Patientenorientierung und Kostenorientierung - im Spannungsfeld ärztlichen Handelns

Pressemitteilung vom 20.03.2003
Die deutschen Ordinarien der Gynäkologie und Geburtshilfe treffen sich am Wochenende in Leipzig, um brisante Fragen der Hochschulmedizin zu besprechen. Was ist der leitende Arzt von heute: Samariter, Manager, Verkäufer von Gesundheitsleistungen oder Forscher? Damit setzen sich die deutschen Gynäkologen gemeinsam mit Fachleuten auseinander. Dabei geht es nicht einfach um eine Begriffsbestimmung, sondern um die Schaffung von Kriterien für die Berufung von leitenden Ärzten an Universitätskliniken.
Zeit 22. März 2003, 09:00 Uhr
Ort Hotel Fürstenhof Leipzig

Kürzlich ging durch die Medien der Fall eines kranken Kindes, das aus einer Sprechstunde wieder nach Hause geschickt worden war, weil es privat versichert und seine Großeltern kein Geld bei sich hatten, um die Behandlung sofort zu bezahlen. In die allgemeine Empörung mischten sich vereinzelt auch Stimmen, die Verständnis für die wirtschaftliche Situation der Ärzte aufbrachten. Diese zwingt viele dazu, Leistungen nur noch gegen Cash zu erbringen. Wird das von anderen Unternehmen gefordert, würde das wohl nicht einmal den Weg in die Medien finden. Warum ist das so? Ist der Arzt doch mehr als ein Unternehmer, der mit wirtschaftlichem Denken seine Praxis am Laufen hält?

Im Bewußtsein der Öffentlichkeit und im Selbstverständnis des Mediziners ist der Arzt offensichtlich nach wie vor derjenige, der einem leidenden Menschen hilft. Die Verantwortung eines Universitätsprofessors geht noch weiter. Ein Universitätsmediziner ist gleichzeitig auch Wissenschaftler, der durch seine Forschung dazu beiträgt, den Patienten immer besser helfen zu können. Hinzu kommen seine Leistungen für die Ausbildung unserer zukünftigen Ärzte. Patientenbetreuung, Forschung und Lehre sind die drei Säulen, die traditionell das Berufsbild des Ordinarius bestimmen. Prof. Dr. Dr. Michael Höckel, Direktor der Universitätsfrauenklinik Leipzig, weist aber auf die Veränderungen der letzten 20 Jahre hin, die natürlich nicht ohne Einfluss auf das Berufsbild eines Universitätsprofessors sind, die aber in der Berufungspolitik noch keinen Niederschlag gefunden haben. "Die Art und Weise wie Ordinarien ausgewählt werden, ist von vorgestern", meint er. "Es liegt in der Verantwortung der Hochschullehrer, das veränderte Profil, mit dem wir ja in unserer täglichen Arbeit bereits konfrontiert sind, in der Berufungspolitik zu berücksichtigen."

Berücksichtigen heisst für Höckel aber nicht, Bewährtes einfach über Bord zu werfen. Vielmehr müsse man das Neue mit an Bord holen "und das Gesamtpaket einer kritischen Prüfung unterziehen." Den Grundstein dafür möchte Prof. Höckel mit seiner angekündigten Veranstaltung legen. Auf ihr kommen nicht nur Akademiker und Kaufleute zu Wort, sondern auch die praktische Philosophin Prof. Weyma Luebbe von der Universität Leipzig. Sie setzt sich auseinander mit: "Patienten- und Kostenorientierung: Ethische Unterscheidungen und Gesichtspunkte". Für eine spannende Veranstaltung dürfte gesorgt sein. Vielleicht ist sie auch die Basis für eine weiterführende Diskussion über das Berufsbild des Arztes im allgemeinen und eines Ordinarius im besonderen.