Aus dem Westen in den Osten - Migration in die Depression?

Pressemitteilung vom 01.09.2004
Die von der Universität Leipzig in Auftrag gegebene Studie "Migration in die Depression?" liefert Hinweise darauf, dass die Migration aus dem Osten in den Westen, vor allem aber aus dem Westen in den Osten Deutschlands negative Auswirkungen auf die psychische Befindlichkeit der Betroffenen hat.

Migration, also die räumliche Mobilität von Menschen zur Errichtung eines neuen Wohnsitzes, kann verschiedene Ursachen haben: Neben der Bedrohung der physischen Existenz (zum Beispiel in Kriegs- und Krisengebieten) spielen wirtschaftliche und politische Faktoren bei der Wanderungsentscheidung der Menschen eine Rolle. Es liegt auf der Hand, dass Migration mit Anpassungs-, Ein- und Umgewöhnungsprozessen verbunden ist. Während die psychische Befindlichkeit von Zuwanderern von außerhalb Deutschlands schon ausführlich untersucht wurde, sind die Auswirkungen der innerdeutschen Migration, vor allem nach der deutschen Wiedervereinigung, im Hinblick auf die psychischen Folgen bisher kaum erforscht worden.

Dr. Elmar Brähler, Professor für Medizinische Psychologie und Medizinische Soziologie an der Universität Leipzig, zu der gemeinsam mit Prof. Geyer (Klinik für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin am Universitätsklinikum Leipzig), Dr. Grulke und Dr. Bailer (Universitätsklinik für Psychotherapie und Psychosomatische Medizin, Ulm) durchgeführten Studie: "Wir wollten unter anderem das Befinden der innerhalb Deutschlands umgesiedelten Menschen untersuchen. Es wurden insgesamt 2066 Personen im Alter von 14 bis 93 Jahren befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass sich innerdeutsche MigrantInnen grundsätzlich belasteter einschätzen als Nicht-MigrantInnen; als besonders belastet erwies sich die Gruppe der West-nach-Ost-Migranten."

Vor allem die in Westdeutschland aufgewachsenen Männer, die nun in Ostdeutschland leben, scheinen unter den Folgen des Umzugs zu leiden: So lebt nur jeder Achte von ihnen mit einer Partnerin zusammen. Auch schätzten sich die im Osten wohnenden Westdeutschen selbst als missmutiger und depressiver ein als die Ostdeutschen im Westen. Insgesamt beschrieben sich die befragten Frauen als belasteter als die Männer; Niedergeschlagenheit, Müdigkeit und Missmut waren bei ihnen deutlich stärker ausgeprägt als bei den männlichen Probanden.

So zeigt die Studie, dass auch die innerdeutsche Migration und insbesondere die vom Westen in den Osten mit psychischer Belastung einhergeht; Brähler: "Bei Studien zur Befindlichkeit der Deutschen sollte zukünftig berücksichtig werden, wo in Deutschland die Befragten wohnen und vor allem, wo sie aufgewachsen sind."

Friederike Haupt