganz allein bewältigen. In unserer Gedächtnisambulanz unterbreiten wir den Betroffenen ein umfangreiches Hilfsprogramm, dass von der Beratung bei sozialen, rechtlichen und finanziellen Problemen bis zur psychischen Entlastung durch Gespräche mit fachlichem Beistand in der Angehörigengruppe reicht. Dazu gehört auch unser Informationstag für Angehörige von Alzheimer-Patienten. Alle Interessierten sind herzlich dazu eingeladen.