Sächsische Dermatologen tagen in Leipzig

Pressemitteilung vom 06.03.2003
"Psychosomatik in der Dermatologie", "Neue Entwicklungen in der Melanomtherapie", "Pharmakoökonomie" und "Pharmakogenetik in der Dermatologie" aber auch "Für Haut und Haare/Rezepte aus dem Papyrus Ebers" das sind die Themen, die auf der 116. Tagung der Sächsischen Gesellschaft für Dermatologie e.V. in Leipzig eine Rolle spielen.
Zeit 15. März 2003, 09:00 Uhr
Ort Hörsaal der Universitätshautklinik, Liebigstraße

"Die rasante Entwicklung in der Medizin eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, stößt aber gleichzeitig an die Grenzen ihrer Umsetzbarkeit.", so Prof. Dr. Michael Sticherling, kommissarischer Direktor der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie der Universität Leipzig. "Deshalb ist es wichtig, dass die Mediziner sich regelmäßig nicht allein über neueste diagnostische und therapeutische Maßnahmen verständigen, sondern sich verstärkt auch ökonomischen Aspekten zuwenden." Letzteres steht erstens im Zusammenhang mit dem zunehmenden ökonomischen Druck im deutschen Gesundheitssystem und zweitens mit der Veränderung der Altersstrukturen in unserer Gesellschaft. Auch in der Dermatologie wird daher eine kostenbewußte und rationale Therapie immer wichtiger. PD Dr. Matthias Augustin aus Freiburg hat sich diesem Thema zugewandt und behandelt insbesondere den Aspekt des Medikamenteneinsatzes unter ökonomischen Gesichtspunkten. Es versteht sich von selbst, dass auch ein kritischer und kostenbewußter Einsatz von Medikamenten dem Wohle des Patienten dienen muss.

Sparsame Medikamentation heißt dehalb auch optimaler Einsatz von Medikamenten. Helfen kann dabei die Pharmakogenetik. Gast der Sächsischen Tagung, der über neueste Entwicklungen auf diesem Gebiet berichtet, ist Prof. Hans-F. Merk aus Aachen. Merk hat dazu national und international anerkannte Publikationen verfasst. Die Pharmakogenetik geht davon aus, dass der Abbau zahlreicher Medikamente in der Leber und durch andere Organe von Mensch zu Mensch verschieden ist, je nachdem, welche genetische Veranlagung er hat. Je besser ein Medikament abgebaut wird, desto besser verträgt der Patient das Medikament, desto weniger Nebenwirkungen treten auf. Mit modernen diagnostischen Verfahren, kann man die genetische Veranlagung in Bezug auf die Verträglichkeit konkreter Medikamente feststellen und diese bei der Verordnung beachten. Damit kann man Nebenwirkungen vermindern und auf Anhieb das individuell geeignetste Medikament einsetzen. Merk ist überzeugt, dass diese Verfahren in naher Zukunft für die Behandlung von Patienten eingesetzt werden können.

Prof. Dr. Gerhard Schmid-Ott aus Hannover wendet sich den psychosomatischen Aspekten zu. Diese spielen in der Dermatologie eine ganz wesentliche Rolle, da man Hautkrankheiten ja sehen kann. Die Betroffenen sind häufig in ihrer eigenen und in der gesellschaftlichen Wahrnehmung enorm eingeschränkt. Das wirkt sich negativ auf die Lebensqualität aus, auch wenn die Krankheit als harmlos gilt. Damit sind Faktoren der individuellen Krankheitswertung und des individuellen Umgangs mit der Erkrankung ganz wesentlich für die Ausformung der Symptome. Prof. Schmid-Ott geht dabei besonders auf die Psoriasis und die Neurodermitis ein.

Eine der gefährlichsten Hauterkrankungen ist der sogenannte schwarze Hautkrebs, fachsprachlich Melanom. Seine Häufigkeit nimmt zu, die Prognose ist nach wie vor schlecht. Prof. Roland Kaufmann aus Frankfurt hat sich mit diesem Krebs intensiv beschäftigt und stellt die neuesten Aspekte in der Behandlung dieses Hauttumors vor, die sich aus neuen biologischen Erkenntnissen zu dieser Krebsart in der jüngeren Vergangenheit ergeben. Prof. Kaufmann ist in zahlreichen Gremien vertreten, die sich mit Hautkrebs beschäftigen.

Last but not least der Leipziger Ägyptologe Prof. Hans-Werner Fischer-Elfert zu Hautkrankheiten im Alten Ägypten. Hautkrankungen haben in der Menschheitsgeschichte offensichtlich schon immer eine wesentliche Rolle gespielt, da sie im Sinne der Stigmatisierung von Patienten eine große gesellschaftliche Bedeutung hatten. Bereits im Alten Ägypten sind zahlreiche Hauterkrankungen und ihre Behandlung beschrieben. Das berühmte Papyrus Ebers z. B., das sich mit der Heilkunde befasst, beschreibt auch Hautkrankheiten. Prof. Fischer Elfert wird diese Aspekte seiner langjährigen Forschungsarbeit fundiert darstellen. Für die versammelten Hautärzte werden diese Ausführungen sicher zu interessanten Reflexionen moderner dermatologischer Therapien animieren.