Von den Tücken des Badens

Pressemitteilung vom 30.07.2004
Der Sommer lässt sich jetzt doch noch blicken. Anlass, sich beim neuberufenen Direktor der Klinik und Poliklinik für Hals-, Nasen-, Ohrenheilkunde / Plastische Operationen, Prof. Dr. Andreas Dietz, nach einigen Tücken der endlich eröffneten Badesaison zu erkundigen.

Ob HNO-Spezialist oder nicht - Wasser im Ohr ist auch für Sie; Herr Prof. Dietz, sicher keine unbekannte Größe. Wenn es schließlich abläuft, empfindet man Erleichterung und hat es bald wieder vergessen. Ist Wasser im Ohr aber wirklich so harmlos?

Nun, man muss nicht gleich in Panik verfallen, wenn sich etwas Wasser im Ohr verfangen hat. Der Gehörgang ist durch seine leichte Verbiegung gut geeignet, um Wasserreste nach kurzem Tauchen zurückzuhalten. In der Regel fließt es ohne Folgen nach einiger Zeit wieder ab. Manchmal allerdings kann es Gehörgangsentzündungen auslösen, die keineswegs harmlos sind.

Wie kommt die Entzündung zustande und wie äußert sie sich?

Das Wasser weicht die Haut im Gehörgang ein wenig auf, so dass Keime, die üblicherweise an dieser Stelle oberflächlich vorkommen, in die Haut eindringen und dort eine Entzündung hervorrufen können. Die Ursache der Entzündung liegt also in unserem Organ selbst und nicht in Wasserkeimen, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. Die Entzündung schmerzt sehr und geht mit einer starken Schwellung des Ohreingangs bis hin zum Abstehen der Ohrmuschel einher. Zusätzlich kann es zu einer Hörminderung des befallenen Ohres kommen. Man nennt diese Entzündung sinnvollerweise auch "Bade-Otitis".

Was ist zu tun?

Die Schmerzen spürt man meist erst am Abend. Wenn sie nicht nachlassen und besonders stark sind, sollte man einen HNO-Arzt aufsuchen. Dieser reinigt behutsam den Gehörgang mit speziellen Instrumenten und bringt dann Tropfen oder Salbenstreifen ein, die zu einer raschen Abheilung führen. Auf keinen Fall sollte man selbst Hand anlegen und dem Gehörgang mit Wattestäbchen, Büroklammern oder sonstigen Gegenständen zu Leibe rücken! Der Gehörgang ist sehr leicht verletzlich. Außerdem kann das in der Tiefe liegende Trommelfell geschädigt werden. Wir haben immer wieder mit solchen Fällen zu tun.

Kann die Gehörgangsentzündung zu bleibenden Schäden führen?

Normalerweise nicht. Doch bei der geschilderten unsachgemäßen Behandlung, kann das durchaus passieren. Auch wenn die Entzündung verschleppt wird. Dann können z. B. Verwachsungen entstehen oder die Entzündung kann chronisch werden. Eingeschränkte Hörfunktionen sind die Folge.

Immer wieder hört man von den Gefahren beim Tauchen. Trifft das auch auf die Ohren zu?

Tauchen in der üblichen Schwimmbadsituation mit gesunden Ohren ist völlig harmlos. Ist allerdings ein Loch, bedingt beispielsweise durch Entzündungen des Mittelohres vorhanden, kann ein Tauchgang sehr gefährlich werden, da das eindringende kalte Wasser akut zu massiven Gleichgewichtsstörungen führen kann. Dies erklärt sich aus der räumlichen Nähe des Gleichgewichtorgans zum Mittelohr. Schließlich kann das eindringende Wasser auch zu Mittelohrentzündungen führen. Bei tieferen Tauchgängen kann es zu Einreißungen des Trommelfells kommen, wenn der Druckausgleich über die sog. Ohrtrompete nicht funktioniert. Spezielle Taucher (Hobby oder Beruf) sollten sich hier von Ihrem HNO-Facharzt beraten bzw. abklären lassen.