30 Jahre Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung

Pressemitteilung vom 02.12.2004
Das Paul-Flechsig-Institut für Hirnforschung an der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig feiert sein 30jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass laden die Mitarbeiter herzlich zu einem Tag der offenen Tür ein, zu dem man viel Interessantes über den neuesten Stand der Hirnforschung im allgemeinen und die Forschungsarbeiten am Paul-Flechsig-Institut im Besonderen erfahren kann.Gruppen empfehlen wir, sich vorher anzumelden (Telefon 0341 97-25700).
Zeit 13. Dezember 2004, 10:00 Uhr bis 15:00 Uhr
Ort Jahnallee 59
gegenüber dem Zentralstadion

Das Gehirn - nach wie vor stellt es ein großes Mysterium dar und eine Herausforderung für die Wissenschaft. Man ist auf der Suche nach den Mechanismen des Lernens, der Funktion von Hirnabschnitten und dem Zusammenspiel seiner Bestandteile, nach Ursachen gefürchteter Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson oder Schizophrenie und man entwickelt immer feinere Methoden, um den Geheimnissen des Hirns auf die Spur zu kommen.

Zu den Wissenschaftlern, die sich der Herausforderung des Gehirns stellen, gehören die Forscher des Leipziger Paul-Flechsig-Instituts für Hirnforschung. Mit seinen drei Abteilungen Neuroanatomie (Leitung: Prof. Thomas Arendt), Neurochemie (Leitung: Prof. Volker Bigl) und Neurophysiologie (Leitung Prof. Andreas Reichenbach) ist es eine Forschungsinstitution von internationalem Rang. Veröffentlichungen in hochrangigen internationalen Zeitschriften, die Organisation internationaler Tagungen, die Leitung vieler durch BMBF, DFG und EG geförderter Forschungsverbünde, nationale und internationale Preise sind Ausdruck der exzellenten Qualität der hier betriebenen Forschung. Aktuell ist auf das interdisziplinäre Graduiertenkolleg INTERNEURO zu verweisen, in dem drei Fakultäten der Universität und ein Max-Planck-Institut zusammenarbeiten, um zelluläre Vorgänge im Gehirn zu modellieren und zu testen.

Die wichtigsten Forschungsprojekte der rund 50 Mitarbeiter, einschließlich der Doktoranden sind:

  • Neurobiologische Aspekte der Alzheimerschen Erkrankung

  • Neurotrophe Faktoren, Regeneration
  • Zytochemie von Neuronen, Gliazellen und extrazellulärer Matrix
  • Chronische Wirkung von Alkohol auf Gehirn und Verhalten
  • Pathophysiologie von Netzhauterkrankungen
  • Entwicklungsneurobiologie der Netzhaut, Neuromechanik, Fovea centralis.
Benannt wurde das am 11. Dezember 1974 gegründete Institut nach dem Leipziger Hirnanatomen und Psychiater Paul Flechsig, der besonders mit seinen Arbeiten zur Entwicklung der weißen Substanz des Gehirns (Myelogenese) weltweit bekannt wurde. Paul Flechsig, 1877 auf den Lehrstuhl für Psychiatrie berufen, gründete nach Fertigstellung des Klinikhauptgebäudes 1883 das "hirnanatomische Laboratorium", dem 1927 der Rang einer selbständigen Abteilung zuerkannt wurde. Richard Arwed Pfeiffer übernahm die Leitung dieser Abteilung (nun als Hirnforschungsinstitut bezeichnet) und erhielt damit 1927 die erste planmäßige außerordentliche Professur für Hirnforschung in Deutschland.

1943 wurde das Institutsgebäude durch Bombenangriffe zerstört, aber nach dem Kriege wieder aufgebaut und 1957 aus der Nervenklinik herausgelöst. Erster Direktor wurde 1959 Wolfgang Wünscher, 1973 dann Ernst Winkelmann. Noch war aber das Institut vorwiegend neuroanatomisch geprägt. Die Neurophysiologie entwickelte sich parallel dazu unter Leitung von Lothar Pickenhain seit 1962 an der Universitätsnervenklinik zur Abteilung, die 1966 von Fritz Klingberg weitergeführt wurde.

1965 war unter der Leitung von Dietmar Biesold die Abteilung für Neurochemie aus dem Institut für Biochemie herausgelöst worden bis schließlich 1974 die drei Abteilungen unter dem Direktorat von Dietmar Biesold zum heutigen Institut zusammengeschlossen wurden. Zunächst noch räumlich getrennt, zog 1993 schließlich das gesamte Institut unter Prof. Volker Bigl, seinem derzeitigen Direktor, unter ein gemeinsames Dach im ehemaligen Gebäude der DHfK, in der Jahnallee 59.