Proteinforscher in Leipzig und Halle deutschlandweit führend

Pressemitteilung vom 15.12.2004
Der von den Universitäten Leipzig und Halle und einer Max-Planck-Forschungsstelle gemeinsam betriebene Sonderforschungsbereich SFB 610 wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft für zunächst weitere vier Jahre gefördert

Auf der Suche nach Exzellenz in der Forschungslandschaft in Deutschland hat die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) seit Jahren ein sehr erfolgreiches Konzept: lokale Kompetenz an Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen, die sich interdisziplinär vernetzt, um führend in einem Gebiet zu sein, wird in Form eines "Sonderforschungsbereiches", kurz SFB genannt, bis zu zwölf Jahre gefördert. Das mehrstufige Verfahren schließt u. a. auch die Vorort-Begutachtung durch zwölf internationale Experten alle vier Jahre ein.

An den Universitäten Leipzig und Halle und der Max-Planck-Forschungsstelle Enzymologie der Proteinfaltung ist es nun gelungen die Forschung im Rahmen des SFB 610 "Proteinzustände mit zellbiologischer und medizinischer Relevanz" (Sprecherin ist Prof. Annette G. Beck-Sickinger, Institut für Biochemie, Universität Leipzig) für zunächst vier Jahre fortzuführen. Die Vorort-Begutachtung, bei der externe Experten vor Ort waren, fand bereits Anfang Oktober statt. Aber erst jetzt erhielt die Leitung der Sprecher-Universität Leipzig den definitiven Zuschlag, da auch bei positiver Begutachtung der Hauptausschuss der DFG das letzte Wort hat.

Der Fokus der Arbeit des Sonderforschungsbereiches, dem insgesamt 17 Hochschullehrer mit ihren Arbeitsgruppen angehören, liegt in der Proteinforschung. Proteine (Eiweiße) sind Ketten aus Aminosäuren, die wie Perlen aufgereiht sind. Sie nehmen zahlreiche Funktionen in unseren Körperzellen wahr - häufig ändert sich dabei der Zustand des Proteins. So können in die Zellmembran eingelagerte Rezeptoren das Signal "Hormon" in das Innere der Zelle dadurch weiterleiten, dass sich der Zustand des Rezeptorproteins ändert analog einem Lichtschalter. Funktioniert dies nicht, dann führt dies zu Fehlfunktionen und Krankheiten. 50 Prozent aller auf dem Markt befindlichen Medikamente versuchen solche Rezeptorschalter zu beeinflussen.

Im Rahmen des SFB 610 werden nun mit Hilfe von Bakterien spezielle Proteine gezüchtet, um dann deren Bildung und Funktion der dreidimensionalen Struktur auch in Zellen zu erforschen. Proteinzustandsänderungen beschreiben Rezeptor- und Enzymaktivierungen, aber auch Fibrillenbildungen, wie sie bei Krankheiten wie Alzheimer, Chorea Huntington und Creutzfeld-Jacob auftreten, und chemische Modifikationen von Proteinen im Inneren der Zelle. Dies sowie die Möglichkeiten, die Proteinzustände von außen zu beeinflussen, was therapeutisch von Bedeutung ist in der Hauttumor- und der Fibrosebehandlung, stellen weitere Themen im SFB 610 dar.

Das wissenschaftliche Leben, das solch ein SFB an einen Standort bringt, wird durch junge Wissenschaftler sowie die Möglichkeit der Einladung von weltweit führenden Experten ergänzt. Insgesamt 35 Stellen für Postdoktoranden und Doktoranden sowie 5 technische Mitarbeiter werden hierdurch in Halle und Leipzig geschaffen. Forschern der Zukunft wird es somit hier ermöglicht, international kompetitiv an hochaktuellen Themen zu arbeiten. Dies ist sicherlich nicht nur ein Standortvorteil für die beteiligten Hochschulen beim Kampf um die besten Studierenden, sondern gewiss auch für die sich an den Standorten Leipzig und Halle immer besser entwickelnden Biotechnologie-Unternehmen.