Weltdiabetestag lenkt Augenmerk auf Folgekrankheiten

Pressemitteilung vom 26.10.2004
Studie der Universität Leipzig belegt: Auch Füße von jugendlichen Diabetikern verlangen Aufmerksamkeit. 14. November 2004 - Weltdiabetestag in über 140 Ländern

Alljährlich am 14. November wird von den Mitgliedsorganisationen der Internationalen Diabetes-Föderation (IDF) in über 140 Ländern der Weltdiabetestag begangen. Das Datum will an den Geburtstag des Physiologen Frederick Banting erinnern, der zusammen mit Charles Best als erster die Ideen entwickelte, die 1921 zur Entdeckung des Insulins führten. Anlass für ein Gespräch mit Prof. Wieland Kiess, Präsident der Deutschen Diabetes-Gesellschaft sowie Dekan der Medizinischen Fakultät der Universität Leipzig und Direktor der Universitätsklinik und Poliklinik für Kinder und Jugendliche.

"Vom Europäischen Diabeteskongress in München habe ich gerade die neuesten Zahlen mitgebracht - und die sind erschreckend. Nach wie vor steigt die Zahl der Erkrankungen an", so Prof. Wieland Kiess. "Auf Deutschland bezogen bedeutet dies, dass als Folgen von Diabetes jährlich 50.000 Schlaganfälle, 5.000 Amputationen, 30.000 Herzinfarkte, 5.000 Erblindungen sowie 5.000 Dialysefälle registriert werden. Und das, obwohl die Krankheit heute so gut behandelt werden könnte, dass ein nahezu normaler Stoffwechsel gesichert ist. Aber mehr als die Hälfte aller Menschen mit einem Diabetes weiß nichts von ihrer Krankheit.

Die Universität Leipzig beteiligt sich an der Diabetes-Forschung sowohl durch Grundlagenforschung als auch durch klinische Studien. So wurde jetzt eine Analyse veröffentlicht, die sich dem Diabetischen Fuß bei Jugendlichen widmete. "Zwar sind von der großen Zahl der Amputationen Kinder und Jungendliche nicht betroffen," so Kiess, "aber gerade in diesem Alter lässt sich einer späteren dramatischen Entwicklung am besten vorbeugen." Diese Dramatik besteht darin, dass durch eine Veränderung der Eiweißstoffe im Blut massive Verstopfungen in den Gefäßen entstehen. Dort, wo der Blutfluss nicht so intensiv ist - hier unterscheidet sich beispielsweise die aktive Hand vom relativ passiven Fuß - dort verschließen sich die kleinsten Blutgefäße zuerst. Das bewirkt eine reduzierte Schmerzempfindlichkeit und eine verringerte Heilungskraft. Kleinere Verletzungen werden vom Patienten nicht bemerkt; sie infizieren sich, wachsen zu großen Geschwüren... Aus einer winzigen Läsion kann so ein lebensgefährlicher Zustand werden.

Aussagen dazu, inwieweit davon schon Kinder und Jugendliche gefährdet sind, sollte die Untersuchung von 93 jungen Diabetikern erbringen. Sie wurden zudem gebeten, ihre etwa gleichaltrigen stoffwechsel-gesunden Freunde oder Geschwister für das Vorhaben zu gewinnen, wodurch eine hundertköpfige Vergleichsgruppe entstand. Dann hieß es "Socken aus!" Bis auf den verstecktesten Winkel wurden die Füße der jungen Leute unter die Lupe genommen. Außerdem mussten sie mit Hilfe ihrer Eltern Fragen zu zurückliegenden Nagelbettentzündungen beantworten. Die Untersuchungen erbrachten, dass rund 34 Prozent der an Diabetes Typ I erkrankten Jugendlichen an Nagelbetterkrankungen litten oder sich daran erinnern konnten. In der Vergleichsgruppe hatten nur 23 Prozent der Probanden derartige Erfahrungen gemacht. Damit war erstmals nachgewiesen, dass diese für Erwachsene längst belegte Folge des Diabetes auch bei Jugendlichen auftritt.

"Fazit unserer Studie ist", so Kiess, "dass man die Füße schon bei jungen Diabetikern unbedingt regelmäßig kontrollieren muss, auch wenn die Kinder und Jugendlichen nicht über diesbezügliche Beschwerden klagen. In die Beratungen unserer Diabetes-Ambulanz werden Hinweise zur Fußpflege jetzt noch konsequenter integriert."

Allen Diabetikern - gleich welchen Alters - beziehungsweise deren Angehörigen empfiehlt Kiess, Kontakt zur Deutschen Diabetes Gesellschaft (www.deutsche-diabetes-gesellschaft.de) zu suchen, die durch ihre "Qualitätsrichtlinien für die Anerkennung von Einrichtungen zur Versorgung von Personen mit Diabetes mellitus" empfehlenswerten Behandlungseinrichtungen eine Art Gütesiegel verleiht. Diabetikern mit Fußproblemen hilft speziell die Arbeitsgruppe Fuß (www.ag-fuss-ddg.de) bei der Suche nach Informationen.

Der diabetische Fuß wird im kommenden Jahr im Mittelpunkt der Veranstaltungen zum Weltdiabetestag stehen. In diesem Jahr lautet das Motto "Übergewicht bekämpfen, Diabetes verhindern"; in den vergangenen Jahren ging es unter anderem um Diabetes und Nieren sowie um Diabetes und Augenerkrankungen.

Marlis Heinz