Lymphdrüsenkrebs: Hohe Heilungsraten möglichst ohne gravierende Spätfolgen

Pressemitteilung vom 27.08.2004
Das Leipziger Konzept für eine Internationale Studienzentrale zum Lymphdrüsenkrebs im Kindes- und Jugendalter erhielt 2002 den Zuschlag im Rahmen einer bundesweiten Ausschreibung. Bevor die Deutsche Krebshilfe mit der Förderung beginnt, müssen aktuelle Behandlungsempfehlungen erstellt und eine Studienzentrale aufgebaut werden.

Die Internationale Studienzentrale Morbus Hodgkin (Lymphdrüsenkrebs) in Leipzig berät über 200 Kliniken in sieben europäischen Ländern bei der Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit Lymphdrüsenkrebs. Voraussetzung dafür sind digitale Röntgen- und MRT-Bilder, ergänzt durch die Ergebnisse nuklearmedizinischer Untersuchungsverfahren. Daraus erarbeitet die Leipziger Studienzentrale Therapieempfehlungen für den Patienten. "Wir möchten, dass jedes an Lymphdrüsenkrebs erkrankte Kind nach den neuesten medizinischen Erkenntnissen behandelt wird, nach Möglichkeit ohne Spätfolgen.", führt Prof. Dr. Dieter Körholz, Leiter der Kinderkrebsabteilung am Universitätsklinikum Leipzig, aus.

Bevor die Studienzentrale mit ihrer eigentlichen Arbeit beginnen kann, müssen einige Voraussetzungen erfüllt werden, die zugleich die Voraussetzungen der Förderung durch die Deutsche Krebshilfe sind:

  1. Es muss ein aktuelles Studienprotokoll erstellt werden. Darin sind einheitliche Behandlungsempfehlungen auf der Grundlage neuester Forschungsergebnisse formuliert.
  2. Es muss eine arbeitsfähige Studienzentrale betrieben werden.
Finanzierung der Vorleistungen

Diese Vorleistungen kosten Geld. Prof. Körholz, rechnet mit rund 650.000 Euro. Diese Anschubförderung wird größtenteils erbracht durch die Peter-Escher-Stiftung für krebskranke Kinder und Hand in Hand for Children e.V.. Beide Organisationen sammeln Spenden, um das Leiden krebskranker Kinder zu lindern und Ihre Gesundung zu fördern. "Damit tragen diese Einrichtungen einerseits dazu bei, ihr Anliegen zu verwirklichen, krebskranken Kindern zu helfen, andererseits stärken sie damit auch den Forschungsstandort Ostdeutschland.", stellt die Prorektorin für Lehre und Studium der Universität Leipzig, Prof. Dr. Charlotte Schubert, fest. "Denn nach wie vor gibt es in der Drittmitteleinwerbung der ostdeutschen Universitäten Nachholbedarf."

"Bis zu 10 Millionen Euro könnten in den nächsten zehn Jahren durch die Studienzentrale Morbus Hodgkin nach Leipzig geholt werden", ergänzt der Dekan der Medizinischen Fakultät, Prof. Dr. Wieland Kiess. "Das würde uns in der Forschung ein ganzes Stückchen weiterbringen." Und Fortschritte in der Forschung kommen letztendlich wieder den kranken Kindern zugute. Für das entsprechende Umfeld sorgt das Universitätsklinikum Leipzig. "Mit dem neuen Zentrum für Frauen- und Kindermedizin in der Liebigstraße schaffen wir ideale räumliche und medizinische Bedingungen für die Kinder im Krankenhaus. Welchen guten Einfluss das auf den Genesungsprozess haben kann, muss sicher nicht explizit ausgeführt werden.", erklärt der kaufmännische Vorstand des Universitätsklinikums, Dr. Elmar Keller.

Was soll erreicht werden?

Kurz gesagt: Hohe Heilungsraten möglichst ohne gravierende Spätfolgen.

Der Morbus Hodgkin im Kindes- und Jugendalter kann mit Chemo- und Strahlentherapie erfolgreich behandelt werden. So leben 94 Prozent der Patienten noch 20 Jahre nach der Behandlung - unabhängig vom Stadium der Erkrankung bei der Diagnosestellung. Allerdings zeigen internationale Studien, dass ca. 25 Prozent der Patienten 30 Jahre später eine andere Krebserkrankung bekommen, die im wesentlichen durch die Bestrahlung ausgelöst wird. Brustdrüsenkrebs oder Schilddrüsenkrebs sind besonders häufig. Im Vergleich zur Normalbevölkerung haben nach amerikanischen Langzeitstudien diese Patienten ein 18,5 mal höheres Krebsrisiko gegenüber der Normalbevölkerung.

Was also tun? Die Mediziner wollen verstärkt ohne Bestrahlung behandeln. Das könnte durch nuklearmedizinische Verfahren wie die Positronenemmissionsthomographie erreicht werden, mit der man lebendes Tumorgewebe von Narbengegewebe nach einer Chemotherapie unterscheiden kann. "Wir gehen davon aus, dass wir mit dem Einsatz dieser Untersuchungsmethode künftig ca. 50 bis 70 Prozent der Patienten nicht mehr bestrahlen müssen, ohne dass die Heilungsergebnisse schlechter werden", erläutert Prof. Dr. Regine Kluge, die Nuklearmedizinerin in der Studienzentrale.

Aufbau einer Tumor- und Serumbank

Außerdem wollen die Leipziger Krebsforscher eine Tumor- und Serumbank aufbauen, die im neugegründeten Lions KinderkrebsForschungszentrum e.V. angesiedelt sein soll. Das Lions KinderkrebsForschungszentrum wird von den vielen regionalen und überregionalen Lions Clubs unterstützt und nach dem Modell der europäischen Hornhauttransplantationsbank in Düsseldorf organisiert. Um die Tumor- und Serumbank plant man einen interdisziplinären und internationalen Forschungsverbund Morbus Hodgkin im Kindes- und Jugendalter mit Zentrale in Leipzig.

Die geplanten Aktivitäten dienen der Förderung experimenteller Forschung auf dem Gebiet des Lymphdrüsenkrebses. Gegenwärtig sind die Wissenschaftler auf der Suche nach neuen Diagnose- und Therapieverfahren, mit denen das Ziel "Hohe Heilungsraten ohne gravierende Spätfolgen" erreicht werden kann.