Novum: Philosophische Forschung für medizinische Softwareentwicklung

Pressemitteilung vom 09.01.2003

Forschungsinstitut der Universität Leipzig und führende belgische Softwarefirma vereinbaren enge Kooperation

Am 21. Januar 2003 werden Language and Computing (L&C) NV, die weltweit erfolgreichste Firma auf dem Gebiet der medizinischen Informatik, und das jüngst gegründete Institut für Formale Ontologie und Medizinische Informationswissenschaft (IFOMIS) der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig eine enge Kooperation auf vertraglicher Basis vereinbaren, welche zur Weiterentwicklung der Formalen Ontologie im Anwendungsbereich der Medizin beitragen soll. L&C ist in Zonnegem (Belgien) und Philadelphia (USA) ansässig und bearbeitet mithilfe computergestützter Textverarbeitung Problemlösungen in den Bereichen der Gesundheitsversorgung und des pharmazeutischen Marktes.

Als Gesprächspartner zum Pressegespräch stehen Ihnen der Prorektor für Forschung und wissenschaftlichen Nachwuchs der Universität Leipzig, Prof. Dr. Helmut Papp, der Direktor des Leipziger Instituts IFOMIS, Prof. Dr. Barry Smith, und Dr. Werner Ceusters, Direktor der belgischen Firma L&C, zur Verfügung.

Der Begriff der Formalen Ontologie ist mit der Aufgabe verbunden, mittels philosophischer und informationswissenschaftlicher Methoden die Flut medizinischer Informationen so zu bändigen, dass sie von einem Rechner verstanden wird. Es geht um die Entwicklung von robusten, dauerhaften Kategoriensystemen für die elektronische Datenerfassung. Die Größe und Komplexität der Aufgabe lässt sich daran ermessen - um ein Beispiel zu nennen - , dass es allein für den Begriff "Brandwunde" in der Medizin 60.000 verschiedene Termini gibt. Hat man bisher in der Datenverarbeitung zumeist die medizinischen Wörterbücher einfach "zusammengenäht", wie das Institutsdirektor Prof. Dr. Barry Smith sagt, wird jetzt eine strukturierte Erfassung des gesamten medizinischen Bereichs angestrebt. Das ermöglicht dann z. B. die effiziente Verwaltung der Daten von klinischen Studien oder die Herstellung von Übersetzungssystemen, die die Kommunikation innerhalb der verschiedenen medizinischen Disziplinen verbessern, aber auch die medizinischen Inhalte für Laien zugänglich machen sollen.

Die Gründung des IFOMIS-Instituts an der Universität Leipzig wurde dadurch möglich, dass der von der Universität Leipzig nominierte, weil bereits mit Leipziger Partnern erfolgreich zusammenarbeitende Professor für Philosophie an der New York State University in Buffalo (USA) Barry Smith von der Alexander von Humboldt-Stiftung Ende 2001 mit dem Wolfgang Paul-Preis ausgezeichnet wurde, wodurch über 2 Millionen Euro für wissenschaftliche Aktivitäten auf dem beschriebenen Gebiet zur Verfügung stehen. Das Preisgeld wird durch die Alexander von Humboldt-Stiftung verwaltet und wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gestiftet. Das Programm steht unter der Schirmherrschaft des Zukunftsinvestitionsprogramms des Bundes.

Mit IFOMIS ist in Leipzig das weltweit einzige Institut entstanden, das der Grundlagenforschung im Bereich der formalen und medizinischen Ontologie gewidmet ist. Sein zentrales Ziel ist die Entwicklung eines standardisierten Begriffs- und Kategoriensystems, das auf theoretisch-philosophisch durchdachten und semantisch gesicherten Prinzipien basiert und das im medizinischen Bereich getestet und angewendet wird. Mit 15 Mitarbeitern aus Philosophie, Computer- und Informationswissenschaft, Linguistik, Medizin und der medizinischen Informatik, die an der Entwicklung der Ontologie auf theoretischer Ebene arbeiten, liefert IFOMIS neue methodische Ideen. L&C hat breite Erfahrung auf dem Gebiet der Softwareentwicklung und hohen Sachverstand im medizinischen Bereich. Die Zusammenarbeit ist folglich ein Gewinn für beide Seiten.

Man darf gespannt sein, wie sich diese Zusammenarbeit im Konkreten gestalten wird. Denn dass Philosophie auf diese Weise praktisch wird, ist sicher ein Novum und sollte - so hoffen wir jedenfalls - Gegenstand journalistischer Neugier werden.